Währung, Börse, Wechselkurse Chinas Konjunkturdaten belasten den Dax

Chinas Aktienmarkt ist überbewertet und stürzt ab, das hat Auswirkungen auf die globalen Aktienmärkte auch auf den DAX. Foto: Creativa Images / Shutterstock.com.

Griechenland, Russland und China. Diese Staaten haben alle Eins gemeinsam. Sie belasteten deutsche Unternehmen und damit den Aktienmarkt in 2014 und 2015. Während Russland-Sanktionen aktuell keinen nennenswerten Einfluss mehr haben dürften und die Griechenland-Krise in weite Ferne gerückt ist, reagiert der deutsche Aktienmarkt verschnupft auf die jüngsten Reformbemühungen Chinas.

München - Im August hat die chinesische Notenbank PBOC, erstmals den Renminbi (Yuan) gegen den US-Dollar niedriger fixiert. Damit hat die PBOC offiziell interveniert und löste einen verheerenden Kapitalabzug aus China aus. Die PBOC gab damit zwei mögliche Signale an die Märkte:

1. Liberalisierung der chinesischen Währung wird vorangetrieben
2. Abwertung zwecks Konjunkturbelebung

Durch die Liberalisierung des Yuan, also des chinesischen Kapitalmarktes, erhoffte sich das Land zum einen die Aufnahme in den Währungskorb des IWF und des Weiteren die Anerkennung als Reservewährung auf dem internationalen Kapitalmarkt.

Die Abwertung zwecks Konjunkturbelebung wird notwendig, da der starke US-Dollar durch die Koppelung an den Yuan die Exporte und damit die Konkurrenzfähigkeit des Landes belastet, vor allem gegenüber anderen asiatischen Ländern wie Taiwan und Südkorea. Darüber hinaus befindet sich China in einer wirtschaftlichen Reformphase. Das Wirtschaftswachstum soll in einigen Jahren nicht mehr im Großen und Ganzen von der Industrie getragen werden, sondern vom Konsum, was durchaus Sinn macht in einem Land mit der größten Bevölkerungsdichte. Damit will China den USA den ersten Rang als globale Wirtschaftskraft streitig machen.

 

Die Konjunktur ist nicht so schlecht

 

Doch wie die letzten Daten zeigen, sieht Chinas Konjunktur nicht in jeder Hinsicht schlecht aus. So ist das Handelsbilanzsaldo für Dezember unerwartet gut ausgefallen. Auch der Industriesektor läuft rund wie die ISM-Einkaufsmanagerindizes zeigen. Das Problem liegt eher in der Gemengelage. China schafft es nicht sowohl konjunkturell als auch geldpolitisch Sicherheit für die Märkte zu signalisieren.

Die ISM- Einkaufsmanagerindizes deuten zwar auf eine Erholung hin, jedoch gilt das nur für große und zumeist staatliche Unternehmen. Der Caixin-Einkaufsmanagerindex, der die kleinen privaten repräsentiert, ist dementsprechend negativ ausgefallen und deutet darauf hin, dass die Maßnahmen in der Privatwirtschaft noch nicht ankommen. Das hat nicht minder Einfluss auf den Absatz der deutschen Unternehmen und damit auf die Investoren.

 

Warum reagiert der Dax?

 

Auf der einen Seite treibt das Land Reformen für die Liberalisierung des Kapitalmarktes voran, auf der anderen wird interveniert um damit den Markt zu beruhigen. Dabei ist der chinesische Aktienmarkt stark überbewertet, da die Regierung vor einigen Jahren alles daran gesetzt hat das Kapital des normalen Arbeiters in Aktien zu treiben. Die Unsicherheit vieler Anleger ist es, dass Unternehmen nun enorm überschuldet sind. Sie können allerdings die Aktien kaum verkaufen, denn die chinesische Börsenaufsicht hat in der letzten Woche nicht nur zwei Mal den Handel aussetzen lassen, sondern interveniert beispielsweise durch Verkaufsverbote für Großanleger.

Man kann nicht pauschal sagen, dass die deutsche Konjunktur so stark an China hängt und der Dax deshalb diese starke Korrelation aufweist. Das Ganze ist eher einer generellen Kapitalumschichtung aus erhöhten Risikogründen zu verdanken. Sollte der chinesische Aktienmarkt abstürzen, so werden Aktien verkauft und Staatsanleihen erworben.


