Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Startschuss für die Ude-Festspiele Bayerische SPD feiert ihren Hoffnungsträger

dapd, vom 10.09.2011 12:17 Uhr
Münchens OB Christian Ude.  Foto: dapd
Münchens OB Christian Ude. Foto: dapd

Als Christian Ude nach seiner einstündigen Rede das Podium verlässt, erheben sich die Genossen spontan von ihren Bänken und bejubeln den neuen Hoffnungsträger.

München - Gleich springen SPD-Landeschef Florian Pronold und der Frationsvorsitzende Markus Rinderspacher Münchens Oberbürgermeister zur Seite und nehmen mit ihm die minutenlangen Ovationen entgegen. Eigentlich wollten die Münchner Sozialdemokraten am Freitag nur die „Volljährigkeit“ der Amtszeit von Christian Ude als OB feiern.

Doch nach den jüngsten Entwicklungen wird der Abend zum Auftakt für Ude-Festspiele in der bayerischen SPD. Ude, gerade erst zurück aus dem Urlaub auf Mykonos, genießt die neue Ausgangslage sichtlich.

„Eigentlich war ich noch zu Beginn der Ferien darauf eingestellt, heute ein wenig Rückschau zu halten auf 18 Jahre Stadtpolitik“, rief er zu Beginn seiner Rede in den überfüllten Saal im Wirtshaus am Schlachthof. „Aber ich habe irgendwie das feine Gespür, dass heute ein Rückblick weniger interessiert als eine Vorschau.“

So nutzte er die Gelegenheit für eine Kostprobe seiner Wahlkampffähigkeiten. In der Rede handelte Ude eine ganze Reihe von kommunal-, landes- und bundespolitischen Themen ab: Nicht erfüllte Wahlversprechen von Schwarz-Gelb im Bund, den Mindestlohn, die Europa- und Währungspolitik. Er sprach über die Verluste der Bayerischen Landesbank, über die Energiepolitik und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.

Er verglich das rot-grün regierte München mit der CSU-geführten Staatsregierung und kam immer wieder zum Schluss: „Wir können es besser!“ 

„CSU hat so viel vergeigt“

Nicht ohne Augenzwinkern nahm der Oberbürgermeister zu seiner Entscheidung Stellung, sich zu einer Spitzenkandidatur auf Landesebene bereit zu erklären. Nach intensiven Diskussionen habe seine Frau Edith zugestimmt, und da habe er gedacht: „Wenn sich schon die eigene Frau damit abgefunden hat, werde ich den Rest auch noch begeistern.“

Darin bestärkt, eine Kandidatur anzustreben, hätten ihn auch die ersten Reaktionen der CSU. Diese zeigten, „wie viel Angst man hat“. Und so schwor Ude seine Parteifreunde auf einen zweijährigen Wahlkampf bis zur Landtagswahl 2013 ein:

Die CSU habe „so viel vergeigt in den letzten Jahren und die drei Oppositionsparteien haben so viel Vertrauen gewinnen können“, dass erstmals nach Jahrzehnten ein Regierungswechsel realistisch möglich sei. Diese Chance müsse einfach genutzt werden. Die Stimmung im Saal ist an diesem Abend schon euphorisch, bevor Freibier ausgeschenkt wird.

Die bayerische SPD erkennt sich in diesen Tagen selbst nicht wieder. Nach Jahren sinkender Umfragewerte und Wahlergebnisse herrscht eine greifbare Aufbruchstimmung. „Dass ich das noch erleben darf“, schwärmt denn auch ein Mitarbeiter der SPD-Landesgeschäftsstelle inmitten der feiernden Parteifreunde.

„Seehofer ist schon vorbei“

Pronold zeigt sich „überglücklich“, dass „nicht nur hier die Stimmung so gut ist“, sondern aus ganz Bayern positive Rückmeldungen auf Udes Kandidatur kämen. Und auch Rinderspacher ist voll des Lobes für Udes Auftritt: Er habe „programmatische Pflöcke eingeschlagen“ und das Publikum begeistert.

„Seine Kandidatur löst eine irre Euphorie in der bayerischen SPD aus“, sagt der Fraktionschef. An diesem Abend scheint schwer vorstellbar, dass Ude auf einem SPD-Nominierungsparteitag nicht eine ähnliche Euphorie auslösen wird. Doch nicht nur Parteifreunde hat der OB angelockt, sondern auch mögliche Koalitionspartner:

Die Grünen sind mit Landeschefin Theresa Schopper und der Fraktionsvorsitzenden Margarete Bause vertreten. „Es war ein guter Auftakt“, sagt Schopper über Udes Rede. In der CSU herrsche eine große Furcht, denn mit Ude sei ein Wechsel in Bayern möglich.

Nach Musik- und Kabaretteinlagen betritt Ude erneut das Podium - allerdings in Person seines Doubles Uli Bauer. Dieser hat auf die Melodie des Gassenhauers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ einen Text gedichtet, der hier nahezu jeden bereitwillig mit einstimmen lässt:

„Streibl, Stoiber, Beckstein bricht / aber euer Christian nicht / Seehofer ist schon vorbei / doch ich bleib euch treu.“

Kommentare (2)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
SEP
11
19:15 Uhr, geschrieben von P. Lerchner
Perspektive...
Hoffnungslosigkeit und tiefschwarze Nacht gabs ja schon genug...und wer meint die CSU stelle gerade (oder vll. überhaupt)...einen Hoffnungsschimmer da....naja.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
1
Kommentar bewerten
SEP
10
14:59 Uhr, geschrieben von S. Poetter
Ach was ...
Wenn DAS die Hoffnung ist, wie sieht dann Verzweiflung aus ?
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
-3
Kommentar bewerten
Nato sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt
Eine wichtige Etappe bei der Raketenabwehr, ein Plan für Afghanistan und mehr Kooperation bei der Rüstung - das sind die wichtigsten Ergebnisse des Nato-Gipfels von Chicago.
Jede vierte Klinik zahlt Fangprämien für Patienten
Viele Ärzte kassieren Extra-Honorare dafür, Patienten an bestimmte Kliniken zu überweisen. Das berichtet "Bild.de" unter Berufung auf eine repräsentative Studie.
Die AZ-Top-Bilder
mehr Bilder mehr Bilder
Anzeigen & Verlagsbeilagen zum Durchklicken
 
Das München-Wetter
 
 
Anzeige
Nachrichtenticker
12:55   Brad Pitt ohne Angelina Jolie in Cannes
12:53   OECD warnt vor konjunkturellen Abwärtsrisiken - Deutschland stark
12:15   Prinzessin Estelle in Stockholmer Schlosskirche getauft
12:12   Prozess um verbrannte Mädchen - Gericht lehnt zweites Gutachten ab
12:09   Präsidiumsmitglied greift Preetz an: Zwei Abstiege zu verantworten
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Interaktiv
  • Umfrage
Start_dpa

Edmund Stoiber setzt sich nach dem Düsseldorf-Skandal erneut für Sicherheitszäune in Stadien ein - der richtige Ansatz?

 
Ja, nur so kann man die Chaoten unter den Fans kontrollieren.
Nein, das ist ein Rückfall in alte Zeiten - die Fans dürfen nicht "eingesperrt" werden.
Es muss sich etwas im Fanverhalten ändern - aber das ist die falsche Maßnahme.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Twitter
Video
Börse und Finanzen

 

Der tägliche Super Deal der AZ