Stellenabbau bei Banknotendrucker Verdi kritisiert Giesecke & Devrient scharf

Die Traditionsfirma Giesecke & Devrient will 630 Mitarbeiter in München entlassen. So kurz vor Weihnachten sei das „asozial“, schimpft Verdi.

München - Sie haben Millionen Banknoten am laufenden Band gedruckt – jetzt muss Giesecke & Devrient sparen. Und zwar heftig: In München kostet das 630 Mitarbeitern den Job. Ein harter Schlag für die Beschäftigten. Er trifft sie am Donnerstagnachmittag. Nicht mal zwei Wochen vor Weihnachten. Weil die Hiobsbotschaft kurz vor dem Fest vermeldet wird und noch dazu „aus heiterem Himmel“ kommt, findet Karl-Heinz Kaschel-Arnold von der Gewerkschaft Verdi auf AZ-Anfrage deutliche Worte für die Maßnahmen des Traditionsunternehmens – eigentlich nur ein Wort: Das ist „asozial“.

Was das Druckunternehmen offiziell als „Kostensenkungsprogramm zur nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Zukunftssicherung“ bezeichnet, übersetzt Kaschel-Arnold folgendermaßen: „Ihr werdet gefeuert!“

Die Dimension des nun angekündigten Stellenabbaus habe er sich nicht in den schlimmsten Albträumen ausmalen können, gesteht Kaschel-Arnold. Er kritisiert scharf, dass diese massiven Streichungen nicht im Vorfeld mit dem Betriebsrat besprochen worden seien. Dass diese von dem Abbau erst kurz vor den Mitarbeitern am Vormittag erfuhren, sei skandalös.

Bereits im Sommer ist ein Programm angekündigt worden

Kurz vor Weihnachten ist die Stimmung der Mitarbeiter im Keller. Das Ausmaß dürfte die Mitarbeiter genauso unerwartet getroffen haben wie den Gewerkschaftsvertreter. Zwar habe man bereits im Sommer intern angekündigt, sagt Pressesprecherin Martina Rauch zur AZ, dass es ein Einsparungsprogramm geben werde. Mit diesem sollen innerhalb von zwei Jahren 100 Millionen Euro eingespart werden. Mindestens. So schreibt es der Banknotendrucker in einer Mitteilung. Was diese Zahl allerdings bedeutet und wie viele Kündigungen das am Ende sein würden, konnten die Arbeitnehmer nicht wissen. Bis jetzt.

Den Hauptsitz des Unternehmens in München trifft es bei den insgesamt rund 1000 Stellenstreichungen des Druckunternehmens besonders hart: Zwei Drittel davon sind in der Landeshauptstadt. Vorgesehen ist, den Banknotendruck 2015 zu schließen und die Produktion für Banknotensicherheits-Systeme nach Louisenthal am Tegernsee zu verlagern.

Aber das sind noch nicht alle Einsparungen in München: Auch das Dienstleistungszentrum soll 2015 seine Tore schließen. Hier werden unter anderem Karten mit persönlichen Daten versehen, erklärt Rauch. Auch die Verwaltung soll verschlankt werden. Am Schluss sollen etwa 1700 Mitarbeiter übrig bleiben. Der Standort in der Prinzregentenstraße sei einfach zu teuer, erklärt die G&D-Pressesprecherin.

Die Banknoten sollen künftig in Leipzig gedruckt werden. Dort ist es billiger. Diese Entscheidung sei dem Banknotendrucker zwar schwer gefallen, allerdings „gibt es keine andere Möglichkeit“. Die schlechte Nachricht so kurz vor Weihnachten kann Rauch auch erklären: „Es gibt sowieso keinen idealen Zeitpunkt.“ Aber das Unternehmen hätte den Beschäftigten im Vorfeld vesprochen, dass bis Weihnachten Informationen über die weitere Entwicklung bekanntgegeben werden sollen.

Daran hat sich Giesecke & Devrient gehalten. Erst wurden die Gremien wie der Betriebsrat informiert, am Nachmittag dann die Mitarbeiter – und schließlich die Öffentlichkeit. Kaschel-Arnold von Verdi allerdings kritisiert, dass diese Maßnahmen nicht davor schon mit dem Betriebsrat besprochen wurden. Für ihn sei dies ein „Rechtsverstoß“. Man befinde sich momentan in Gesprächen, wie nun weiter vorgegangen werden soll.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt "aussichtslos"

Wer seine Stelle verlieren wird und vor allem auch wann, sei noch unklar, sagt Rauch. „In den nächsten Monaten“ werde nichts passieren. Was genau dieser vage Zeitraum bedeutet, will sie nicht näher definieren. Klar ist aus Sicht von Kaschel-Arnold, dass es für all diejenigen aus der Druckerbranche auf dem Arbeitsmarkt schlecht aussieht. Es sei sogar völlig „aussichtslos“, sagt der Verdi-Sprecher. Denn auch andere Unternehmen hätten Probleme und bereits ausgestellt.

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