Mit Gaudino verlässt das nächste Talent den FC Bayern. Warum fällt den jungen Spielern der Durchbruch so schwer? Die AZ analysiert.

Doha - Die Anti-Lagerkoller-Maßnahme war ein voller Erfolg. Die Mannschaft des FC Bayern war von Dohas Hafen-Terminal per Schiff auf das „Banana Island Resort“ zum Dinner gebracht worden. „Das war sehr schön, wir hatten Spaß“, meinte ein leicht erkälteter Jérôme Boateng zum Mannschaftsabend rund zehn Kilometer vor der Küste Dohas. Die wie eine Banane geformte Insel ist künstlich aufgeschüttet – natürlich. Das Luxushotel samt Restaurants und Pools schafft eine Atmosphäre, als wäre der Besucher auf den Malediven. „War ganz nett, mal etwas Anderes zu sehen“, berichtete Manuel Neuer und bezeichnete als den größten Mehrwert: „Wir haben hier immer Buffet und das gleiche Essen. Insofern war es ganz gut, einmal außerhalb des Hotels zu essen.“

Auch für die Jungspunde im Team. Das Quintett, das nicht nur mit auf „Banana Island“ übersetzen, sondern in den sieben Tagen von Katar mit und von den Profis lernen durfte. Torwart Christian Früchtl, Fabian Benko (17), Niklas Dorsch (17), Marco Friedl (17) und „Teenager-Oldie“ Milos Pantovic (19) – wobei Benko und Dorsch die besten Perspektiven haben, da sie ab Sommer mit einem Profi-Vertrag ausgestattet sind. Werden sie die neuen Alabas, Müllers oder Badstubers? Die Durchstarter aus der eigenen Jugend? Von den Junioren-Teams sowie der Regionalliga-Mannschaft von Trainer Heiko Vogel?

 

Zuletzt schaffte es Alaba

 

Dass diese Fünf dabei sind, wertet Sportvorstand Matthias Sammer als „Zeichen an die anderen jungen Spieler bei Bayern“. Denn: „Wir versuchen Talent zu erkennen. Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, dass jeder die Möglichkeit hat, sich zu zeigen.“ Will heißen: die Tür ist offen, man muss nur durch (wollen). Was aber auch zeigt: Die Bayern haben ein dickes Nachwuchsproblem, vor allem im U23-Kader. Der letzte, der es dauerhaft zu den Profis schaffte und im Frühjahr 2010 unter Louis van Gaal in der ersten Elf debütierte, war David Alaba. In derselben Saison zog der Holländer Thomas Müller und Holger Badstuber nach oben. Die beiden setzten sich ab Saisonbeginn durch und reisten als Double-Sieger und Champions-League-Finalisten zur WM 2010 nach Südafrika. Steiler geht’s nicht.

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Und dieser Tage? Werden die Talente verkauft oder ausgeliehen. Letzten Sommer wurde Mitchell Weiser (21) an Hertha BSC abgegeben und Pierre-Emile Höjbjerg (20) für eine Spielzeit an den FC Schalke verliehen. Ob der Däne zurückkehrt, liegt in der Hand des künftigen Trainers Carlo Ancelotti. Nun wurde Sinan Kurt (19), für den die Bayern einst über eine Million Euro Ablöse an Mönchengladbach zahlten, an Hertha verkauft und Gianluca Gaudino (19) in die Schweiz zum FC St. Gallen geschickt. Zur Leihe und in die Lehre. Einzig Julian Green (20), letztes Jahr beim Hamburger SV, ist noch im aktuellen Kader. Der Durchbruch wird dem US-Nationalspieler auch nicht zugetraut.

Liegt es an den zahlreichen Transfers gestandener Profis in den letzten Jahren? Seit Pep Guardiolas Amtsantritt 2013 wurden für Thiago, Mario Götze, Xabi Alonso und Medhi Benatia sowie Arturo Vidal und Douglas Costa 167 Millionen Euro Ablöse ausgegeben. „Ich weiß nicht, ob es schwieriger geworden ist“, sagte Kapitän Philipp Lahm auf AZ-Nachfrage, „Qualität setzt sich immer durch – egal, wie gut die Konkurrenz ist. Damals wie heute gilt: Der Wille und die Leidenschaft müssen da sein.“

Lahm machte einst den Umweg über den VfB Stuttgart. „Ich habe auch nicht den Sprung geschafft in die erste Mannschaft, habe dann dort gezeigt, was ich kann.“ Ist ja was geworden aus Lahm, wie aus Bastian Schweinsteiger, mit dem er 2002 bei den Profis debütierte. Kommt 2016 einer durch? Oder wieder keiner?