Studie fertig Funkwellen: So (wenig) verstrahlt ist München

Die stehen auch in München zur Genüge: Mobilfunktürme. Experten zufolge bräuchte aber man aber noch mehr, um die allgemeine Strahlenbelastung zu reduzieren. Klingt paradox, oder? Foto: dpa

Im Juni wurde eine Studie gestartet, jetzt liegen die Ergebnisse vor: Die Werte sind demnach in der ganzen Stadt unbedenklich.

München - Überall Handys, Tablets, Funkmasten: München ist ganz schön verstrahlt – möchte man zumindest meinen. Das Informationszentrum Mobilfunk ist im Sommer angetreten, um mit einer Studie das Gegenteil zu beweisen. Nun liegen die erstaunlichen Ergebnisse vor: Größte Strahlenquelle ist demnach immer noch das eigene Handy. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Studie?

Ist die Studie überhaupt glaubwürdig?

Das Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) ist ein von den Netzbetreibern getragener Verein. Insofern ist das Interesse dort natürlich groß, die Strahlenbelastung im Alltag für unbedenklich zu erklären.

Um der Studie mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, hat sich das IZMF deshalb das städtische Referat für Umwelt und Gesundheit mit ins Boot geholt, das die Studie begleitet hat.

Wie ist die Untersuchung abgelaufen?

Geleitet wurde die Studie von Christian Bornkessel, einem Fachmann für Hochfrequenz und Mikrowellentechnik von der TU Ilmenau. Bornkessel hat sich „Spektrumanalysator“ umgeschnallt, ein witzig aussehendes Hightech-Gerät mit langer Antenne und gelbem Bommel vorne dran, und ist damit durch die Stadt gezogen.

Wie wurden die Messpunkte festgelegt?

Bornkessel hat sich mit seinem Bommel-Gerät so gut wie überall in der Stadt herumgetrieben: an Schulen, in Büros, in der Bahn, in Lokalen, auf belebten Plätzen, sogar in Privatwohnungen. Das Referat für Umwelt und Gesundheit hat dabei die konkreten Messstellen vorgegeben.

Dabei handelte es sich in der Regel um Orte, wo sich Münchner schon einmal besorgt über die Strahlenbelastung geäußert hatten. So besuchte Bornkessel unter anderem auch Leute, die in direkter Nähe zum Fernsehturm wohnen.

Was haben die Messungen ergeben?

Je nach Umgebung hat Bornkessel unterschiedliche Belastungswerte festgestellt: In einer Wohnung in der Bavariastraße funkte das WLAN besonders stark, an der Städtischen Berufsschule für Informationstechnik waren es die Handys der Schüler und in einem Restaurant am Olympiapark machte sich der Fernsehturm als Strahlungsquelle besonders bemerkbar.

Eines hatten alle Standorte aber gemeinsam: Die Messwerte erreichten immer nur einen minimalen Bruchteil des erlaubten Grenzwerts (0,08 Watt/kg).

Am schlimmsten war die Strahlung noch im Café Rischart am Marienplatz. Dort betreibt O2 direkt um die Ecke eine Mobilfunkantenne. Die schlug sich in den Messungen natürlich gleich nieder. Aber auch dort erreichten die Emissionen nur 0,46 Prozent des zulässigen Höchstwerts.

Steigt die Strahlung bei großen Menschenansammlungen?

Auch das hat Bornkessel untersucht. Wenn zum Beispiel auf dem Oktoberfest alle telefonieren, chatten, Selfies posten, dann liegt die Vermutung schließlich nahe, dass bei diesem regen Datenverkehr auch die Strahlung steigt.

Das konnte mit der Studie allerdings nicht belegt werden. Bei seinen Referenzuntersuchungen auf dem Marienplatz erreichten die Messungen nie mehr als 0,02 Prozent des erlaubten Höchstwerts.

Und wie sieht es mit meinem eigenen Handy aus?

Das ist den Ergebnissen der Studie zufolge tatsächlich die größte Strahlungsquelle. Wenn wir telefonieren, bekommen wir 8,5 Prozent der zulässigen Strahlung ab – allerdings auch nur, wenn wir uns das Handy direkt ans Ohr halten.

Mit jedem Millimeter Abstand sinkt die Strahlenbelastung. Schon wenn man sich das Handy einen Zentimeter vom Ohr weghält, ist nur noch ein Drittel der ursprünglichen Strahlung feststellbar.

Im schlimmsten Fall – in der Studie wäre das ein Telefonat im Café Rischart am Marienplatz – wäre man also knapp neun Prozent der erlaubten Höchststrahlung ausgesetzt.

Muss man dann überhaupt Angst vor Funkwellen haben?

Der Kinderarzt Matthias Otto, als Mitglied der Kommission für Umweltmedizin am Robert-Koch-Institut seit 20 Jahren mit Strahlenbelastung beschäftigt, sagt dazu klar: Nein.

Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche – bei all diesen auf Funkwellen geschobenen Erkrankungen habe sich ein Zusammenhang mit Strahlenbelastung nie herstellen lassen.

Lediglich bei Vieltelefonierern, die jeden Tag mehr als eine halbe Stunde an der digitalen Strippe hängen, hat die Internationale Krebsforschungsagentur IARC ein erhöhtes Hirntumor-Risiko konstatiert. An diesem kleinen Schönheitsfehler stört sich das Informationszentrum Mobilfunk aber nicht weiter, schließlich hat die IARC nach Kaffeesäure und eingelegtem Gemüse kürzlich auch Wurst und rotes Fleisch als „möglicherweise krebserregend“ klassifiziert.

Wie kann man sich gegen Funkstahlen schützen?

Falls einem trotz der niedrigen Werte daran gelegen sein sollte, die Strahlung noch zu minimieren, schlägt der Studienleiter Christian Bornkessel drei Maßnahmen vor: Nur mit Headset telefonieren, das reduziert die Einwirkungen auf den Kopf. Sich ein Handy zulegen, bei dem die sogenannten SAR-Werte besonders niedrig sind. Und nachts das WLAN ausschalten, da wird es ohnehin nicht gebraucht.

Welches Fazit zieht das IZMF aus der Studie?

Zur Reduzierung der Strahlenbelastung schlägt das IZMF zusätzliche Mobilfunktürme vor. Das klingt erst einmal komisch, ist aber durchaus konsequent. Handys tendieren nämlich dazu, ihre Leistung hochzufahren, wenn in der Nähe keine Funkzelle ist, in die sie sich einloggen können.

Da das Handy ohnehin als Strahlungsquelle Nr. 1 identifiziert worden ist, muss dem IZMF zufolge muss das Motto also sein: Wer dem Handy die Arbeit leicht macht, der bekommt auch weniger Strahlung ab.

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