Unruhe im Verein Der FC Bayern nach Anderlecht: Die KRACHledernen

Auf das Geburtstagskind! Thomas Müller feierte am Mittwoch seinen 28. Geburtstag. Foto: Paulaner

Der mühsame 3:0-Sieg in der Champions League über Anderlecht kann die hitzigen Gemüter beim FC Bayern nicht besänftigen – im Gegenteil. Die AZ zeigt die aktuellen Unruheherde auf.

München - Bitte schön lächeln! Die Gläser hoch! Die Bayern-Profis wurden am Mittwoch zu einem vergnüglichen Termin gebeten. Ab in die Tracht für das alljährliche zünftige Lederhosn-Shooting von Bier-Sponsor Paulaner. Perfektes Timing – nach einem Heimerfolg zum Start in die diesjährige Champions-League-Gruppenphase. Könnte man zumindest meinen.

Für Geburtstagskind Thomas Müller sang die Mannschaft ein Ständchen, ansonsten hängt der Haussegen beim FC Bayern schief. Das 3:0 gegen Anderlecht deckte zahlreiche Probleme auf. Arjen Robben vermisste Leidenschaft: "Wir haben ohne Tempo und Rhythmus gespielt, müssen uns hinterfragen, kritisch sein. Ich will Spaß haben auf dem Platz, das hatte ich nicht." Auf die Rote Karte nach der Notbremse für Anderlechts Sven Kums (11.) angesprochen, schimpfte der Niederländer: "Bei allem Respekt: Nach der Roten Karte musst du die aus der Arena schießen. Gegen stärkere Gegner bekommen wir so Probleme." Müller meinte: "Wir dürfen keine Ausreden suchen, als FC Bayern müssen wir abliefern."

Dicke Luft in München. Man hatte den Eindruck, als lägen überall Zündschnüre. Es zischt und brodelt an allen Ecken und Enden – höchste Explosionsgefahr in den "KRACHledernen".

Die Zündschnüre beim FC BAyern München

– der pragmatische Carlo Ancelotti: Die Mannschaft spielt seit Saisonbeginn nicht so, wie sich Fans und Bosse das vorstellen. Zu statisch, zu ideenlos. Ohne Spielwitz, ohne Eleganz, ohne Esprit. Von den Rängen kamen am Dienstag vereinzelt Pfiffe, der Italiener sah das 3:0 pragmatisch: "Kein perfektes Spiel, aber generell bin ich zufrieden." Hm. Vor allem seit der Ära Pep Guardiola mit seinem Ballbesitz-Dominanzfußball ist man in München anderes gewöhnt. Wird der 58-Jährige angesichts der "Bewerbung" von Herzensbayer Julian Nagelsmann bald zur "lame duck", zur lahmen Ente, in München?

– der wütende Ribéry: Nach seiner Auswechslung (beim Stand von 2:0 nach 77 Minuten! In einem Vorrundenspiel!) schleuderte Franck Ribéry sein Trikot wutentbrannt in Richtung Ersatzbank. Was sogar Ancelotti zu einer seltenen Gefühlsregung veranlasste: "Ich verstehe seine Reaktion nicht." Sportdirektor Hasan Salihamidzic meinte: "So etwas darf nicht passieren. Wir sind der FC Bayern. Das ist nicht okay, darüber werden wir sprechen." Ribéry meldete sich am Mittwoch in den Sozialen Medien zu Wort, schrieb:

– der schwache Sportdirektor: Salihamidzic ist bei den Spielern beliebt, Kumpel-Typ Brazzo mag jeder. Doch haut er wirklich intern so dazwischen wie die Bosse ständig betonen? Kaum zu glauben. "Man spürt bei Brazzo Dankbarkeit gegenüber Uli und Kalle, aber er muss sich in den nächsten Wochen positionieren. Jeder findet seinen Stil, er ist neu, man sollte ihm Zeit geben", findet Ex-Bayern-Profi Michael Ballack.

– der grübelnde Lewandowski: Noch haben sich die Bosse zu keiner Geldstrafe gegen den 29-jährigen Weltklasse-Stürmer durchgerungen. Robert Lewandowski hatte in einem "Spiegel"-Interview ungewöhnlich offen Kritik an der Transferpolitik des Vereins geäußert. Andererseits wissen die Verantwortlichen, wie wichtig der Mittelstürmer ist – dank seiner Torquote ist er schlicht unersetzbar.

– der Konflikt Robben/Lewandowski: Spielt der eine dem anderen den Ball nicht ab, erntet er grimmige Blicke und Kopfschütteln. Gegen Anderlecht winkte Robben nach Alleingängen von Lewandowski mehrmals ab. Die Frage ist: Wie lange reißen sich die beiden, ausgeprägt mit einem stattlichen Ego, noch zusammen?

– die uneinigen Bosse: Hoeneß hatte sich zuletzt eher milde gezeigt, während Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge unzufriedene Spieler zur "Räson bringen" wolle, weil sie "Stress mit mir" bekämen. Prinzip "good cop", "bad cop", diesmal in vertauschten Polizisten-Rollen. Seit Präsiendent Hoeneß nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung wieder die Macht im Verein an sich gerissen hat, sprechen die Bosse kaum noch mit einer Zunge.

– das Dauerproblem Müller: Es wird die Bayern über die gesamte Saison beschäftigen. Findet Ancelotti in wichtigen Spielen einen Platz, eine Position in der Startelf für Müller, den Liebling der Fans, den letzten Bayer im Kader?

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