Die Löwen haben endlich mal wieder gewonnen. Doch die Analyse des Trainers über das 3:1, seinem zweiten Sieg erst, fällt kurz und schmallippig aus. Hinterberger: „Er muss noch dazulernen”

MÜNCHEN Die Analyse fiel kurz aus. Sehr kurz sogar. „Enorm wichtig”, sei das 3:1 gegen Duisburg gewesen, sagte Alexander Schmidt. Und verdient. Punkt.

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Mehr hatte der 1860-Coach am Sonntag über die Partie am Samstag, seinen zweiten Sieg als Löwen-Coach, nicht zu sagen. Dass die Löwen endlich mal wieder drei Tore erzielten? Sogar ohne Benny Lauth, der noch gesperrt war? Kein Wort; dass es sein erster Auswärtssieg als Löwen-Trainer war? Nicht erwähnenswert; dass es der Anfang der erhofften Serie sein könnte? Nein, auch das nicht.

Es spiegelt das derzeitige Auftreten Schmidts wider. Vor einigen Wochen erzählte er noch ausführlich und selbstbewusst von seinen Plänen, war äußerst kommunikativ. Nun gibt er sich arg wortkarg. „Jeder kann hier bei uns jederzeit das Mikro hinhalten. Der Trainer wird dies nicht mehr so handhaben", erklärte Sportchef Florian Hinterberger den selbst verpassten Maulkorb des Trainers.

Schlechte Laune habe Schmidt aber nicht, teilte der Sportchef mit.

Schon gar nicht nach dem Sieg in Duisburg, der auch ein Sieg der Moral gewesen war. Nach einem frühen Rückstand und eines durch Gabor Kiraly vereitelten Handelfmeters gewannen die Löwen am Ende souverän. „Es war ein schwieriger Boden und ein schwieriger Gegner. Wir haben besser gespielt als zuletzt und es war sehr gut, mal wieder drei Tore geschossen zu haben”, sagte Kiraly.

Bobby Wood gelang der zwischenzeitliche Ausgleich nach einer Ecke, Kai Bülow erzielte kurz vor dem Pausenpfiff die Führung, als er einen verunglückten Schuss von Daniel Halfar ins Tor bugsierte. Den Schlusspunkt setzte dann Moritz Stoppelkamp.

Für die Löwen war der Sieg dennoch kein Grund, in große Euphorie zu verfallen. Es wäre auch wahrlich übertrieben. Der Rückstand auf Kaiserslautern auf Rang drei beträgt noch immer acht Punkte. „Eine Menge Holz”, wie Daniel Halfar sagte.

Viel wichtiger war der Sieg schon für Alexander Schmidt, der sich zuvor selbst ein wenig in die Schussbahn geredet hatte. Am Freitag hatte er sich über den allgemeinen „negativen touch” gewundert, der rund um den TSV herrsche. Zudem hatte er einige Nebenkriegsschauplätze eröffnet, im „Kicker” hatte er etwa erzählt, dass er eine Ausstiegsklausel im Vertrag habe. Bei einer Niederlage in Duisburg wäre es für ihn wohl ungemütlicher geworden. „Er muss noch die ein oder andere Erfahrung machen”, sagte Hinterberger, „Er muss noch dazulernen und merken, wie auf solche Aussagen reagiert wird.”

Schmidt scheint sich die leise Kritik zu Herzen genommen zu haben – und zieht es vorerst vor zu schweigen.

Bis zum Saisonende läuft Schmidts Kontrakt bei den Profis, danach bis 2015 für die U21-Mannschaft weiter. Bis dahin muss er sich also beweisen. Dann wird entschieden, ob er die Löwen weiterhin trainieren darf. Statistisch gesehen läuft es jedenfalls für ihn bislang nicht wirklich rund. 1,25 Punkte holte er bislang im Schnitt, von allen Löwen-Trainern hatten lediglich Walter Schachner, Falko Götz und Uwe Wolf eine schlechtere Bilanz.
Hinterberger aber schaut lieber nach vorn. „Der Sieg war ein positives Signal und wir müssen jetzt so weitermachen. Wir müssen sehen, dass wir die Siegermentalität wieder hereinbekommen”, sagt er - und fügt hinzu: „Das gilt für den Trainer genauso.” Maximilian Wessing