Talk über Homosexualität Maischberger: Kein Eklat, dafür ein Styropor-Penis

Hardliner Hartmund Steeb (links) erklärt, warum Homosexualität für ihn keine "erstrebenswerte Lebensform" ist. Olivia Jones hört zu. Foto: ARD

Werden im Ländle durch den grün-roten Bildungsplan Kinder zu Schwulen und Lesben erzogen? Zur Antwort kommt bei Maischberger auch ein Styropor-Penis auf den Tisch.

München - Dicke Luft schon vor der Maischberger-Sendung zum Thema „Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die moralische Umerziehung?“. Bereits die Gästeliste sorgte bei Schwulen und Lesben für Aufregung. Sie lasse einem „die Haare zu Berge stehen“, wetterte Queer.de.

Gemeint waren damit Hartmut Steeb, Generalsekretär der „Deutsch Evangelischen Allianz“ und die Autorin Birgit Kelle. Beide seien „notorische Homo-Hasser“. Doch der Eklat bei Maischberger blieb aus. Die Sendung wurde zum bekannten Irrflug, wenn es um ein Thema wie sexuelle Orientierung geht. Teils verklemmt, teils akademisch, teils miefig wie in den 60er Jahren.

Werden Kinder also durch die Schul-Pläne von Grün-Rot in Baden-Württemberg schwul? Weil diese Frage anscheinend immer noch nicht geklärt ist, fängt Sandra Maischberger noch einmal bei Adam und Eva an. Oder halt bei Adam und Adam. „Hätte man aus Ihnen einen Hetero machen können?“, fragt die Moderatorin den schwulen CDU-Politiker Jens Spahn. Antwort: „Nein. Es ist ja nicht so, dass ich eines Morgens wach geworden bin und gesagt hab: Ich bin schwul“.

Doch der derzeit im Ländle tobende Kulturkampf um den grün-roten Bildungsplan zeigt, dass selbst im 21. Jahrhundert anscheinend noch viele an eine mögliche Umerziehung zum Schwulsein glauben. 190.000 haben die Petition gegen den Plan bereits unterzeichnet. Auch Steeb unterstützt sie und sagte unlängst in einer TV-Sendung: Er sei froh, dass keines seiner zehn Kinder schwul oder lesbisch sei.

Genau das Zitat warf Jens Spahn in der Maischberger-Sendung Steeb vor. „Homosexuelle Kinder, die das hören, müssen denken: Ich bin schlecht“. Doch Steeb bleibt dabei. Homosexualität sei keine „erstrebenswerte Lebensform“. Denn sie habe negative Begleiterscheinungen: Geringere Lebenserwartung, ein höheres HIV-Risiko, höheres Drogen- und Suizidrisiko. Spahn wirft zwar kurz ein, die höhere Selbstmordrate bei Schwulen könne doch auch an der Ausgrenzung liegen. Doch an Steeb prallt alles ab. Wie auch an Mitdiskutantin Birgit Kelle. Sie stört sich schon daran, dass an Schulen schon heute viel zuviel über Homosexualität gesprochen werde. Nein, das tue man nicht, kontert Travestie-Künstlerin Olivia Jones.

Als Sandra Maischberger dann ein Aufklärungskit samt Styropor-Penis auf den Tisch stellt um schulische Sexualkunde-Utensilien zu demonstrieren, wird es skurril. Vor allem weil Steeb noch von der Diskriminierung von Großfamilien spricht, die er als 10-facher Vater schon erlebt habe. Geht es jetzt um Verhütung, oder um die das Thema Homosexualität an Schulen?

Einzig Jens Spahn behielt den Durchblick. „Wir überdrehen immer im Übereifer“, meinte der CDU-Mann mit Blick auf die Diskussion draußen auf der Straße. Und versuchte zu beruhigen: Es gehe um im Bildungsplan um Homosexualität, nicht um Sex. Schriftstellerin Hera Lind fühlte sich bei der ganzen Diskussion ohnehin an den „übertriebenen Feminismus“ der 70er Jahre erinnert. Und hofft, „dass wir in ein paar Jahren eine solche Sendung nicht mehr nötig haben“. Hoffen darf man. Ob es aber so kommt?

 

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