Himmlische Waldesruh auf dem Nockherberg: Das Singspiel unter Regisseur Rosenmüller punktet mit Slapstick, grotesken Witzen, trefflicher Musik – und ganz starken Darstellern.

München - Er sollte es sein, der dem Nockherberg wieder zum richtigen Ton verhilft – und er hat es geschafft: Marcus Rosenmüller, König moderner Heimatkomödien wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“, hat bei seinem Debüt dem Singspiel „Waldesruh“ seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Der charmante „Rosi“-Humor und das Drehbuch von Thomas Lienenlüke scheuen keine Spitzen – und sie kommen viel feiner daher als in den Singspielen von Regie-Vorgänger Alfons Biedermann, deren platter Show-Charakter zuletzt eher ratlos machte.

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Und so heimst der Haushamer Brüller ab der ersten Szene ein: Ein krabatesker Wald erstreckt sich über die Bühne, Bäume wie aus Metall gesägt; die Musiker tragen Vogelmasken. Durch die Nebelschwaden und grünes Licht tauchen Horst Seehofer (grandios: Wolfgang Krebs) und Markus Söder (genial: Stephan Zinner) auf – der hat seinen Chef auf ein „Einschleimwochenende“ zum Zelten eingeladen. Söder muss die Ausrüstung tragen, Seehofer schleppt schon die Verantwortung für die absolute Mehrheit. Söder listig: „Chef, wenn dir das alles zu anstrengend ist, es gibt bayerisch-römische Persönlichkeiten, die abdanken, um der Jugend Platz zu machen!“ Darauf Seehofer: „So jung ist die Ilse Aigner aa nimmer...“

Durch den Wald wandern aber auch Christian Ude (Uli Bauer), Margarete Bause (Margret Völker) und Hubert Aiwanger (treffend: Stefan Murr), die sich zur Koalitionsbildung verabredet haben. Die gemeinsamen Ziele für 2013 will man festlegen. „Was ist jetzt unsere Botschaft?“, will Bause wissen, Ude: „Dieses öko-soziale Dings – der Seehofer darf nicht Ministerpräsident bleiben!“ Bause: „Bisschen dürftig.“ Ude: „Ja. Aber das ist die einzige Aussage, die er nicht von uns übernehmen kann!“ Donnernder Applaus und Gejohle.

Die Waldesruh kommt an beim Publikum, punktet vor allem in der ersten Hälfte mit Slapstick, Situationskomik, grotesken Witzen und trefflich feinen Spitzen. Dazu die Songs, die Filmkomponist Gerd Baumann und Sebastian Horn von den „Bananafishbones“ den Kabarettisten auf den Leib geschrieben haben: ein umgedichtetes Prosit der Gemütlichkeit, ein Gstanzl für Aiwanger, ein schmachtender Song für Ude über seinen Herzenswunsch Ministerpräsident – und klar bayerisch eingefärbt sind.

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Klar, dass die beiden Camper-Grüppchen aufeinander treffen und später gemeinsam am Lagerfeuer sitzen. In die Runde platzt dann eine entrüstete Ilse Aigner (entfesselt: Angela Ascher), die sich ausgeschlossen fühlt und verraten von ihrem Horst: „Was hast du mir nicht alles versprochen, doch ich hab den Verrat gerochen!“ Söder klagt Seehofer derweil weinerlich von der anderen Seite an: „Wegen dir habe ich die Finanzen übernommen – ich mag gar keine Finanzen!“

Das Camp tanzt, darüber steigt der Mond auf – Kanzlerin Angela Merkel als Mondgesicht leuchtet über die Menge, „Liebe Bauern, äh, Bayern, ich stehe nicht nur hinter, sondern auch über euch!“, ostelt es aus dem Off. Uli Bauer brilliert als frühsportelnder Ude im verkaterten Camp, Ilse Aigner hat ihr Pferd verspeist, und ein Förster (Gerhard Wittmann) taucht auf, um die Mannschaft wegen Waldverschmutzung zu rügen – und wird dabei als verlorener Sohn von Franz Josef Strauß enttarnt, woraufhin Ude ihn überreden will, Wahlkampftexte für die SPD zu schreiben.

Christine Haderthauer, die ihr Bühnendouble heuer an Ilse Aigner verloren hat, wird nur erwähnt – als Söder heimlich telefoniert: „Ja Christine, du weißt, dieses Jahr habe ich noch diese furchtbare Ilse am Hals, aber auf Dauer zählst nur du!“ Peer Steinbrück taucht auf, spricht aber immer nur nach Geldeinwurf – und verliert letztlich ein Bein, das ihm vom unberechenbaren Aiwanger abgeschlagen wird.

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Und Philipp Rösler wird als Störenfried im Publikum aus dem Saal geworfen. Der Förster schießt dann versehentlich Felix Baumgartner vom Himmel, und die versammelte Politiklandschaft beschließt, bekehrt vom Förster, sich die nächsten fünf Jahre im Wald zu verstecken, um zu besseren Menschen zu werden.

Zum Schluss ein Hieb gegen die Polit-Kaste – das sitzt. Die Gesichter in den ersten Reihen versteinern – kurz. Dann ist es aus, Verbeugung, donnernder Applaus und Jubel.

A Hund isser scho, der Rosenmüller.

 

 

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