Viehhofgelände Umzug des Volkstheaters: Ein großes Theater

Der unbebaute Viehhof bietet derzeit noch Freiraum für Zwischennutzungen. Kommt das Volkstheater, ändert sich das. Foto: Dieter Stein/ho

Das Volkstheater soll in den Viehhof ziehen. Bürger vor Ort wehren sich jetzt gegen den neuen Riesen-Nachbarn.

Isarvorstadt - Man könnte meinen, das Thema Volkstheater sei durch. Annehmen, dass der Neubau auf dem Viehhofgelände jetzt in Ruhe geplant wird, bis die Bühne nach 2020 vom Stiglmaierplatz ins Dreimühlenviertel umzieht. Für Silvia Haas (Grüne) aus dem Bezirksausschuss Isarvorstadt ist die Sache aber noch lange nicht vom Tisch. Zusammen mit Bürgern kämpft sie dafür, die Großmarkthalle als alternativen Standort wieder ins Gespräch zu bringen.

Die Sonne steht schon tief, als Haas über das Gelände führt, das ihr sichtlich am Herzen liegt: „Bei der Stadtratsentscheidung hat mich traurig gemacht, dass Leute abgestimmt haben, die noch nie auf dem Gelände waren.“ Sie meint damit die Abstimmung, die Mitte Dezember den Viehhof als Standort für das Theater festgesetzt hat.

Gleich zwei Petitionen wehren sich dagegen: Eine erste, die das Gelände als Brache belassen will und eine zweite, bei der Haas kräftig mitmischt: „Volkstheater in die Großmarkthalle“.

Dort wird ab 2024 die Halle eins leer stehen, ein denkmalgeschütztes Gebäude, das sich laut Haas und der einstimmigen Meinung des Sendlinger Bezirksausschusses bestens für den Theaterbetrieb eignen würde. „Da ist alles da, da sind Tiefgaragen, da ist die U-Bahn näher.“ Hier sei ja schon die Anfahrt kompliziert, sagt Haas und deutet in Richtung der engen Tumblinger Straße.

Was zusätzlich für Unruhe im Viertel sorgt: Das aktuelle Theaterkonzept frisst viel mehr Fläche, als ursprünglich vom Stadtrat verabschiedet. Statt 5600 Quadratmeter möchte der Architekt nun 7800 Quadratmeter nutzen, drei statt zwei Bühnen bauen. Sogar ein bis zwei alte Häuschen auf dem Gelände könnten abgerissen werden – zumindest lotet die Stadt diese Möglichkeit derzeit aus. „Und das nur, um dort Parkplätze hinzustellen“, empört sich Haas.

Warum also nicht die Großmarkthalle? Die Idee ist nicht neu. Im Gegenteil: Sie wurde verworfen. Lange Zeit war der Ort, an dem derzeit noch Münchens Restaurantbetreiber Nachschub bekommen, im Rennen für den neuen Standort für kulturelle Schmankerl.

Weil die Großmarkthalle erst 2020 umbaut, das Volkstheater aber bereits in fünf Jahren auf der Straße steht, machte sich im Stadtrat vor allem die CSU für eine schnelle Lösung stark. Die anderen Fraktionen schlossen sich in der entscheidenden Sitzung den Christsozialen an.

Für Haas ist das eine Enttäuschung: „30 Jahre liegt hier alles brach und plötzlich muss man zack, zack machen.“ Gegen das Volkstheater habe sie nichts, sie möchte einfach die beste Lösung für das Viertel.

Doch dafür bräuchte es eine sensible Entwicklung der Fläche. Ginge das Theater woanders hin, wäre auf dem Viehhofgelände der Weg frei für hunderte Wohnungen mehr. Günstige Wohnungen, gebaut von der Stadt auf städtischem Grund. So hätten sich es auch die Bürger vor Ort gewünscht. Zumindest die, die vor zwei Jahren an einem Workshop teilgenommen haben, der sich mit der Zukunft des Viehhofs beschäftigt hatte. Wohnungen soll es auch mit dem Theater geben, wie viele steht nicht fest, heißt es bei der Stadt.

Solange es diese Unwägbarkeiten gibt und kein Gesamtkonzept für das Areal, findet Haas, sollte man auf die Bremse drücken – selbst wenn der Zeitplan nicht eingehalten wird und das Theater kurzzeitig in einem Zelt spielen müsste, wie es das Deutsche Theater und die Kammerspiele getan haben.

Christian Stückl, Intendant des Volkstheaters, geht da nicht mit: „Das kann man nicht vergleichen“, sagt er. Bei beiden Häusern seien die Spielstätten saniert worden und die Ensembles nach dem Ausnahmezustand wieder in ihre alten Räume zurückgekommen. Für das Volkstheater wünscht er sich einen „sauberen Umzug“, keine Zwischenstation.

Überhaupt sei er ja gar nicht der Bauherr, sondern die Stadt München, die sich „nach langen Prüfungen dafür entschieden hat“. Er will kein überproportioniertes Theater, aber natürlich müsse man erst einmal abstecken, was möglich ist.

Von der Großmarkthallen-Idee hält er nicht viel, schließlich wisse niemand, welche Kosten eine Sanierung hätte. Auch bei der Stadt heißt es: „Einen genauen Zukunftsplan für das Areal gibt es noch nicht.“

Haas will sich davon nicht entmutigen lassen. Wenn die Menschen vor Ort das Theater wollten, das wäre ja in Ordnung: „Aber wir sind nicht gefragt worden.“ Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Am Dienstagabend wird ihr Bezirksausschuss wieder darüber diskutieren (Zunfthaus, Thalkirchner Str. 76, 19 Uhr) – und hoffen, dass sich doch noch etwas bewegt.

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