Trainer Schmidt ist genervt von den ewigen Querelen bei 1860 und spricht jetzt ein Machtwort. Auch gegen die persönlichen Angriffe setzt er sich massiv zur Wehr

BELEK/MÜNCHEN Doch, doch, um Fußball ist es schon auch gegangen im Trainingslager der Löwen in Belek. Nur, dass es niemandem aufgefallen ist.

Trainer Alexander Schmidt nervt das: „Ich würde mir für den gesamten Verein und das Umfeld wünschen, dass diese negative Stimmung endlich aufhört. Das belastet die Mannschaft, das belastet den Trainer.” Er will sagen: Reißt euch endlich zamm!

Die Posse um Sven-Göran Eriksson, die darauf einsetzenden wahlkampfbedingten Intrigen gegen Präsident Dieter Schneider, der neue Generalangriff von Investor Hasan Ismaik und die quälende Suche nach einem Stürmer. Dazu kam die PR-Panne mit dem Besuch einer sozialen Einrichtung im unter Tierschützern umstrittenen Delfinarium von Belek: Die nackten Fakten sprechen dafür: 1860 hat ein Chaos-Trainingslager hinter sich.

Doch gegen diese Lesart wehrt sich Trainer Alexander Schmidt vehement. „Es war ein gutes Trainingslager”, sagt er, „die Mannschaft haut sich voll rein, es gab kein einziges Training, in dem die Jungs nicht alle Gas gegeben haben.” Schmidt plädiert für eine differenziertere Wahrnehmung seiner Arbeit. „Es geht immer nur um Ergebnisse, Ergebnisse, Ergebnisse. Das ärgert mich. Ergebnisse sind wichtig, aber man muss auch mal eine Entwicklung anerkennen.” Noch mehr stören ihn aber die Angriffe auf seine Person. Immer würde es heißen, er sei ein Trainernovize, ein Jugendtrainer, „dabei bin ich seit 15 Jahren Trainer! Das sieht und schreibt keiner!”, sagt er. Ein freundlicher Gruß an Ismaik, der auch nach Erikssons Absage dafür plädiert, einen international erfahrenen Übungsleiter einzustellen. Schmidt sagt noch immer, dass er von Eriksson auch hätte profitieren können. Aber ihn nervt der Ton, mit dem die Diskussion um Eriksson geführt wurde, wie er und die Mannschaft im Unklaren darüber gelassen wurden, wie die Arbeit zwischen Eriksson und ihn aufgeteilt worden wäre. „Wenn mich das nicht belastet hätte, dann wäre ich kein Mensch”, sagt Schmidt.

Ein freundlicher Gruß aber auch an die Vereinsführung, deren Querelen natürlich auch die Mannschaft mitbekommen würden. Und ein freundlicher Gruß an Teile der Fans, die ihn in Internet-Foren unter anderem als „Blinder" bezeichnet haben.

Man solle ihn einfach mal machen lassen und auch mal die Entwicklung der Mannschaft betrachten.

Tatsächlich ist die durchaus erkennbar. Wohl kein Löwen-Trainer vor ihm wird im Training so viele taktische Übungen gemacht haben wie Schmidt. „Wir haben einen Crashkurs in Kurzpassspiel und Pressing hinter uns”, sagt Dribbler Daniel Halfar. Auch Schmidt hat erkannt: „Die Spieler setzen immer mehr das um, was ich von ihnen will. Sie arbeiten gut gegen den Ball, sie pressen bis zum geht nicht mehr. Das gefällt mir.” Bei allen Testspielen in Belek war Schmidts Handschrift erkennbar. Das Spiel der Löwen scheint einem Plan zu folgen. Endlich. Auch die Stammelf scheint sich herauskristallisiert zu haben in Belek, am Sonntag traf in Ola Kamara zudem endlich auch die ersehnte Verstärkung im Sturm ein. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir so viele Siege wie möglich einfahren, dass wir torgefährlicher werden und nicht mehr diese unnötigen Gegentore kassieren”, sagt Schmidt „wir wollen ja auch aufsteigen.” Doch die Miesmacher sollen aufhören, für Unruhe zu sorgen.

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