Das hat Harald S. ein Disziplinarverfahren eingebracht. Auch auf Youtube finden sich seine kruden Ideen.

Sein Auftritt vor den selbst ernannten „Reichsdeutschen“ im Chiemgau hat einem hochrangigen Polizeibeamten ein Disziplinarverfahren eingehandelt. Das bestätigte ein Sprecher der Bayerischen Bereitschaftspolizei.

Als Seminarleiter im Fortbildungsinstitut der bayerischen Polizei in Ainring (Berchtesgadener Land) soll Harald S. Polizeibeamte auf Vordermann bringen. Er ist seit 40 Jahren im Dienst, ein erfahrener Mann. Doch jetzt, und nicht zum ersten Mal, sind Zweifel an seiner Verfassungstreue aufgetaucht.

Im August letzten Jahres ließ sich der Erste Polizeihauptkommissar von einem bekannten Verschwörungstheoretiker interviewen. Das Gespräch landete auf Youtube. Eine seiner kruden Ideen, die er dort zum besten gibt: Die Grenzen des Deutschen Reichs von 1937 bestehen immer noch, Ausweise des Deutschen Reichs hätten unter bestimmten Voraussetzungen sogar noch Gültigkeit.

Derartige Sprüche entsprechen dem Gedankengut der „Reichsbürger“, auch im Chiemgau. Die „besorgten Reichsdeutschen“ der „Heimatgemeinde Chiemgau“ treffen sich regelmäßig und schwadronieren darüber, dass die BRD nur eine Firma sei und als Staat nicht anerkannt werden könne. Ihr Weltbild ist eine schräge Mischung rechter Ideologien, Esoterik und Verschwörungstheorien.

Etwas schräg scheint allerdings auch die berufliche Selbsteinschätzung von Harald S. zu sein. Immerhin spricht er in dem Video von „Spielräumen“, die man als Polizist habe: „Wenn ich was nicht sehe, dann sehe ich was nicht.“

Bei den etwa 80 erschienenen Chiemgauer „Reichsbürgern“ kam das gut an. Fast eine Stunde lang begaben sie sich mit ihm im Wirtshaus auf die „Suche nach der Wahrheit“. Mit Blick auf die vielen Flüchtlinge an der Grenze sieht „die Wahrheit“ für den Polizeibeamten so aus: „Man muss sich überlegen, wo der Feind steht: vor dem Grenzschild oder dahinter.“

Polizeioberrat Holger Baumbach vom Präsidialbüro der Bereitschaftspolizei erklärte auf AZ-Anfrage, dass gegen Harald S. bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei. Gerüchten zufolge, wonach der Beamte auch für eine Event- und Beratungsagentur in Baden-Württemberg arbeite, wollte der Sprecher nicht kommentieren: „Wir müssen den Fall erst genau prüfen.“

Der Beamte war als Seminarleiter im Fortbildungsinstitut der bayerischen Polizei in Ainring tätig. Er sei seit Ende vergangener Woche suspendiert, sagte der Sprecher der Bereitschaftpolizei.