Die "sophisticated Lady" Melody Gardot bietet am Dienstag auf dem Tollwood einen feingliedrigen Fadosambarumbatango-Abend mit leisen, nachdenklichen und persönlichen Momenten.

München - „The Abscence“ heißt das neue Album der 27-jährigen Melody Gardot, das derzeit weltweit die Charts stürmt und so gut mit der erstaunlichen Bühnenpräsenz der amerikanischen Songschreiberin und Jazz-Sängerin korrespondiert. Sie wird kommen und gehen, sang sie beim Tollwood-Festival und nahm das begeisterte Publikum mit auf eine musikalische Weltreise.

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Sie tanzte geschmeidig und gebrechlich zugleich den Tango - mit und ohne Gehstock, mit und ohne den Saxophonisten, der sie melodiös und körperlich umgarnte: Ein unglaubliches Duett, das zeigte, wie aus einem schweren Verkehrsunfall, den Gardot als 19-Jährige erlitt, wie aus dieser Tragödie große Kunst, eine vielversprechende Karriere und ein Glückfall für alle – für Hörer und für Akteure – wurde.

Das Spektrum Gardots reichte von delikatem Soul als Konzertauftakt über präzisen Jazz bis zum federleichten Chanson. Geschmeidig wechselte sie die Klangfarben und gestaltete manchmal zurückhaltend und bescheiden, manchmal wie eine sophisticated Lady einen feingliedrigen Fadosambarumbatango-Abend. Dazwischen streute sie humorvoll und nachdenklich Persönliches, wie die Erzählung von der Taube mit dem gebrochenen Flügel, der sie das Leben rettete – ein Symbol für die Heilkraft der Liebe.

Die detailverliebte Lichtregie verstärkte kunstvoll die hochkonzentrierte musikalische Atmosphäre. Lästig war aber Gebläse im Zelt und der Lärm vom durchgehend geöffneten Getränkeausschank. Bei Rockkonzerten mag das kein Problem sein, doch in den zahlreichen sehr leisen Momenten dieses Abends wünschte man sich eine Miles Davis Hall, wie sie das Montreux Jazz Festival bietet, eine von Gardots nächsten Stationen auf ihrer Europa-Tournee.