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Tierschützer kritisieren LMU Aufgebohrte Tierschädel – im Dienste der Forschung

Natalie Kettinger , vom 12.01.2012 12:30 Uhr
Von der Organisation "Ärzte gegen Tierversuche" aufgrund ihrer Praxis in Sachen Tierversuche angeklagt: LMU-Institute und das Klinikum in Großhadern. Foto: Mike Schmalz, imago

Die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ prangert die Praxis an LMU-Instituten und am Klinikum in Großhadern an.

Die Schilderungen erinnern an Szenen aus einem Horror-Film: Fledermäuse mit aufgebohrten Schädeln, Affen mit verstümmelten Extremitäten, Ratten mit Elektroden im Hirn, lebende Schweine mit geöffnetem Brustkorb – und all das im Dienste der Forschung.

Ein Faltblatt der Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ sorgt derzeit an der LMU für Wirbel. Denn darin prangern die Aktivisten mehrere Experimente an, die an der Münchner Universität durchgeführt werden oder wurden. Die AZ ist den Vorwürfen nachgegangen.

FLEDERMÄUSE Der Vorwurf: Unter Narkose werde Kleinen Lanzennasen am Institut Biologie II der LMU ein Metallstift auf den Kopf montiert und ein Loch in den Schädel gebohrt, durch das Elektroden in das Hirngewebe eingelassen werden können, behaupten die Tierschützer. Über Kopfhörer würden den Fledermäusen dann Töne vorgespielt, gleichzeitig messen Elektroden die Nervenströme der Tiere. So soll erforscht werden, wie die Tiere ihre Ultraschallortung im Gehirn verarbeiten.

Das sagt die LMU: „Grundsätzlich müssen alle Versuche mit Tieren behördlich genehmigt und damit auch alle vom Tierschutz vorgegebenen Auflagen erfüllt werden. Das ist an der LMU der Fall“, so Pressesprecherin Katrin Gröschel. Bei den Fledermaus-Experimenten handle es sich um Grundlagenforschung: „Fledermäuse stellen aufgrund ihrer hoch entwickelten Fähigkeit zur akustischen Analyse der Echos ihrer ausgesandten Ortungslaute ein hervorragendes Modellsystem zur Erforschung grundlegender Funktionen des Hörsystems von Säugetieren dar.“

Die Ergebnisse der Experimente würden helfen, diese besser zu verstehen, und könnten damit auch in der Humanmedizin Anwendung finden, zum Beispiel bei der Entwicklung von Hörgeräten.

SCHWEINE Der Vorwurf: Am Institut Innere Medizin I am Klinikum Großhadern werde Schweinen unter Narkose der Brustkorb geöffnet und die Blutversorgung des Herzens für eine Stunde unterbrochen. Nach dem Öffnen der Klemmen würden die Tiere mit bestimmten Zellen von Mäuse-Embryonen behandelt. 24 Stunden nach dem künstlich herbeigeführten Herzinfarkt würden die Schweine getötet und das Herzgewebe untersucht.

Das sagt die LMU: Der Eingriff erfolge nicht am geöffneten Brustkorb, sondern „mit Katethertechnik, wie sie auch in Kliniken am Menschen durchgeführt wird“, so Sprecherin Katrin Gröschel. „Dies führt zu erheblichen Fortschritten bei der Behandlung von Herzerkrankungen des Menschen.“

RATTEN Der Vorwurf: Am Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie würden Ratten Stahl-Elektroden ins Gehirn implantiert. Diese würden unter Strom gesetzt und bei den Nagern so epileptische Anfälle ausgelöst. Anschließend erhielten die Tiere ein Anti-Epileptikum. So solle der Frage nachgegangen werden, warum manche Epilepsie-Patienten auf bestimmte Medikamente ansprechen und andere nicht.

Das sagt die LMU: „Die Darstellung im Faltblatt der Ärzte gegen Tierversuche stimmt nicht“, so Professorin Heidrun Potschka. Allerdings gehört die Pharmakologin zu einer Gruppe von Autoren, die 2010 im Fachblatt „Epilepsia“ einen Aufsatz über Epilepsie-Experimente mit 48 weiblichen Ratten veröffentlicht hat. Aus dem Artikel geht nicht eindeutig hervor, wo die Versuche stattgefunden haben, ausgewiesen ist aber, wer sie abgesegnet hat: die Regierung von Oberbayern, zuständig für die Genehmigung von Tierversuchen unter anderem an der Münchner LMU.

AFFEN Der Vorwurf: Am Institut für Chirurgische Forschung am Klinikum Großhadern sollte an 19 Langschwanzmakaken die Gewebeschädigung nach Transplantationen untersucht werden. Dafür seien den Tieren unter Narkose Arme und Beine abgebunden, das Blut daraus abgelassen und durch eine Infusionslösung ersetzt worden. Anschließend sei den Primaten Menschenblut injiziert worden. Dann habe man Waden und Oberarm-Muskel freigelegt um den Blutfluss zu beobachten.

Das sagt die LMU: „Solche Versuche werden an der LMU nicht durchgeführt“, so Katrin Gröschel. Doch wieder gibt es eine Veröffentlichung – bereits aus dem Jahr 2006 – in der Münchner Wissenschaftler eben diesen Versuch beschreiben; auch er wurde von der Regierung von Oberbayern genehmigt. „Wir dokumentieren seit Jahren, dass im Klinikum Großhadern im Bereich der Xenotransplantation mit Affen experimentiert wird“, sagt Corina Gericke von „Ärzte gegen Tierversuche“. Recherchegrundlage der Tierschützer: die Publikationen der beteiligten Wissenschaftler in Fachzeitschriften.

