Die thüringischen Landkreise Hildburghausen und Sonneberg sollen aus Spargründen mit anderen zusammengelegt werden – jetzt drohen die Landräte damit, das Bundesland zu wechseln.

Hildburghausen - Thüringen blutet aus. Von 2001 bis 2011 sank die Einwohnerzahl von 2,4 auf 2,2 Millionen – jedes Jahr 20 000 Menschen, einfach weg.

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Bald könnten es auf einen Schlag noch viel weniger werden. Wenn 125 000 nach Bayern rübermachen.

In den Landkreisen Hildburghausen und Sonneberg sind die Menschen sauer auf die Landesregierung in Erfurt. Die mitregierende SPD will die immer kleiner werdenden Gebiete zusammenlegen, um Geld zu sparen. Das würde die Zahl der Landkreise von 17 auf acht reduzieren.

Hildburghausen und Sonneberg würden in diesem Fall mit der Stadt Suhl und Schmalkalden-Meiningen zu einem Großkreis verschmelzen: eine Verwaltungseinheit mit etwa 250 000 Einwohnern.
Das wollen die CDU-Landräte Thomas Müller (Hildburghausen) und Christine Zitzmann (Sonneberg) unbedingt verhindern. Deshalb drohen sie mit einem Wechsel – nach Bayern!
Dann hätte der Freistaat plötzlich 125 000 Einwohner mehr – und jede Menge Loipen, Wanderwege, uralte Schlösser und Kirchen.

Hildburghausens Landrat Thomas Müller kommt gerade vom Langlauf, als die AZ anruft. Für ihn ist ein Wechsel nicht abwegig: „Die Verbindung zu Franken ist traditionell sehr gut“, sagt der 53-Jährige. „Und wir haben schon einen fränkischen Schlag“: Die Einwohner sprächen fränkisch, Bayerisch-Franken sei teilweise nur drei Kilometer entfernt. Sogar die Flüsse flössen gen Bayern, sagt Müller – wegen der Wasserscheide.

Sicher: So einfach ist das Ganze nicht. Laut Müller können die Landkreise nicht selbst bestimmen, zu welchem Bundesland sie gehören. „Das müssten die Länder mit einem Staatsvertrag regeln“, sagt er. „Und Bayern müsste auch mitmachen.“

Unmöglich sei es aber nicht: „1994 wechselte das Altenburger Land von Sachsen nach Thüringen“, sagt Müller. Außerdem könnten die Bürger mit einem Bürgerentscheid einen Wechsel erzwingen.
Trotz dieser Schwierigkeiten: Die Drohung, nach Bayern zu gehen, sei durchaus ernst gemeint, sagt Müller. Käme es wirklich zum Großkreis, würde ein Bürgerbegehren für einen Landeswechesel bestimmt Erfolg haben. „Wenn sie die Menschen hier fragen, würden sie mit großer Wahrscheinlichkeit dafür stimmen, da bin ich mir sicher.“

Gegen seine Nachbarn Suhl, Schmalkalden und Sonneberg habe Müller nichts, „im Gegenteil“. Ein Großkreis sei aber völlig untypisch für die Region, „und ich stelle in Abrede, dass es Geld sparen würde.“ Genau das meint aber eine Expertenkommission, die für die Landesregierung ein Gutachten erstellt hat, auf das sich die SPD beruft.

Die Regierung solle sich vorsehen: „Die in Erfurt sollen uns endlich Ernst nehmen“, sagt Müller. In der Sache sei jede Menge „Sprengstoff“. „Ich transportiere da bloß eine Meinung.“