Spießrutenlauf Die Schockmethode der Abtreibungsgegner

Das Kreisverwaltungsreferat (Foto) will die "Gehsteig-Beratung" vor der Abtreibunsgklinik untersagen. Foto: Martha Schlüter

WESTEND Die Szenen vor der Abtreibungsklinik Stapf in der Fäustlestraße ähneln manchmal einem Spießrutenlaufen. Ohnehin sind viele Frauen überaus angespannt, wenn sie den Weg hierher antreten. Und dann sind da noch die so genannten „Gehsteigberater”, die vor der Tür warten: Die kommen vom Verein „Helfer für Gottes kostbare Kinder”, der sich bundesweit gegen Abtreibungen einsetzt.

Dabei geht der Verein mit der Schockmethode vor. Ein Helfer betet, der andere spricht die Frauen an: Sie würden ihr Kind töten und das später bereuen. Dann drücken sie ihnen Flyer mit Bildern von Abtreibungen in die Hand und einen kleinen Plastikfötus, der am Daumen lutscht.

Für die Frauen eine Extremsituation. Viele reagieren verängstigt und verstört.

Jahrelang hat die Stadt nichts unternommen. Die Auftritte vor der Klinik wurden stets nach dem Versammlungsrecht wie eine Demo genehmigt. