Ein Glas steht mit der Öffnung nach unten auf dem Tisch. Soll ein Erwachsener es umdrehen, macht er zunächst etwas Seltsames: Er verdreht recht unbequem Hand und Arm, greift so das Glas, dreht es und stellt es richtig herum hin: Jetzt könnte er direkt trinken, denn am Ende ist seine Handstellung bequem und – ebenso wie das Glas – „richtig herum”. Dieses Phänomen, das Psychologen den „End-state Comfort Effect” nennen, beweist: Es wurde vorausschauend gedacht und die Bewegung im Voraus geplant!
Was so selbstverständlich abläuft, ist dem Menschen nicht in die Wiege gelegt, sondern wurde irgendwann erlernt. Aber wann und wie? Hiermit befassen sich Entwicklungspsychologinnen an der Saar-Uni. Sie untersuchten den „End-state Comfort Effect” bei Kindern. Rund 100 Jungen und Mädchen im Alter von drei bis acht Jahren – drehten hierfür in einem Versuch Gläser um. In einem zweiten Versuchsaufbau steckten sie einen Holz-Stab, der an einer Seite auf eine kleine Platte montiert ist, in einen Holzklotz mit passendem Loch.
„Beim Versuch mit dem Stab steigern sich die Zahlen der Kinder, die den End-state Comfort Effect nutzten, von 13 Prozent der Dreijährigen bis zu 94 Prozent in der Gruppe der Achtjährigen”, erklärt Psychologin Birgit Knudsen. „Dabei war auffallend, dass sich die Zahl der Kinder, die den Griff nutzten, zwischen drei und vier sowie zwischen vier und fünf Jahren jeweils verdoppelte”, so die Psychologin weiter. Das Vorschulalter ist demnach eine wichtige Phase, wenn es um geplante Bewegung geht. Im Alter von drei bis fünf Jahren machen die Kinder große Entwicklungsschritte und erwerben das für ein vorausplanendes Tun erforderliche Erfahrungswissen.