Ein Polizist steckt seine Einnahmen aus Knöllchen selber ein – und wird erwischt. Jetzt kommt es zum Prozess

MÜNCHEN Zu schnell gefahren, Gurt nicht angelegt, falsch geparkt: Insgesamt 985 Euro in bar kassierte der Verkehrspolizist Paul F. (36, Name geändert) von Autofahrern, die sich nicht an die Straßenverkehrsordnung hielten. So weit, so korrekt.

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Doch anstatt das Geld abzurechnen, steckte es sich der klamme Beamte in die eigene Tasche. „Ein klassischer Fall” für das Gericht. Ein Beispiel, was ein Polizist auch in einer finanziellen Notlage eben nicht tun darf.

Das Polizeipräsidium München suspendierte den Mann, strich ein Drittel seiner Bezüge und wollte ihn jetzt ganz aus dem Dienst entfernen lassen. Ein normaler Vorgang, der meist damit begründet wird, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Polizist und Dienstherr nach einem solch schweren Dienstvergehen zerrüttet sei.

Doch die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht nahm diesmal eine überraschende Wendung. Paul S. gelang es, seine damalige finanzielle und psychische Ausnahmesituation plausibel zu machen. Und vor allem: Er zeigte sich reuig.

Bislang war er das genaue Gegenteil eines guten Polizisten gewesen. Zu langsam, zu ungenau, zu beratungsresistent. Statt die Kritik seiner Vorgesetzten zu beherzigen, flüchtete er sich in diverse Krankheiten. Die Fehlzeiten häuften sich. „Ihre Kollegen mussten Ihre Arbeit mitmachen”, kritisierte das Gericht.

Mit dem Kauf einer Eigentumswohnung hatte er sich finanziell verhoben. „Das Geld für die Strafzettel habe ich für essen, trinken und tanken gebraucht.” Statt seine Probleme anzugehen, ignorierte er die Mahn-Post. Bis ihm der Dienstherr auf die Schliche kam.

2011 macht er endlich eine psychiatrische Therapie. Fünf Wochen lang. „Ein Dampfhammer”, wie er selber sagt. Seitdem gehe es wieder aufwärts, habe er sein Leben privat und finanziell wieder im Griff.
Seine neue Einstellung soll er jetzt auch im Job beweisen. Ein Jahr wird das Verfahren ruhen. In dieser Zeit muss Paul F. zeigen, was einen guten Polizisten ausmacht. Gelingt ihm das nicht, fliegt er. Denn das Gericht versprach ihm: „Wir werden uns an die heutige Verhandlung und ihr Gelöbnis erinnern.”

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