Theater bei Tollwood Das Schwere kann ganz leicht sein

Eine Szene aus Manolo Alcántaras Puppentheater „Rudo“ beim Tollwood-Festival. Foto: David Molina

Die katalanische Show „Rudo“ von Manolo Alcántara im Tollwood Theaterzelt

Hattet ihr ein bisschen Angst?“ fragt der Artist im Publikumsgespräch nach der Vorstellung. Der schlaksige Typ ist plötzlich richtig nett. Das war er in seiner rund einstündigen Aufführung nicht immer. Grimmig grunzte er bei seiner rätselhaften, offenbar sinnlosen Tätigkeit, scheuchte seine beiden Musikerinnen durch die Arena oder stemmte, schob und stapelte manchmal bedrohlich krachend Kisten und Kästen.

Zur Ausstattung gehören zwei Eisenrohre, die er manchmal kurzzeitig zu vergessen schien. Dann stürzten sie auf die Zuschauer zu. Das macht zwar keine Angst, aber ein wenig erschrocken darf man sein.

Manolo Alcántara tut, was viele kleine Kinder gerne tun: Spielen mit Bauklötzchen. Aber bei den drei Katalanen sieht das nicht nur nach Spaß aus. Alles hier ist staubig und nicht eben gepflegt. Alcántara und seine Partnerinnen treten in zerschlissener Arbeitskleidung auf, die Gesichter sind so verschmutzt, als kämen sie gerade aus dem Bergwerk. Die Klötzchen wirken grob gezimmert und sind offenbar schwer.
Üblicherweise wollen Artisten den Eindruck von Leichtigkeit vermitteln, aber Manolo Alcántara lässt keinen Zweifel daran, dass das Leben hart ist.

„Rudo“ heißt deshalb die kleine Show, was im Spanischen „roh“, „rau“ oder „rüde“ meint. Das heißt nicht, dass es nicht manches zum Schmunzeln gibt oder sogar Momente von traumhafter Zartheit, begleitet von verwunschenen Klängen von Violine und Cello. Höhepunkt ist der Balanceakt über eine Eisenstange gemeinsam mit einer Marionette.
Das Happy End aber ist ein kleines architektonisches Wunderwerk. Denn in der Arena erhebt sich nach Bauarbeiten am Rande der physikalischen Gesetze ein Torbogen aus hölzernen Kisten und Keilen.  

Tollwood (Theaterzelt), MMontag und Dienstag, 19 Uhr

 

JETZT LESEN

0 Kommentare