Ein Video zeigt, wie junge Männer andere Fahrgäste in der U-Bahn angreifen. Die Polizei ermittelt.

Altstadt – Das Video ist verwackelt – und verstörend: Ein junger Mann in brauner Jacke steigt auf die Sitze der U-Bahn, holt mit der Rechten aus und schlägt auf einen Rentner mit Brille ein. Danach nimmt er ihn in den Schwitzkasten. „Schluss jetzt! Jetzt ist Schluss!“, ruft eine aufgebrachte Frau im Hintergrund.

Die Kamera schwenkt nach rechts. Dort sieht man einen anderen Mann, ebenfalls in brauner Jacke. Er packt einen Fahrgast am Hals und zieht ihn mit Gewalt zu sich. Ein dritter Mann droht anderen Fahrgästen, die helfen wollen, weist sie mit Gesten auf ihre Plätze.

„Benehmt euch hier! Ihr habt euch zu benehmen! Wie alle anderen hier!“, ruft der Mann, der das Video aufnimmt. Nach 31 Sekunden endet es.

 

 

„Mein Herz raste“, berichtet der Macher des Videos

 

Auf Facebook schildert Tom R., der Urheber der Aufnahmen, den Vorfall in der U-Bahn aus seiner Sicht:

„Ich stieg am Sendlinger Tor in die U-Bahn Richtung Hauptbahnhof. Ich setzte mich in einen Viersitzer, gegenüber von einer jungen Dame. Im Vierer hinter ihr saßen zwei Asylbewerber (Anmerkung der Redaktion: Ob es sich um Asylbewerber handelt, ist nicht erwiesen). Der eine davon, ein junger Mann, vermutlich arabischer Herkunft, belästigte sie anscheinend. Ich merkte es sofort, als ich ihren Gesichtsausdruck sah.

Er sagte „Wieso antwortest du mir nicht auf Deutsch?“ und sie erwiderte „Because you asked me in English“. Ich denke, er hatte seine Hand an ihrem Rücken. Sie drehte sich weg und schaute in meine Richtung.

Von Anfang an starrte ich den jungen Mann an, um ihm zu signalisieren, dass ich aufpasse. Als die Bahn losfuhr, schlug der Asylbewerber mit voller Wucht gegen die Scheibe. Er war wohl wütend, dass sich die Frau nicht auf ihn eingelassen hatte. Mehrere ältere Herren riefen, dass er aufhören soll.

Einer dieser Männer, der im Vierer links neben mir saß, wurde plötzlich von einem dritten Asylbewerber am Kopf angefasst. Er streichelte über seine Glatze, um ihn zu verspotten. Solch ein respektloses Verhalten habe ich erst selten gesehen.

Ich war und bin der Meinung, dass der Dritte nicht zu den anderen Beiden gehörte. Sie redeten weder vorher noch nachher miteinander und saßen getrennt. Er fühlte sich wohl nur zugehörig, da der andere Asylbewerber ermahnt wurde – und das passte ihm ganz und gar nicht.

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Als der ältere Herr an der Glatze angefasst wurde, stand er sofort auf. Der Asylbewerber stellte sich auf die Sitze, ging zu dem Mann und packte ihn am Hals. Alle Leute standen sofort auf, viele gingen dazwischen. Da ich mein Handy in der Hand hatte, filmte ich und stand nur zwei Meter entfernt.

Ich war fest entschlossen einzugreifen, falls nötig. Mein Herz raste. Als die Männer dazwischen gingen, lies der Angreifer von dem alten Herrn ab und fiel zurück in seinen Viersitzer. Jetzt standen vier Asylbewerber vor uns und haben uns wütend angestarrt und zwei weitere Herren gestoßen. Ich sagte, dass sie sich benehmen sollen.

Neben und hinter mir standen etwa zehn bis 15 Leute. Die Situation war unter Kontrolle.

Die Bahn erreichte den Hauptbahnhof. Ich rief, dass ich die Polizei anrufe. Die anderen riefen, dass sie aussteigen sollen und das taten sie dann auch.

Wir anderen fuhren weiter und unterhielten uns über den Vorfall. Die Menschen waren sehr verängstigt."

 

Der Urheber distanziert sich von Hetze

 

Die Polizei bestätigt auf AZ-Anfrage, dass sie seit gestern von dem Fall weiß, der sich am 30. Januar zugetragen haben soll. Die Kripo ermittelt und will Kontakt zu dem Mann aufnehmen, der das Video geteilt hat. Tom R. erhält für seinen Einsatz viel Beifall – auch von der falschen Seite. Sprich: auf Nazi-Seiten. Davon distanziert er sich gestern auf seiner Facebook-Seite ausdrücklich: „Ich wollte lediglich öffentlich zeigen, was passiert ist.“

Was genau, will die Polizei nun anhand von Zeugen klären – das Video zeigt lediglich einen Ausschnitt des Geschehens. Wie die Situation eskaliert und endet, ist nicht zu sehen. Auch, ob es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handelt, wird geprüft.