Vor Gericht Hausfrau zockt die Profis ab

Das Spiel ist aus: Eine Beamtin führt Beate H. ins Gericht. Foto: John Schneider

Häuser, Autos, Bargeld: Mit der Lüge von einer großen Erbschaft bekam die 51-Jährige alles

MÜNCHEN Von kleiner Statur, etwas untersetzt, auffällig unauffällig angezogen – Beate H. (51) aus Oberammergau wirkt so gar nicht wie eine schillernde Hochstaplerin. Und doch hat die so bieder wirkende Hausfrau reihenweise Banker, Notare, Auto-Verkäufer, Gerichtsvollzieher, Polizisten, Handwerker und andere Profis über den Tisch gezogen.

Der Wert der Häuser und Autos, die sich die Frau betrügerisch unter den Nagel reißen wollte, wird auf 1,6 Millionen Euro geschätzt. Der tatsächliche Schaden betrage etwa 120000 Euro, erklärte Staatsanwalt Lars Hohlstein.

Er wirft Beate H. Betrug und Urkundenfälschung vor. Ihren Opfern gaukelte sie mit gefälschten Urkunden eine große US-Erbschaft vor, um an Häuser und Autos zu kommen. Der vorbestraften Frau drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Gestern gab sie sich reumütig: „Ich habe die, die mir vertraut haben, enttäuscht. Es tut mir von Herzen leid.” Ihr Motiv? „Ich habe es für die Familie gemacht.” Tatsächlich profitierten Mann und Sohn von den Betrügereien der Mama. Sie fuhren die bis zu 100000 Euro teuren Autos (immer Audi, meistens A5), ließen es sich in den großen Häusern in Oberammergau und Kochel am See gut gehen. Sie selbst kleidete sich bescheiden.

Begonnen hatte alles mit einer finanziellen Schieflage. Die Baufirma ihrer Tochter in Gera war ins Trudeln geraten. Die Familie steckte alles in die Rettung der Firma – einschließlich ihres Häuschens.

Bereits damals begann Beate H. mit Betrügereien. Ihr Umzug nach Bayern war eine Flucht – die jetzt vor dem Kadi endet. Der Prozess geht weiter.

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