 

Kommentare (13)
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JAN
22
00:24 Uhr, geschrieben von Pflegende
Keiner von uns Menschen kann ewig leben!
"ICH" möchte nicht, dass ein Tier wegen mir Schmerzen erleiden muss, damit mein Leben (und evtl. mein Leiden) verlängert wird. Ich arbeite seit Jahrzehnten in der Pflege, und ich habe sehr viel Elend gesehen. Diese Tierversuche an gesunden Tieren sind nicht gerechtfertigt. Wir sollten bedenken, welche Lebensqualität wir dadurch gewinnen. Tiere sind doch auch Lebewesen mit "Recht auf Leben"!
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JAN
20
15:42 Uhr, geschrieben von Kerstin
Tierversuche
Auch ich bin geschockt, wenn ich mir die detaillierte Beschreibung der Versuchsaufbauten durchlese. Und noch schockierender ist teilweise die Reaktionen der Mitmenschen. Anstatt Mitfühlen wird hier einfach weggeschaut.. Man begnügt sich dann mit dem Hinweis, das diese Versuche sicherlich notwendig seien für den mediziinscihen Fortschritt. Dabei wird immer wieder vergessen,, dass man hier deutlich zwischen Grundlagenforschung (die keiner Medikamentenentwicklung dient) und Pharmaforschung unterscheiden muss. Insbesondere in der Grundlagenforschung kommen immer wieder grausamste Experimente vor, die nicht einmal einen Nutzen nachweisen können. Es geht hier schlicht und ergreifend um (wissenschaftliche) Neugierde und den Druck, schnellstmöglich irgendwelche Publikationen zu veröffentlichen! DIes liegt am System!!!! Wissenschaftler werden nicht (mehr) auf Grund Ihrer Forschungs-(ergebnisse) sondern nur noch an Hand der Anzahl Ihrer Publikationen geehrt. Und Versuchsaufbauten mit Alternativen sind sicherilch möglich.. Aber viel einfacher (einfallsloser) und publikationsträchtiger sind immer noch Tierversuche (leider.). Dies hängt mit dem immer noch verbreiteten Irrglauben zusammen, dass TIerversuche verlässlicher und übertragbarer sind als Alternativmethoden. Schade! Hier sollte man sich vielleicht auch mal die IInitiative aus UK-Wissenschafltlern ansehen, die letztes Jahr eine Petition eingereicht hat, um die Ergebnisse von Alternativmethoden und Tierversuche zu vergleichen. Hintergrund sind die in den letzten Jahren gehäuft vorkommenden Medikamentenrücknahmen.. und dies obwohl sie in diversen Tierversuchen getestet wurden! Ich wünsche mir für die Zukunft auf alle Fälle, dass solche unnötigen Grausamkeitten wie hier beschrieben aufhören. Die Steuergelder sollten eher in die Förderung von neuen Alternativmethoden fließen!!! Nur dann erhalten wir endlich schnelle und übertragbare Ergebnisse!
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JAN
20
15:41 Uhr, geschrieben von Kerstin
Tierversuche
Auch ich bin geschockt, wenn ich mir die detaillierte Beschreibung der Versuchsaufbauten durchlese. Und noch schockierender ist teilweise die Reaktionen der Mitmenschen. Anstatt Mitfühlen wird hier einfach weggeschaut.. Man begnügt sich dann mit dem Hinweis, das diese Versuche sicherlich notwendig seien für den mediziinscihen Fortschritt. Dabei wird immer wieder vergessen,, dass man hier deutlich zwischen Grundlagenforschung (die keiner Medikamentenentwicklung dient) und Pharmaforschung unterscheiden muss. Insbesondere in der Grundlagenforschung kommen immer wieder grausamste Experimente vor, die nicht einmal einen Nutzen nachweisen können. Es geht hier schlicht und ergreifend um (wissenschaftliche) Neugierde und den Druck, schnellstmöglich irgendwelche Publikationen zu veröffentlichen! DIes liegt am System!!!! Wissenschaftler werden nicht (mehr) auf Grund Ihrer Forschungs-(ergebnisse) sondern nur noch an Hand der Anzahl Ihrer Publikationen geehrt. Und Versuchsaufbauten mit Alternativen sind sicherilch möglich.. Aber viel einfacher (einfallsloser) und publikationsträchtiger sind immer noch Tierversuche (leider.). Dies hängt mit dem immer noch verbreiteten Irrglauben zusammen, dass TIerversuche verlässlicher und übertragbarer sind als Alternativmethoden. Schade! Hier sollte man sich vielleicht auch mal die IInitiative aus UK-Wissenschafltlern ansehen, die letztes Jahr eine Petition eingereicht hat, um die Ergebnisse von Alternativmethoden und Tierversuche zu vergleichen. Hintergrund sind die in den letzten Jahren gehäuft vorkommenden Medikamentenrücknahmen.. und dies obwohl sie in diversen Tierversuchen getestet wurden! Ich wünsche mir für die Zukunft auf alle Fälle, dass solche unnötigen Grausamkeitten wie hier beschrieben aufhören. Die Steuergelder sollten eher in die Förderung von neuen Alternativmethoden fließen!!! Nur dann erhalten wir endlich schnelle und übertragbare Ergebnisse!
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