Verstöße gegen das Tierschutzrecht: Das ist der Vorwurf des Deggendorfer Landratsamts, das jetzt rechtliche Schritte gegen den Besitzer des Zirkus-Bären Ben prüft.

Plattling - Nach der Beschlagnahme eines der letzten Zirkusbären in Deutschland prüft das Landratsamt Deggendorf nun rechtliche Schritte gegen den Besitzer. Es gehe um Verstöße gegen das Tierschutzrecht, sagte ein Sprecher des Landratsamts am Dienstag.

 

Besitzer wollte mit Bären fliehen

 

Das Landratsamt hatte am Montag die Wegnahme des Braunbären Ben veranlasst, weil dieser unter tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten wurde. Ben war zwei Mal innerhalb einer Woche stundenlang alleine in einer verdunkelten Gitterbox zurückgelassen worden. Wo sich der Bär momentan aufhält, wollte der Sprecher der Kreisbehörde nicht sagen. "Er ist sicher untergebracht, bis eine Entscheidung über seinen Verbleib erfolgt." Die Tierschützer hoffen, dass Ben auf einem Gnadenhof untergebracht wird.

Lesen Sie hier, was die Polizei zu dem Vorfall sagt

Bei der Beschlagnahmung war es in Plattling zu Tumulten zwischen Tierschützern und Mitarbeitern des Zirkus gekommen. Fotos zeigen, wie eine Aktivistin von "Animals United" körperlich angegangen wird. Als die Frau am Boden liegt, holt der Besitzer des Bären sogar zum Tritt aus. "Es gab wechselseitige Beleidigungen zwischen den Tierhaltern und den Tierschützern und leichtere Körperverletzungen", sagte Hermann Bieringer von der Polizei.

Als die Polizei anrückte, hatte der Besitzer des Bären zudem versucht, mit dem Tieranhänger zu fliehen, und dabei einen Zaun durchbrochen. Daher drohen dem Besitzer auch Anzeigen wegen Beleidigung, Sachbeschädigung und Widerstand.

 

Bayerischer Landtag debattiert über Tierschutz

 

Auch in der Politik wird Ben zum Thema: Am Donnerstag steht ein entsprechender Antrag im Umweltausschuss des Bayerischen Landtages auf der Tagesordnung. Demnach soll sich auch Bayern der hessischen Bundesratsinitiative zum Verbot der Haltung bestimmter wild lebender Tierarten im Zirkus anschließen.

Rosi Steinberger, die tierschutzpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen dazu: "Elefanten, Großbären oder Giraffen haben ein erhöhtes Platz- und Bewegungsbedürfnis. Sie können von Zirkussen einfach nicht tierschutzgerecht gehalten werden." Der Fall des Braunbären Ben mache augenscheinlich, "wie rücksichtslos Zirkusse häufig mit diesen Lebewesen umgehen". Steinberger weiter: "Dem müssen wir ein Ende setzen. Ich würde mich freuen, wenn die CSU-Mehrheitsfraktion unseren Antrag am Donnerstag unterstützt."

Das Video zeigt den Fluchtversuch des Bären-Besitzers