Villa in Bogenhausen Einfamilienhaus entsteht: Kein Stein erinnert an Eva Braun

Links: Heute zeugt nichts mehr von der dunklen Vergangenheit des Ortes. Ein neues Haus entsteht. Rechts: Das Haus, das Hitler für 30 000 Reichsmark für seine Geliebte kaufen ließ. Kleines Bild: Adolf Hitler mit der 23 Jahre jüngeren Eva Braun. Foto: Nina Job/dpa/AZ

Auf dem Grundstück in Altbogenhausen, das Hitler einst seiner Geliebten schenkte, baut ein Unternehmer nun ein Einfamilienhaus.

München - Im feinen Altbogenhausen schenkte Adolf Hitler einst Eva Braun, seiner heimlichen Geliebten und Ehefrau für einen Tag, eine Villa mit schönem Garten. Heute zeugt in der Delpstraße, die zur NS-Zeit noch Wasserburger Straße hieß, nichts mehr von der braunen Vergangenheit. Ein Münchner Unternehmer hat das Grundstück gekauft und das Haus abreißen lassen. Nun ensteht dort etwas Neues.

Immer wieder pilgerten Neonazis zu der alten Villa, schossen Fotos

Auf alten Filmaufnahmen ist Eva Braun zu sehen, wie sie in der Wasserburger Straße 12 mit Hitlers Schäferhund im Garten herumtollt oder vor dem Haus lachend zum Gassigang mit Freunden aufbricht. Mehr als zehn Jahre lebte sie hier – und Hitler besuchte sie.

Im Wohnzimmer saß er angeblich immer in einem blauen Sessel vor dem Kamin, in dessen Kacheln ihr Monogramm eingebrannt. Auch das Schlafzimmer war ganz in Blau gehalten. Am Kopfende der Schlafcouch war ein Telefon mit Direktleitung zur Berliner Reichskanzlei und zum "Berghof", Hitlers Landhaus am Obersalzberg, montiert.

Zum Haus gehörte ein Luftschutzbunker, der mit Frischluft versorgt werden konnte – falls Eva Braun bei einem Bombenangriff verschüttet werden sollte. Am Zaun stand ein "Ein-Mann-Bunker" mit Schießscharten.

Hitler hatte das Haus von seinem Fotografen Heinrich Hoffmann für 30.000 Reichsmark kaufen lassen und Eva Braun in den 1930er Jahren geschenkt.

Er war der blonden, jungen Frau 1929 bei seinem Leibfotografen Heinrich Hoffmann in dessen "Photohaus" an der Ecke Theresien-/Amalienstraße zum ersten Mal begegnet. Das "brave, kleine Fräulein Eva" (damals 17), arbeitete dort als "Ladenmädchen". Hitler (damals 40) führte Eva Braun fortan zum Essen aus oder lud sie ins Kino ein. Nach dem Tod seiner Nichte Geli Raubal intensivierte er die Beziehung zu Eva Braun.

Kurz vor vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und einen Tag vor dem gemeinsamen Selbstmord im "Führerbunker" in Berlin, heiratete Hitler am 29. April 1945 seine lange verheimlichte Geliebte.

Etwa zur selben Zeit wurde die Villa in Bogenhausen von US-Soldaten besetzt.

Seitdem wurde der Ort immer wieder von Ewiggestrigen aufgesucht. "Sie zeigten den Hitlergruß, fotografierten sich dabei", berichtet ein Nachbar.

Lange blieb ungewiss, was aus dem Haus mit seiner braunen Geschichte werden würde. Sollte es ein Mahnmal werden? 1947 zog ein Ehepaar aus Washington ein. Auf dem Klingelschild stand damals noch "Braun". Auch im Haus fanden sich viele Spuren der Vorbesitzerin: Alle Bücher, Bilder und sogar die Kleiderbügel waren mit ihrem Namen gestempelt: "Eva Braun, München, Wasserburger Straße 12".

Das Haus ist kein Denkmal

Zuletzt wohnte eine ältere Dame in dem Haus, das Grundstück verwilderte. Nachdem die Frau gestorben war, stand die Villa leer und verfiel zusehends.

Lokalpolitiker aus Bogenhausen baten die Denkmalschutzbehörde zu prüfen, ob eine Aufnahme in die Denkmalliste möglich sei. Doch ein ausführliches Gutachten kam zu dem Schluss: Das Haus ist kein Denkmal.

Vor ein paar Jahren wechselten Haus und Grundstück den Besitzer. Der jetzige Eigentümer kaufte es von einem Arzt, dem Sohn der letzten Bewohnerin. An eine Sanierung dachte der neue Besitzer nie. "In dieses Haus einzuziehen, wäre für mich nie in Frage gekommen!", sagte er zur AZ.

2015 ließ er die Villa abreißen. Danach tat sich erstmal nichts – jedenfalls nicht sichtbar. Inzwischen ist wieder Leben auf dem sehr wertvollen Areal in Altbogenhausen, wo viele Prominente wohnen. Die Bauarbeiten für ein zweistöckiges Einfamilienhaus sind in vollem Gange. "Hier entsteht ein Holzhaus", steht auf einer Firmenwerbung am Baugerüst.

Hat den Bauherrn die braune Vergangenheit des Ortes nie zögern lassen? "Das hat mich nie interessiert. Es hat für mich keinerlei Bedeutung", sagte er zur AZ. Es habe schließlich vor und nach der NS-Zeit gute Traditionen gegeben. "Die Straße wurde glücklicherweise auch umbenannt nach einem großartigen Widerstandskämpfer und selbstlosen Märtyrer." Seit 1955 heißt sie nach dem Jesuiten und Widerstandstandskämpfer Alfred Delp.

Nachbarn aus der Delpstraße sind froh, dass an dem Ort nun nichts mehr an Hitlers Geliebte erinnert. Ein Rentner: "Die Neonazi-Treffen hier gehören nun hoffentlich auch endgültig der Vergangenheit an!"

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