Streit um Konzertsaal eskaliert Machtkampf ums Deutsche Museum

Der Kongreßsaal des Deutschen Museums Foto: dpa

Der Verwaltungsratsvorsitzende (und TU-Chef) Wolfgang Herrmann möchte den Saal hier haben.
Das Kuratorium aber will genau das verhindern – und erwägt jetzt sogar den Sturz des Professors

MÜNCHEN Der Streit um den neuen Konzertsaal auf der Museumsinsel – jetzt wird er zum Machtkampf der Mächtigen. Hinter den Kulissen laufen bereits Überlegungen, TU-Präsident Wolfgang Herrmann als Vorsitzenden des Verwaltungsrats des Deutschen Museums abzusetzen. Er will das Projekt gemeinsam mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch durchpeitschen. Das Kuratorium des Deutschen Museums aber lehnt den Konzertsaal kategorisch ab. In einer turbulenten Sitzung warnten zuletzt mehrere Redner: „Hier wird der Geist Oskar von Millers mit Füßen getreten, der dieses wunderbare Museum der Stadt München geschenkt hat."

In dem Gremium sind 219 herausragende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vertreten. Zu ihnen gehören Wolfgang Porsche, der Enkel des berühmten Autokonstrukteurs und Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche. Camilo Dornier, Enkel des Flugpioniers Claude Dornier. Sowie Karl Dersch, Ex-Daimler- und Dasa-Manager und einst bester Freund von Franz Josef Strauß. Dersch hatte den Bau der Auto-Halle im Deutschen Museum organisiert und das Luftfahrtmuseum in Oberschleißheim (eine Zweigstelle des Deutschen Museums) mit einem Millionen-Sponsoring initiiert.

Das Trio verweigerte dem Verwaltungsratsvorsitzenden Wolfgang Herrmann durch Stimmenthaltung die Entlastung.
Laut Satzung wählt das Kuratorium die Mitglieder des Verwaltungsrates. Jetzt wird geprüft, ob das Gremium sie auch wieder abberufen kann. „Für den Ernstfall”, heißt es. Denn Herrmann will sich dem Votum der Museumsfreunde gegen den Bau des Konzertsaals offenbar widersetzen. Gemeinsam mit Seehofer und Heubisch hält er an den Plänen fest. Das entscheidende Gremium für ihn sei der Verwaltungsrat, giftet der Wissenschaftsminister gegen die Museumsfreunde.

Die vermuten dahinter politisches Kalkül: Seehofer wolle sich bei den Münchnern mit einem Wahlgeschenk lieb Kind machen. FDP-Mann Heubisch wolle sich noch schnell ein Denkmal setzten, bevor seine Partei 2013 aus dem Landtag fliegt und sein Platz im Kabinett frei wird. Auf den spechtet TU-Präsident Wolfgang Herrmann. Schon einmal war er auf dem Sprung in die bayerische Regierung. Edmund Stoiber hatte Herrmann als Gesundheitsminister in sein Kabinett geholt. Aber noch vor der Vereidigung musste der TU-Präsident das Handtuch werfen. Gegen ihn lief ein Steuerstrafverfahren.

Die Museumsfreunde halten die Konzertsaal-Pläne mit der „Zukunftsinitiative Deutsches Museum” für unvereinbar. Ein Neubau an der Stelle des jetzigen „Forums der Technik” müsste dann doppelt so groß sein, heißt es.
Die Freunde haben mit dem denkmalgeschützten Bau an der Ludwigsbrücke ganz andere Pläne. Ein „Forum der Zukunft” ist hier geplant – als neues Herzstück des Deutschen Museums. Und als repräsentativer Haupteingang.

360 Millionen Euro haben Bund und Bayern für eine Generalsanierung zur Verfügung gestellt. Museums-Direktor Wolfgang Heckl hat dazu über 40 Millionen Euro von privaten Sponsoren gesammelt. Denn die weltweit führende Technik-Sammlung ist inzwischen selbst ein Fall fürs Museum.
Seehofer und Heubisch sollen, so die Forderung, für den Konzertsaal einen anderen Standort suchen.
Vier Alternativen stehen zur Debatte:

das Gelände gegenüber vom Circus Krone am Marsfeld

der Finanzgarten

der Marstallplatz

die Veterinär-Klinik am Englischen Garten, die ihre Gebäude räumt.

In der emotionalen Debatte schlug Dersch provokant einen weiteren vor: Statt des „Forums der Technik” solle man doch lieber den Gasteig mit seiner schlechten Akustik abreißen. Der aber gehört bekanntlich der Stadt – und damit Seehofer-Herausforderer Christian Ude, der eh keinen weiteren Konzertsaal in seiner Stadt haben will.

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