Der einstige Löwen-Verteidiger ist eine Kultfigur, unvergessen in der Historie des Vereins – am Mittwoch feiert Thomas Miller seinen runden Geburtstag. „Das wird eine Gaudi”

MÜNCHEN Fischplatte oder Käseplatte? Aus dieser Entscheidung hielt sich Albert Miller am Montag vornehm zurück. Bei der Planung zur Geburtstagsfeier seines Sohnes Thomas sollte schon der Zögling selbst wählen. „Wir fahren am Mittwochnachmittag zum Kaffeetrinken nach Polling. Thomas will nicht groß feiern. Wer kommt, der kommt”, sagt der Papa des Kultlöwen der 90er-Jahre.

Wenn Thomas Miller am Mittwoch seinen 50. Geburtstag feiert, kann der einstige Verteidiger auf 436 Einsätze für den TSV 1860 zurückblicken. Miller, der in seiner Zeit bei den Löwen (1989 bis 1997) von der Bayernliga bis in die Bundesliga aufstieg, arbeitet beim Finanzamt in Weilheim, ist dort für die Einkommenssteuererklärungen zuständig und hat sich für Mittwoch freigenommen. „Das wird eine Gaudi. Aber es soll wirklich nur ein Fest im Rahmen der Familie werden. Ich habe schon den 40. Geburtstag groß gefeiert. Das brauche ich jetzt nicht mehr”, sagte Thomas Miller am Montag der AZ.
Der Mann, den die Löwen-Fans einst zum „Fußballgott” gemacht haben, ist stets bescheiden geblieben. „Der Thomas war immer ein geradliniger, ehrlicher Typ, der nie seine Bodenhaftung verloren hat”, sagt Karsten Wettberg. Der 71-Jährige hat Miller lange trainiert und weiß um dessen Vorzüge: „Für die Gegner war es nie leicht gegen ihn zu spielen. Das hat mir auch der Rudi Völler bestätigt. Der hat mal zu mir gesagt, dass er immer froh gewesen ist, wenn der Thomas in seiner Mannschaft gespielt hat.”

Zum TSV 1860 kam Miller einst über Stationen wie den SC Fürstenfeldbruck und den FC Augsburg. Sein Vater Albert war dabei stets ein Förderer seines Sohnes: „Als es damals um seinen Wechsel nach Augsburg ging, hab’ ich zu ihm gesagt: Thomas, wir fahren da nicht hin, um Autogramme zu holen. Ein Miller schmeißt nicht das Handtuch.”

Genau diese Einstellung hat den beinharten Verteidiger während seiner Profikarriere ausgezeichnet. „Er hatte ja immer einen Ellbogen und eine Grätsche”, sagt Vater Albert und lacht. Später hat sich der Papa dann aber rausgehalten, wenn es um Fußball ging: „Das war nicht meine Art. Thomas wusste selbst gut genug, was er tut.”

Wenn Albert Miller an die Karriere seines Sohnes zurückdenkt, fallen ihm zahllose Anekdoten ein. Ein paar sind ihm dann aber doch in besonderer Erinnerung geblieben: „Ich war mal mit den Löwen beim Spiel in Dortmund dabei. Da hat der Thomas dem Chapuisat ganz schön den Schneid abgekauft und das Publikum dann immer meinen Thomas ausgepfiffen. Da läuft’s dir als Vater kalt den Rücken runter. Aber nach außen hab’ ich immer versucht, der coole Papa zu sein.”

Was der Sohn am Mittwoch geschenkt bekommt, will Albert Miller freilich noch nicht verraten. Der Jubilar selbst hätte am liebsten einen Aufstieg der Löwen in die Bundesliga auf dem Geschenketisch liegen: „Aber das wird diese Saison wohl nichts mehr. Vielleicht klappt’s ja zum 51.”

Überhaupt ist Thomas Miller ein großer Kritiker, wenn es um die Belange der Löwen geht: „Es sind mir zu wenige Typen in der Mannschaft. Zu wenige Typen wie Vallori, Kiraly oder Bierofka.” Typen, wie Thomas Miller einer war.

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