Wagner gegen Gomez DFB-Elf: Der Kampf um Kloses Erbe

Die beiden besten deutschen Stoßstürmer: Mario Gomez (l.) und Sandro Wagner. Foto: dpa

Beim Confed Cup will sich Sandro Wagner für den Platz im deutschen Sturmzentrum empfehlen. "Er hat die Tür jetzt aufgestoßen", sagt Löw über den Hoffenheimer. Sein Rivale Mario Gomez fehlt.

Einen solchen Satz wie Sandro Wagner hätte Miroslav Klose nie von sich gegeben - obwohl er jedes Recht dazu gehabt hätte. Er sei "mit Abstand der beste deutsche Stürmer", sagte Wagner vor etwa einem halben Jahr in der "Bild". Er war damals zwar tatsächlich erfolgreichster deutscher Torschütze im Jahr 2016, aber eben auch: ohne jedes Länderspiel.

Klose, der WM-Rekordtorjäger, der beste deutsche Stürmer der vergangenen 15 Jahre, war kurz zuvor als neuer Trainer-Azubi des DFB-Teams vorgestellt worden. Als besten Coach des Landes bezeichnete sich der bescheidene Klose bei seiner Präsentation natürlich nicht - dafür bekam er einen klaren Auftrag von Bundestrainer Joachim Löw: Er solle bei der Suche nach einem neuen Mittelstürmer helfen. Und in diesem Punkt sind sich Klose und Wagner nun doch noch näher gekommen, als man vielleicht gedacht hätte.

"Miro gibt uns viele Tipps"

Der Mittelstürmer der TSG Hoffenheim hat es im reifen Alter von 29 Jahren ins Team des Weltmeisters geschafft, er dürfte gesetzt sein, wenn heute das erste Gruppenspiel der deutschen Mannschaft beim Confed Cup gegen Australien angepfiffen wird (17.00 Uhr/live im ZDF). Wagner traf kürzlich dreimal beim WM-Quali-Spiel gegen San Marino (7:0), empfahl sich mit einer starken Leistung für die Startelf - und dankte anschließend auch Klose.

"Wir haben ein tolles Trainerteam", sagte er: "Miro gibt uns viele Tipps." Und wem sonst sollte man lauschen, wenn es ums Toreschießen geht? 71 Treffer erzielte der frühere Bayern-Profi Klose in 137 Länderspielen, 16 bei WM-Endrunden. "Gerade junge Spieler schauen zu ihm hoch, haben großen Respekt vor seiner fußballerischen Leistung und vor seiner Persönlichkeit", sagte Löw.

In der A-Mannschaft hält sich Klose in seiner neuen Funktion als Stürmer-Coach zurück. Auf dem Trainingsplatz packt er auch mal die Bälle aus den Netzen. Doch wenn er spricht, hören die Stürmer zu - ob sie nun Wagner, Timo Werner (21) oder Lars Stindl (28) heißen. "Bei uns bringt er sich immer mehr ein", sagte Löw über Klose: "Er soll ganz speziell im Training und im Spiel auf unsere offensiven Kräfte achten. Er hat immer gute Ideen."

Auch bei der Idealbesetzung des Sturmzentrums? Seit Kloses Rücktritt nach dem WM-Triumph 2014 dauert die Diskussion um einen geeigneten Nachfolger an. Mario Gomez spielte eine gute EM 2016, eine schwache Hinrunde mit dem VfL Wolfsburg, dafür eine Top-Rückserie. Beim Confed Cup verzichtet Löw auf den 31-Jährigen. "Für ihn zählt jetzt Regeneration und ein gutes Jahr, dann kann er bei der WM ein Zeichen setzen", erklärte der Bundestrainer. Beim Kampf um Kloses Erbe und einen Stammplatz bei der WM liegt Gomez weiter vorne. Doch er hat nun starke Konkurrenz bekommen.

Vor allem mit Wagner, der mit seiner robusten Spielweise und seinem ebenso kantigen Charakter "eine neue Note" (Löw) ins DFB-Team bringt. "Sein Selbstbewusstsein gefällt mir sehr gut", sagte der Bundestrainer der "Welt am Sonntag". Wagner, in der Jugend des FC Bayern ausgebildet, sei eine gute Option bei Flanken, einer, der Gegner "binden und beschäftigen" könne. Mit Blick auf eine mögliche WM-Nominierung machte Löw Wagner Hoffnung: "Er hat die Tür jetzt erst einmal aufgestoßen." Lothar Matthäus würde Wagner auf jeden Fall mitnehmen. "Er hat in den vergangenen zwei Jahren hervorragend gespielt", sagte Matthäus im "Express" und fragte: "Warum kann es nicht Gomez und Wagner heißen?"

Wagner selbst fühlt sich im Kreis der DFB-Kollegen sehr wohl. Und die Kollegen mögen ihn. Nach seinen drei Treffern gegen San Marino sprach Wagner vom "Beginn einer Liebesbeziehung", als er auf sein Verhältnis zu Löw angesprochen wurde. Dann lachte er. Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff meinte: "Schüchtern ist Sandro Wagner nicht."

Ein ganz anderer Typ als Miro Klose eben. Und doch ein heißer Kandidat auf dessen Erbe.

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