Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Wohnraum gesucht: Bauern fürchten Enteignung

Stemmen sich gegen die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, die sie ihr Land kosten könnte: die drei Feldmochinger Bauern (v.l.) Stefan Hausler, Andreas Grünwald und Florian Obersojer. Foto: Petra Schramek

Die Stadt möchte im Norden der Stadt Wohnraum schaffen. Grundstückseigentümer laufen Sturm.

Zwei Jahre dauert es noch, dann wird der Hof von Martin Zech 200 Jahre in Familienbesitz sein. Doch wenn Zech derzeit an die Zukunft seines Betriebes in Feldmoching denkt, dann meist mit einem unguten Gefühl: „Derzeit hängen wir etwas in der Luft“, sagt er. Denn die Stadt hat viel vor in seinem Viertel. Konkret geht es um Folgendes: München wächst, deshalb ist die Stadt ständig auf der Suche nach neuen Flächen für den Wohnungsbau. Fündig wurde sie dabei nun in Feldmoching. Ein rund 900 Hektar großes Areal mit vielen unbebauten Flächen böte sich für Nachverdichtungen und Neubauten an.

Die Stadt braucht Wohnraum – und in Feldmoching ist Platz

Ähnlich wie derzeit in Freiham könnte so in Feldmoching irgendwann ein neues Viertel entstehen, das zur Linderung der Wohnungsnot in der stetig wachsenden Stadt beitragen würde. Ende Februar verkündete deshalb Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den Einstieg in eine sogenannte Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, kurz: SEM.

Die erleichtert der Stadt vor allem den Erwerb von noch unbebauten Grundstücken und deren Umwidmung zu Bauland. Die Maßnahme muss zwar noch vom Stadtrat beschlossen werden, die Ankündigung wirkt sich trotzdem sofort aus: Mit der Verlautbarung wurden Grundstückspreise eingefroren. So sollen Spekulationen mit dem Land, auf das die Stadt ein Auge geworfen hat, verhindert werden.

Doch im Viertel sorgt seit der Ankündigung vor allem für Unmut, dass Freiflächen in SEM-Gebieten verkauft werden müssen. So soll verhindert werden, dass einzelne Grundstücksbesitzer ganze Großprojekte zu Fall bringen. Im Notfall sind so auch Enteignungen nicht ausgeschlossen.

Landwirte brauchen Fläche zum Bewirtschaften

Gerade Landwirten wie Zech, von denen es im Viertel noch einige gibt, macht das Angst. Sie fürchten um ihr Land. „Wenn uns zu viel Fläche entzogen wird, macht ein landwirtschaftlicher Betrieb keinen Sinn mehr“, so Zech.

Deshalb hat er sich nun mit anderen Grundstückbesitzern aus dem Viertel zur Initiative „Heimatboden“ zusammengeschlossen. Rund 200 der insgesamt 500 Grundstücksbesitzer im betroffenen Gebiet unterstützen sie.

Zunächst soll die Initiative vor allem der Vernetzung dienen, rechtlichen Beistand in Gestalt von Rechtsanwalt Benno Ziegler hat man sich trotzdem mit ins Boot geholt. „Einen Rechtsstreit wollen wir vermeiden“, erklärt der aber und ergänzt: „Wir sind auch nicht gegen die Entwicklung des Viertels, aber wir wollen, dass man mit uns auf Augenhöhe verhandelt, statt das Damoklesschwert der SEM und damit der Enteignung einzusetzen“, so Ziegler.

Statt der SEM will sich die Initiative unter anderem für eine Entwicklung des Viertels nach Prinzipien einsetzen, die die Entwicklung Stück für Stück vorantreiben und es den Grundstückeigentümern selbst überlassen, ob sie verkaufen möchten oder nicht. Das zuständige Planungsreferat war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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