Nach dem 2:0-Sieg gegen Juventus: Die Abendzeitung im Gespräch mit Paul Breitner - Warum den Bayern das physisch harte Match nutzt und wie Breitner das Duell Ribéry gegen Vidal gesehen hat.

AZ: Herr Breitner, wie hat Ihnen der 2:0-Sieg des FC Bayern gegen Juventus Turin gefallen?

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PAUL BREITNER: Ich war begeistert – es war eine großartige Demonstration, wie stark diese Mannschaft geworden ist.

Was heißt das fürs Rückspiel?

Wenn diese Mannschaft in Normalform spielt, hat Juve keine Chance. Fürs Rückspiel brauchen wir nichts anderes als nochmal diese Normalform, dann hat sich der Kas bissen.

Plus die Erkenntnis, dass Bayern auch physisch gegen eine hart spielende Mannschaft dagegen halten kann.

Völlig richtig! Ein ganz wichtiger und positiver Aspekt – der sich herauskristallisiert hat, weil endlich einmal ein Schiedsrichter nicht wie im Kindergarten gepfiffen und bei jedem kleinen Rempler das Spiel unterbrochen hat. Okay, Mark Clattenburg ist nicht umsonst Engländer…

Wie meinen Sie das?

Er hat jeden Zweikampf laufen lassen, der ansatzweise sauber war. Das war hilfreich für die Mannschaft. Weil sie gesehen hat: Hey, wir können genauso austeilen und zurückzahlen, uns kann keiner mehr den Schneid abkaufen.

Das Duell Franck Ribéry gegen Arturo Vidal erinnerte an alte Europapokalschlachten.

Da war wirklich alles drin, was man gemeinhin als internationale Härte bezeichnet. Was Vidal angeht: Es wird so oft davon gesprochen, dass man in einer Mannschaft auch einen Drecksack braucht. Er hat mit allem was er hat demonstriert, was das bedeutet. Klasse! Und die paar Szenen, die nicht sauber waren, hat der Schiedsrichter gepfiffen.

Außer die Revanche von Ribéry in der Schlussphase, als er Vidal auf die Wade trat.

Da habe ich mit Freude zur Kenntnis genommen, dass der Schiedsrichter genau wusste, was die 80 Minuten zuvor passiert ist. Ich sage: Er hat Franck Ribéry mit ruhigem Gewissen die Möglichkeit gegeben, auch mal auszuteilen. Er ist nicht durchgedreht und hat eben nicht Rot gezeigt, was ein anderer Schiedsrichter vielleicht gemacht hätte.

Wenn er’s denn gesehen hat!

Davon gehe ich aus.

Lesen Sie hier: Ribéry-Foul gegen Vidal Was ist da nur in ihn gefahren?

Ribéry ist aber auch schon für weniger vom Platz geflogen.

Wer Kindergarten-Tacklings mit Gelb bestraft, schickt Ribéry dafür vom Platz, ganz klar. Aber dieser Schiedsrichter hat gesehen, wie Ribéry 80 Minuten lang nach Strich und Faden zugenagelt wurde. Und so hat er die Augen zugemacht und sich gesagt: Respekt, jetzt hat sich Franck auch mal getraut!

Wie schwer wiegt der Ausfall von Toni Kroos?

Für ihn ist die Saison leider gelaufen. Aber so hat sich der Spruch, dass die Bank alles ist, zu hundert Prozent bewahrheitet. Gott sei Dank hatte der Verein die Weitsicht, den Kader vor der Saison konsequent zu verstärken – auch bedingt durch die Meisterschaften von Borussia Dortmund. So ist man für diese Fälle gerüstet.

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