Wolfgang-Niedecken-Revival auf dem Tollwood: Ein Festival der gegenseitigen Zuneigung zwischen dem BAP-Chef und seinen Fans.

München - „Driss passiert“ steht auf den Tour-Shirts, die sie neben der Bühne verkaufen. Eine Textzeile aus „Halv su wild“ ist das, und kein Lied könnte als Opener besser geeignet sein für dieses Comeback auf dem Tollwood. „Dat renk sich en“ singt der Mann, der vor acht Monaten dem Tod von der Schippe gesprungen ist. „Et Levve ess ein Autobahn“ heißt das zweite Stück, es handelt von den Staus und Kurven, die das Leben nimmt, und erst nach „Aff un zo“, dem dritten Lied des Abends, macht der Sänger eine kurze Ansage:

„Und außerdem: Et hätt noch immer joot jejange!“ Mehr sagt Wolfgang Niedecken nicht, es weiß ja jeder, was gemeint ist. Im November 2011 hat der BAP-Chef einen Schlaganfall gehabt, Lebensgefahr, ein Arm war gelähmt, er hatte sein Werkzeug, die Sprache, verloren, und dass er jetzt, gerade mal acht Monate später, mit seiner Band, die seit 35 Jahren sein Leben ausmacht, wieder auf der Bühne steht und nichts von seiner alten Spielfreude verloren hat, gleicht einem Wunder.

Ist es aber nicht, es ist der Kraft geschuldet und der Power, die der 61-Jährige noch immer hat. Niedecken braucht sein Publikum, und die Fangemeinde kann nicht ohne ihn, man kennt sich seit Jahrzehnten. Er steht da mit grauem Haar, grauem Bart und Hut, der kölsche Dylan, in Würde gealtert und hält die Band zusammen, die immer noch rockt, bis das Zelt wackelt. Ziemlich spät im Programm sagt Niedecken, er müsse „jetzt doch ein paar Worte über diesen Vorfall im November verlieren“, er spricht von „Dankbarkeit, dass Leute für mich gebetet und sogar Kerzen aufgestellt haben, das ist ja nicht normal“.

Da will der Applaus nicht enden, bei diesem Festival der gegenseitigen Zuneigung. Drei Stunden dauert das „volle Programm“ und auch wenn er angekündigt hat, „keine Kampf-Zugaben mehr zu spielen“, so führt BAP doch einen 26-Lieder-Marathon auf, den nicht viele Bands drauf haben. Der Abend endet ruhig, mit dem 82er Klassiker „Do kanns zaubre“, und auch das trifft ganz gut, was das Publikum, geradezu beseelt, nach diesem Niedecken-Revival empfindet.