Studie zu Antibiotika im Fleisch Fleisch, das krank macht

Aktivisten protestieren gegen den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast. Eine Stude der Grünen bestätigt ihre Angst. Foto: dpa

Tiere, die in Masthaltung mit Antibiotika behandelt werden, werden zunehmend zur Gefahr für unsere Gesundheit – das ergibt eine Studie der Grünen, die der AZ vorliegt.

München - Ein leckeres Schnitzel oder für die Kalorienbewussteren einen Salat mit Hühnerbruststreifen gefällig? Für viele sind das Sattmacher der ersten Wahl. Die Crux daran ist nur, dass dieses Fleisch oft vorbelastet ist: mit Antibiotika. Durch den Fleischkonsum übertragen sich die Antibiotika auf uns Menschen und der Körper wird resistent gegen diese Wirkstoffe. Diesem Problem wollten die Grünen auf den Grund gehen. Parteivize Bärbel Höhn hat deswegen für die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Studie beim Tumorzentrum in Aachen in Auftrag gegeben. Der AZ liegt sie vor:

Kern der Studie: Mittlerweile sind gut 6,4 Millionen Deutsche nichts ahnend multiresistent gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Antibiotikagruppen, weil sie durch Kontakt mit Tieren in Tiermast oder durch Fleischkonsum von behandelten Tieren so genannte antibiotika-resistente Keime aufgenommen haben. Erkranken resistente Menschen nun an starken Infektionen, wirken herkömmliche Antibiotika nicht mehr.

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Die Gefahr: Weit verbreitete Infektionserreger können nicht wie bisher behandelt werden. Unser Körper ist immun. Lebensgefährlich wurde das jetzt schon für 10000 bis 30000 Menschen in Deutschland pro Jahr. Sie sterben an Infektionen, die zwar behandelbar wären, gegen die jedoch durch die Immunität nichts anschlägt. Ärzte sind machtlos.

Warum Antibiotika für Tiere? Aus der Studie wird ersichtlich, dass die Tiere, die in Mastställen als Fleischproduzenten heran gezüchtet werden, oft zur Vorbeugung Antibiotika bekommen. Antibiotika in der Tiermast machen es erst möglich, Fleisch billig anzubieten. „In Deutschland werden jährlich 816 Tonnen Antibiotika für Behandlungen am Menschen eingesetzt – jedoch mehr als doppelt so viel (1706 Tonnen) in der Tiermedizin“, so die Studie. Das Land NRW hat 2011 eine Studie herausgegeben, in der 91,6 Prozent der Hühner in Mastställen, die nur 32 Tage leben, durchschnittlich 2,6 mal mit Antibiotika behandelt wurden – darunter waren acht Wirkstoffe.

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Der Grund: Die Herden sind sehr groß, die Tiere haben keinen Auslauf, es bilden sich nur schwer Antikörper und so sind Masseninfektionen programmiert. Um denen vorzubeugen bekommen die Tiere Antibiotika – die Bauern würden sonst einen Supergau erleben: Totalverlust im Stall. Auch werden gesamte Herden komplett mit Antibiotika versorgt, wenn nur bei einem einzelnen Tier eine Infektion festgestellt wird.

Die Folgen: Viele stationäre Therapieverfahren wie Operationen, Transplantationen, oder Chemotherapien und Bestrahlungen sind mit hohem Infektionsrisiko verbunden. Antibiotische Begleittherapien müssen die Behandlung von Patienten absichern. Sie werden mehr und mehr zu einer Belastung für den Körper. „Das Leben von immer mehr Menschen steht auf dem Spiel“, so die Studie.

Antibiotika als Mittel, um billiges Fleisch möglich zu machen – und das auf Kosten unserer Gesundheit? „Wir müssen endlich das System der Massentierhaltung in Frage stellen“, fordert darum Bärbel Höhn. Außerdem machen Frankreich und die Niederlande uns vor, dass man bestimmte Antibiotika aus der Tiermedizin verbannen kann. Per Gesetz. Damit Leben gerettet werden können.

 

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