Braunschweigs Trainer Lieberknecht schwärmt von den Löwen, hat Mitleid mit seinem Kollegen Schmidt – und träumt von der 1. Liga
 

AZ: Herr Lieberknecht, früher Chaos-Klub, heute Spitzenreiter – wie haben Sie mit Eintracht Brauschweig diese Trendwende geschafft?

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TORSTEN LIEBERKNECHT: Stimmt. Braunschweig hat sich damals auch nicht gut verkauft. Gott sei Dank sind wir hier aber immer ohne einen Investor ausgekommen. Wir sind seit drei Jahren auf der Sonnenseite, haben dem Verein ein neues Leitbild gegeben. Gerade bei den Spielern schauen wir auf Merkmale wie Charakter-Eigenschaften.

Inwieweit fühlen Sie mit Alexander Schmidt, der bei den Löwen als junger Trainer einen schweren Start hat?

Jedem Trainer tut Ruhe im Umfeld gut. Die hat er sicher nicht. Deshalb ist es für ihn ein schwieriges Arbeiten. Andererseits arbeitet er bei einem Verein, wo sicher ganz viele gerne Trainer wären. Sechzig ist ein geiler Klub, dem wünscht man Besseres als das, was derzeit passiert. In den Löwen steckt viel Potenzial, wenn der Verein alles in den Griff bekommt.

Sie haben in der jüngeren Vergangenheit eine Serie von Treffern auf dem Transfermarkt gelandet. Ihr Rezept?

Wir schlafen hier nicht auf Bäumen. Auch wenn wir nur zwei Scouts haben. Bei uns machen sich aber viele Leute auf den Weg. Wir investieren viel Zeit in persönliche Gespräche mit den Spielern.

Beim Blick auf die Tabelle ist das Thema Aufstieg nur schwer kleinzureden.

Wir reden schon noch von vielen anderen Dingen. Bei uns gibt es nicht so viele Top-Einzelspieler wie bei 1860. Wie Stoppelkamp, Halfar oder Lauth. Natürlich herrscht bei uns ein großer Traum. In der Stadt, bei den Fans, bei allen.

Muss sich Ihr ehemaliger Mitspieler und guter Freund Jürgen Klopp also schon vor der Eintracht fürchten?

(lacht) Nein, das ganz sicher nicht. Auch dann nicht, wenn wir aufsteigen.

Haben Sie noch oft Kontakt?

Derzeit beschränkt sich das eher auf Glückwunsch-SMS nach Siegen.

Träumen Sie von einem anderen Verein?

Nein. Natürlich weiß ich, dass das hier nur ein Job ist. Dass sich der Verein irgendwann vielleicht umorientieren will. Aber wenn man mir jetzt einen Vertrag bis 2030 anbieten würde, würde ich sofort unterschreiben. In Braunschweig ist der Fußball noch ein Stück purer. Hier prägen Sieg oder Niederlage die Stadt eine ganze Woche lang. Hier hat man nicht die Anonymität, die man sich beispielsweise in München holen kann.

Ihr Team hat diese Saison erst einmal verloren.

An sich wäre es normal, wenn wir mal wieder verlieren würden. Das Spiel gegen 1860 wird auf jeden Fall eine ganz harte Nuss.

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