„Von der Welt Anfang und Ende“ – zum Wagner-Jubiläum zeigt das Deutsche Theatermuseum  eine umfassende Schau über den „Ring des Nibelungen“ in München

Unter den Stallburschen mögen ja hübsche Kerle gewesen sein. Doch das dürfte den Walkürenritt kaum besser gemacht haben. Gegen den ausdrücklichen Willen Richard Wagners hatte der Kini die Uraufführung der „Walküre“ erzwungen – ein Desaster, zu dem die galoppierenden Diener Ludwigs II. nur noch das wenig elegante i-Tüpfelchen geliefert haben. Auf diese Weise kam München immerhin zur Ehre, als Startrampe für den „Ring des Nibelungen“ in die Annalen einzugehen. Dass die Erfolgsgeschichte der Mammut-Tetralogie nun im hiesigen Theatermuseum aufgearbeitet wird, ist also nur folgerichtig.

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Und man bekommt alles fein serviert, nicht anbiedernd vorgekaut, wie das bei multimedial aufgedonnerten Jubiläumsausstellungen immer häufiger der Fall ist. Wer mag, geht in die Tiefe und schaut sich durch allerlei Quellen – von den für alles Sagenhafte zuständigen Grimms bis zur altisländischen „Edda“ –, in denen sich der philologisch versierte Wagner wie auf einem Steinbruch bediente. Nebenbei erfährt man eine Menge übers Theater des 19. Jahrhunderts, Wagners Aversionen gegenüber dem Repertoirebetrieb und über seinen megalomanen Traum, der bekanntlich nicht in München, sondern auf einem Hügel in Oberfranken Realität wurde.

Zwischen Fantasy und Körpereurythmie

Es soll Wagnerianer geben, die das immer noch fuchst. Denen sei die Schau am Hofgarten ganz besonders empfohlen – man male sich nur die von Witwe Cosima beinhart kontrollierte Œuvre-Verwaltung am Isarhochufer aus... Sei’s drum, Bayreuth, wo das Festspielhaus just für den „Ring“ gebaut wurde – 1876 ging er dort erstmals als Zyklus über die Bühne –, warf überlange Schatten.

Das zeigt die Aufführungsgeschichte, die in den oberen Etagen nuancenreich aufgefächert wird. Andernorts erlaubte man sich halt schon früher etwas mehr an Freiheit. Und erstaunlich: Die NS-Zeit markiert keine Zäsur, allenfalls einen zarten Rückfall in den Naturalismus, auch nach dem Zweiten Weltkrieg ging’s fast nahtlos weiter. Erst mit der Zeit explodierten in den Regisseursköpfen die Ideen, und man kann hier lustvoll spazieren zwischen Günther Rennerts symbolgeladener Schlichtheit in der Spätfolge eines Wieland Wagner, David Aldens Klo, in dem Siegfried 2002 sein glühendes Eisen kühlte, und der farbenfrohen Körpereurythmie der aktuellen „Ring“-Inszenierung von Andreas Kriegenburg. Dazwischen öffnen sich „Ausblicke“ auf den Stuttgarter oder den umwerfenden Fantasy-„Ring“ in Kassel. Dass hier Nicht-Münchnerisches verhandelt wird, erschließt sich allerdings nicht einmal Kennern auf den ersten Blick.

Alles in allem ist Kuratorin Birgit Pargner und ihrem Co. Robert Braunmüller eine erhellende wie attraktive Schau gelungen, die Entdeckung der auf Projektions-Glasplatten gemalten Walküren in der Staatsoper sind dazu ein Extra-Zuckerl. Man würde das gerne im Theater sehen. Und sicher war dieses Damengeschwader ansehnlicher als Ludwigs Stallburschen.

Deutsches Theatermuseum, Galeriestr. 4a, bis 20. Oktober 2013, Di bis So 10 bis 16 Uhr, Katalog 29.90 Euro