Grafik: abendzeitung-muenchen.de

 

Natürlich reißt es besonders diejenigen Aktien mit, deren Unternehmen wirtschaftlich stark mit China verflochten sind. So mussten die deutschen Autobauer in der ersten Woche des Jahres am meisten Federn lassen. BMW, VW und Daimler verloren allesamt mehr als 3 Prozent, während Titel wie die deutsche Telekom, SAP und Lufthansa am wenigsten verloren. Da der Dax insgesamt nur 30 Titel enthält, zudem deren Gewichtung variiert, ist es kein Wunder, dass der deutsche Leitindex neben anderen Aktienindizes stärker auf die von China ausgehende Unsicherheit reagiert.

 

Was hat das Ganze mit dem EUR/USD zu tun?

 

Der Yuan ist wie oben bereits angedeutet bis vor kurzem noch an den US-Dollar gekoppelt gewesen. Der US-Dollar hat aufgrund der Niedrigzinspolitik vieler Länder einerseits und den steigenden Zinsen in den USA andererseits, aufgewertet.

Die folgende Grafik zeigt das Währungspaar EUR/USD, also den Euro-Kurs bewertet in US-Dollar. Dabei stellt eine Kerze jeweils ein Jahr in der Entwicklung des Kurses dar. Wertet der US-Dollar auf, so fällt das Währungspaar EUR/USD. Man erkennt an den beiden roten, fallenden Kerzen, dass der US-Dollar in den letzten beiden Jahren massiv aufgewertet hat und zwar von 1,40 auf zwischenzeitig 1,05 US Dollar je Euro.


Bildquelle: www.abendzeitung-muenchen.de
 

 

Im Forex-Handel bezeichnet man diese Entwicklung als einen starken Trend, den Investoren ausnutzen können. Laut Sebastian Hell, Geschäftsführer des Brokerhaus QTrade mit Sitz in München ist der Unterschied zu Aktien der Umstand, dass man sowohl auf steigende als auch fallende Kurse setzen kann. Das macht Sinn, denn der Währungshandel ist ein Tauschgeschäft. Wer eine Währung kauft, verkauft gleichzeitig die andere.

Durch die Koppelung des Yuan an den US-Dollar wertete auch die chinesische Währung stark auf, weshalb das Land wettbewerbstechnisch international schlechter dasteht. Bis vor kurzem pochten die USA noch darauf, dass die chinesische Regierung den Yuan nicht abwerte, weil sie der größte Schuldner bei den Chinesen sind, sprich China hält den größten Anteil US-Amerikanischer Staatsanleihen.

Wertet der Yuan ab, also der US-Dollar stark gegenüber dem Yuan auf, so bekommen die Chinesen alleine aufgrund dieser Aufwertung einen höheren Betrag an Yuan für den US-Dollar. Mit den jüngsten Entwicklungen haben Anleger Sorgen, dass die weitere Abwertung des Yuan, nochmals einen massiven Schub für den US-Dollar nach oben bedeuten könnte.

 

Fazit: Dax ist bereits seit Q2 2015 anfällig

 

Dass der deutsche Leitindex nicht vom Fleck kommt ist nicht neu. Der Index hat seine besten Tage im ersten Quartal 2015 gesehen. Anfang letzten Jahres verzeichnete der Dax einen Anstieg von 30 Prozent. Die Euphorie verflog jedoch sehr rasch als Sorgen um die Pleite Griechenlands aufkamen. Waren diese für zunächst gelöst erklärt, kam China mit der Abwertung des Yuan und dem Absturz des Aktienmarktes. Es ist noch nicht klar wohin die Reise geht.

Das Risiko um China besteht weiterhin. Jedoch ist es weniger generell die Konjunktur Chinas, die Sorgen bereitet, sondern die Reformbemühungen des Landes. Diese lassen die deutschen Unternehmen insgesamt im globalen Wettbewerb schlechter dastehen.

Hinzu kommt, dass die Zusammensetzung des Index für solche Fälle äußerst ungünstig gestaltet ist. Die Gewichtung der Konzerne, die in China wirtschaftlich stark verflochten sind, ist überproportional, sodass der Index natürlich stärker als andere auf Marktverwerfungen reagiert. Das heißt aber nicht, dass es dem deutschen Markt insgesamt schlecht geht. Der DAX kann nicht stellvertretend für den gesamten deutschen Markt gesehen werden.

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