Peter Gojowczyk aus München scheitert in Doha erst im Halbfinale am Weltranglistenersten Rafael Nadal, nimmt ihm sogar einen Satz ab. Dabei wäre seine Karriere fast vorbei gewesen.

München - Sie haben ihrem Peter ein großes Plakat gemalt, die Rackets geschwungen, geschrien und am Ende geklatscht. „Wir saßen alle gemeinsam vor dem Fernseher und sind tausend Tode gestorben“, sagt Maria Gojowczyk der AZ. „Es war super starkes Match von Peter.“

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Zusammen mit ihrem Mann Reinhard und vielen Freunden schaute sich die Mama von Peter Gojowczyk das bisher größte Spiel ihres Sohnes an.

Beim ATP-Turnier in Doha zog der 24-jährige Oberföhringer überraschend ins Halbfinale ein, verlor dort aber nach großem Kampf am Freitag gegen den Weltranglistenersten Rafael Nadal mit 6:4, 2:6, 3:6, nahm ihm dabei einen Satz ab. Das nötigte auch Nadal Respekt ab: „Ich hatte gehofft, dass er nicht so weiterspielt.“

„Das ist schon etwas Besonderes. Bei den US Open hat sich Peter noch ein Autogramm von Nadal geholt und es einem Freund mitgebracht“, sagt Mama Maria. Weil nicht alle Freunde der Familie den TV-Sender Eurosport 2 hatten, war die Wohnung der Eltern gestern rappelvoll. „Wir haben uns den Sender extra für Peter dazugekauft“, sagt die stolze Mutter.

Nach dem Sieg im Viertelfinale hatte sie mit ihrem Sohn ein paar Nachrichten ausgetauscht. Telefoniert haben sie nicht. „Dazu war einfach zu viel los bei ihm“, sagt sie. „Er hat mir aber auf Facebook geschrieben, dass er innerhalb kürzester Zeit 364 Nachrichten bekommen hatte und deshalb das Handy ausmachen wollte. Ich habe ihm dann nur noch geschrieben, dass er das Spiel gegen Nadal genießen soll.“ Das tat er dann auch – und trieb den Spanier ein ums andere Mal zur Verzweiflung.

Doch wer ist der Mann, der plötzlich so aufhorchen lässt? Genießen kann Peter Gojowczyk vor allem beim Kochen. Wenn Zeit bleibt, trifft er sich mit seinem Konditionstrainer, der Hochsprung-Legende Carlo Thränhardt und kocht. Gerne auch in seiner WG in Oberföhring, wo er zusammen mit seiner Schwester Alexandra wohnt.

Für eine eigene Wohnung hat es bisher einfach nicht gereicht. Dazu fehlte dem Tennis-Schüler des einstigen ATP-Spielers Lars Uebel in der Vergangenheit einfach das Geld. „Spieler, die nicht in den Top 100 stehen, können froh sein, wenn sich Einnahmen und Ausgaben decken“, sagt sein Manager Stefan Wechslberger. Kosten für Flüge, Hotels, den Trainer und dessen Reisekosten trägt schließlich der Sportler selbst. Da sind die etwa 39<TH>000 Euro Preisgeld aus Doha ein wahrer Geldsegen. Ein Vorschuss für die nächsten Turniere sozusagen. Denn bisher konnte Gojowczyk seinen Traum vom Tennis-Profi nicht ohne Sponsoren finanzieren.

Besonders kritisch war die Situation an Weihnachten vor zwei Jahren. „Da ist sein privater Gönner überraschend im Urlaub verstorben und Peter stand plötzlich ohne Sponsor da. Daraufhin hätte er fast aufgehört“, sagt Mama Maria. Erst als ihr Mann Reinhard einen Freund überredete, den Sohn zu unterstützen, ging der Traum weiter.

Der 24-Jährige weiß um seine Wurzeln: Regelmäßig schaut er bei seinem Jugendverein TC Erdweg vorbei. Wenn er Zeit hat, trainiert er dort sogar das Frauenteam.

Spätestens seit dem Abschneiden in Doha dürfte es damit aber erst mal vorbei sein. Zumal der gebürtige Dachauer unmittelbar nach der Niederlage gegen Nadal zu den Australian Open weiterflog, um dort die Qualifikation zu spielen.