Tigers-Coach im AZ-Interview Stewart: "Jeder in München weiß, wer der Boss ist"

Straubing mit Trainer Bill Stewart (links) fordert München mit Trainer Don Jackson heraus. Foto: dpa

Straubings Trainer Bill Stewart im AZ-Interview über das anstehende DEL-Duell mit dem EHC Red Bull München, über seinen Kollegen Don Jackson und frühere große Spiele...

Der ehemalige NHL-Spieler Bill Stewart (60) ist seit dieser Saison Trainer der Straubing Tigers, die am Freitag (19:30 Uhr) den Meister EHC Red Bull München empfangen.

AZ: Mister Stewart, am heutigen Freitag empfangen die Straubing Tigers den EHC Red Bull München. Es ist das Duell eines der kleinsten Klubs der Liga gegen den zweimaligen Meister – ein bisschen wie David gegen Goliath, oder?
Bill Stewart: Sie haben völlig Recht, was München betrifft. Sie sind ein super Team, haben einen guten Coach und viel Talent. Aber wissen Sie, was mich am meisten an ihnen beeindruckt? Sie versuchen, immer weiter Gas zu geben, in jedem Spiel die Initiative zu ergreifen. Manche Teams mit viel Talent meinen, dass Vieles von selbst geht – München tut das nicht.

Was sind die größten Stärken des Münchner Teams?
Zuallererst: Arbeitsethos und Zielstrebigkeit. Wenn Sie diese beiden Eigenschaften mit dem Talent, das im Münchner Team zweifellos steckt, mischen, dann kommt die Formel raus, die Mannschaften zu Champions macht.

Wie wird die Taktik Ihres Teams aussehen?
Wir wollen attackieren, dabei aber die Balance bewahren. Dazu ist viel Laufarbeit nötig. Wir wissen, dass wir vorne Tore schießen können, aber der Punkt wird sein, vor unserem Tor nicht viel zuzulassen.

Die Tigers haben mit Drew MacIntyre einen neuen Torhüter verpflichtet. Waren Sie mit den Leistungen der bisherigen Keeper, Sebastian Vogl und Dimitri Pätzold, nicht zufrieden?
Das ist nicht das Problem. Aber wenn du die Möglichkeit hast, einen Torhüter wie Drew MacIntyre zu verpflichten, der bereits Nummer eins in Mannheim war, noch dazu in unserer Situation, dann musst du das machen. Er kann dem Team viel Selbstvertrauen geben.

"Jackson? Ein guter Trainer – und ein guter Typ"

Münchens Trainer Don Jackson ist der erfolgreichste Trainer der DEL-Geschichte. Was ist sein Erfolgsrezept?
Er ist ein Freund von mir, wir haben bereits in der NHL gegeneinander gespielt. Jeder denkt, es sei einfach, ein so gutes Team wie München zu trainieren, aber es ist verdammt schwer. Es ist schwerer, hervorragende Spieler zu einem großartigen Team zu machen, als durchschnittliche zu einem durchschnittlichen.

Dabei tritt Jackson meistens recht leise auf...
Er muss auch nicht laut sein. Jeder in München weiß, wer der Boss ist. Ein guter Trainer – und ein guter Typ.

In der Vergangenheit haben Sie sich mit Mannheim große Duelle mit München geliefert. Viele erinnern sich an die Finalspiele 2001, als Sie einen Schwächeanfall vortäuschten, um Ihren Spielern Zeit zu geben, die Schlittschuhe zu schleifen. Wie sind Ihre Erinnerungen daran?
Wir haben die Meisterschaft gewonnen.

Bereuen Sie diesen Vorfall?
Das ist über 15 Jahre her. Was in der Vergangenheit war, bleibt in der Vergangenheit. Ich lebe in der Gegenwart.

Sie sagen von sich selbst, Sie seien nun viel leiser, sogar demütig geworden.
Ja, denn auch die Gesellschaft hat sich geändert, ebenso die Spieler. Dann muss man sich auch selbst anpassen. Trainer, die aus sich herausgehen, sind nicht mehr so gefragt wie früher.

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