Was für ein Kontrast: Google behauptet sich mit neuen Zahlen als König des Internet-Geschäfts. Dem Erzrivalen Microsoft beschert die Online-Aufholjagd hingegen den allerersten Quartalsverlust seit dem Börsengang 1986.

Mountain View/Redmond - Zugleich wird deutlich, dass beide Unternehmen trotz jahrelanger Expansionsversuche weiter vor allem von ihrem Kerngeschäft leben: Google von der Online-Werbung und Microsoft von seinen Geldmaschinen Office und Windows.

Für Microsoft bleibt das Internet-Geschäft eine Dauerbaustelle, in der Konzern über die Jahre viele Milliarden versenkt hat. Der Software-Riese wurde im aktuellen Quartal von seinem missglückten Versuch eingeholt, Google mit dem Kauf der Firma Aquantive Konkurrenz bei Online-Werbung zu machen. 6,3 Milliarden Dollar zahlte Microsoft im Jahr 2007, im vergangenen Quartal wurden nun 6,2 Milliarden abgeschrieben. Die Folge war ein Quartalsverlust von 492 Millionen Dollar. Da die Analystenzuvor mit einem noch höheren Verlust gerechnet hatten, honorierte die Börse die Zahlen mit einem leichten Plus für die Microsoft-Aktie.

Vor allem das Geschäft mit der Office-Bürosoftware bleibt Microsofts verlässlichste Geldquelle, wie aus den am Donnerstag vorgelegten Zahlen hervorgeht. Die Business-Sparte steuerte im gesamten Geschäftsjahr einen operativen Gewinn von 15,7 Milliarden Dollar bei, mehr als die 11,46 Milliarden von Windows. Ende Oktober kommt das neue Windows 8 auf den Markt. Der Software-Gigant erhofft sich davon eine Belebung des PC-Marktes, der zuletzt von dem rasanten Wachstum bei Smartphones und Tablets in den Schatten gestellt wurde. Microsoft will mit Windows 8 zudem bei Tablet-Computern Fuß fassen. Die Software ist auch auf die Bedienung per Touchscreen ausgelegt.

Google verdiente im zweiten Quartal 2,8 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Dollar) und damit 11 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Geld kommt hauptsächlich durch die sprudelnden Einnahmen bei den bezahlten Suchtreffern herein. Ein zweites großes Standbein sind mittlerweile grafische Werbeanzeigen.

Google hat mit seinen Büroprogrammen auch einen direkten Office-Konkurrenten im Programm - allerdings steuern sie bisher nur einen relativ kleinen Beitrag zum Geschäft bei. Im vergangenen Quartal waren es 439 Millionen Dollar, während die Werbung 10,5 Milliarden einbrachte.

Durch den Zukauf des Handy-Herstellers Motorola legte Googles gesamter Konzernumsatz um satte 35 Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar zu. Motorola ausgeklammert, lag das Plus immer noch bei 21 Prozent. Allerdings: Ohne Motorola wäre der Gewinn höher ausgefallen. Das Mobilfunk-Urgestein schreibt anhaltende Verluste angesichts hoher Investitionen in neue Smartphones und der starken Konkurrenz. Operativ verlor Google bei der neuen Tochter 233 Millionen Dollar.

"Dieses Quartal ist auch etwas besonderes, weil nun Motorola ein Teil der Google-Familie ist", erklärte Konzernchef Larry Page laut Mitteilung. In der Telefonkonferenz fehlte er allerdings, nachdem Google schon andere öffentliche Auftritte von ihm abgesagt hatte. "Es gibt nichts neues, Larry hat seine Stimme verloren", sagte Manager Nikesh Arora. Er führe aber weiterhin das Unternehmen. Was ihm genau fehlt, erklärt Google nicht.

Von der "New York Times" befragte Mediziner sagten, nur wenige gesundheitliche Probleme machten ein so langes Schweigen notwendig. Eine Möglichkeit könnten demnach Polypen auf den Stimmbändern sein. Die Online-Branche ist seit der zunächst geheim gehaltenen Krebserkrankung von Apple-Chef Steve Jobs empfindlich geworden, wenn Unternehmen Erkrankungen ihrer Top-Manager nicht schlüssig erläutern.

Trotz der Motorola-Verluste lag Google mit seinen Zahlen über den Erwartungen der Analysten. Die bezahlten Klicks legten um 42 Prozent zu, wobei allerdings die Einnahmen pro Klick um 16 Prozent sanken. Das wird von Beobachtern als Folge der zunehmenden Nutzung mobiler Geräte gesehen, auf denen die Werbetarife niedriger sind.