TSV 1860 Taktik und junge Spieler: Schmidts Fehlerliste

Markus Merz, 18.02.2013 08:59 Uhr

Exakt drei Monate ist der Löwen-Trainer im Amt. Der Novize erlebt einen schwierigen Start. Taktik, Umgang mit jugen Spielern: Was er noch lernen muss – die Analyse

MÜNCHEN Nein, Alexander Schmidt war alles andere als zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft gegen den VfL Bochum (0:1). Also strich er den trainingsfreien Sonntag und orderte stattdessen Straftraining an. 135 Minuten schwitzten die Spieler des TSV 1860. „Die Spieler hatten die Wahl. Nach der ersten Hälfte gegen Bochum musste ich aber etwas tun. Deshalb diese Maßnahme. Wir müssen eine andere Mentalität in die Mannschaft kriegen”, sagte ein sichtlich angefressener Schmidt am Sonntag.

So kritisch wie gestern hat sich Schmidt in seiner Amtszeit (begann genau heute vor drei Monaten) noch nie über sein Team geäußert, doch er bezog sich aber auch selbst in die Analyse mit ein: „Wir haben Fehler gemacht. Da schließe ich mich mit ein, ich gehöre auch zur Mannschaft.”

In welchen Punkten der Coach sich selbst hinterfragen muss, lesen Sie in Schmidts Fehlerliste:


Taktik: Gegen Bochum wollte Schmidt etwas Neues probieren. Weg von zwei defensiven Mittelfeldspielern, hin zur mehr Sturm und Drang mit Benny Lauth und Rob Friend im Angriff und Moritz Stoppelkamp, Daniel Halfar sowie Bobby Wood als offensive Unterstützer. Daniel Bierofka wurde dafür auf die rechte Abwehrseite beordert – und war offensichtlich mit seinen Aufgaben überfordert. „Ich stehe zu dieser Aufstellung. Die Bochumer hatten zuletzt offensichtlich Probleme in der Defensive. Das wollte ich ausnutzen”, sagte Schmidt.


Umgang mit jungen Spielern: Beim Dienstantritt schien Schmidt den Löwen eine regelrechte Verjüngungskur zu verpassen. Markus Ziereis, Christopher Schindler, Sebastian Maier, Stefan Wannenwetsch und Bobby Wood, keiner älter als 22, kamen plötzlich zu deutlich mehr Einsatzzeiten als unter Vorgänger Reiner Maurer. Nach der Winterpause hat sich Schmidt vom Jugendstil verabschiedet. Lediglich Bobby Wood spielt noch eine Rolle. Sebastian Maier wurde jetzt sogar ein Ultimatum gesetzt. Weil er das Angebot zur Vertragsverlängerung nicht angenommen hat, wird Schmidt ihn bis zu seiner Entscheidung nicht mehr für den Profi-Kader nominieren. „Wir lassen uns nicht hinhalten, deshalb muss Basti sich bis Ende der Woche entscheiden”, sagte Schmidt.


Umgang mit routinierten Kräften: Necat Aygün war unter Maurer noch gesetzt, unter Schmidt spielt der 32-Jährige keine Rolle mehr. Auch der griechische Nationalspieler Grigoris Makos wurde immer wieder öffentlich kritisiert, ist nur ein Platzhalter auf der Bank. Ein besonderer Fall ist auch Maximilian Nicu. In der Winterpause hatte Schmidt den Mittelfeldspieler zum Linksverteidiger gemacht, ihn immer wieder stark geredet – um ihm dann drei Tage vor dem Wiederbeginn Malik Fathi vor die Nase zu setzen.


Alibis für die Mannschaft: Immer wieder regt sich Schmidt über Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern auf und gibt seinen Spielern damit indirekt Alibis. Auch die Vier-Spiele-Sperre für Kapitän Benny Lauth nannte Schmidt immer wieder als Grund für die mäßigen Ergebnisse. Die Zeit der Alibis ist – nach nur zwei Siegen aus acht Spielen – vorbei, das weiß auch Schmidt: „Gegen Bochum hatten wir genügend Chancen. Da dürfen andere Dinge keine Rolle spielen.”


Öffentliche Darstellung: Mal sagt Schmidt fast nichts, dann kritisiert er wie jetzt seine Mannschaft. „Er muss noch dazu lernen”, hatte Sportchef Florian Hinterberger bereits letzte Woche.

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Kommentare (36)
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FEB
19
Schneekönig, 19:07 Uhr

Chaos bei den Löwen

Ich bin auch froh, wenn die neue Saison hoffentlich mit einem Trainer beginnt der vom Fußball was versteht. Doch für das Chaos das bei 1860 besteht kann der Trainer allerdings nichts dafür. Die Vereinsführung ist so was in Machtkämpfe verwickelt, in Selbstdarstellerei von gewissen Herren, daß das spielerische Niveau total drauf gegangen ist. Ich will den Spielern kein Alibi geben, aber Benny Lauth hat recht, wenn er über die schlechte Vereinsführung schimpft. Ich möchte jeden von uns sehen, der sich bei so einem Chaos noch wohlfühlt und optimale Leistung abliefert. Ich glaube, ich könnte es nicht. Jeder Verein braucht auf dem Spielfeld Leute die ein Spiel entscheiden können, aber jeder Verein braucht auch Führungspersönlichkeiten im Management die einen Verein führen können. Vereine die in der 2. Liga vor 1860 stehen haben nicht die besseren Spieler, bessere Trainer ja, aber in diesen Vereinen herrscht Ruhe und es gibt keine Selbstdarsteller. Warum sind einige Vereine s. 1. Liga so gut, weil da alles stimmt. Da stinkt der Fisch nicht vom Kopf, so wie es bei 1860 ist. Ich hoffe, daß das Gespräch in Abu Dhabi den Durchbruch bringen wird und 1860 nach über 10 Jahren wieder echt professionell geführt wird. Dann klappt es auch wieder mit dem Verein und die Fans kommen wieder gerne ins Stadion.

FEB
19
Lopes, 11:42 Uhr

Schmidt hat seine Chance.......

bekommen, hat aber katastrophale Ergebnisse erzielt und ist deshalb für die neue Saison überhaupt kein Thema.

FEB
19
Peter, 10:22 Uhr

Trainer

Bei der Konkurrenz gibts einen Artikel über Trap bei der Eröffnung der Pasing Arcaden II. Dabei wurde er natürlich auch zu München und auch 1860 befragt, was er aber ablehnte. Dabei hat er einen richtig guten Sat zrausgehauen: „Die Leute denken immer, mit Trap gewinnt man alles, aber ohne große Spieler ist das nicht möglich. Ich bin nur Giovanni und nicht der heilige Giovanni.“ Und das gilt für Trap wie für Schmidt, Mauerer zuvor oder auch einen Eriksson. Mit diesem Team kannst DU nicht aufsteigen. Die sind einfach nicht gut genug dafür. Das ist die Wahrheit. Egal werd der Trainiert. Da helfen nur Sigertypen und Leute die mit dem Ball was anfangen können, kämpfen und grätschen wenns drauf an kommt und am Ende auch mal das Tor treffen. Und gerade von letzteren sind wir weitestgehend verschont. Chancen hätten wir ja. Aber die Verwertung gleicht so langsam meiner Trefferliste beim Lottospielen...

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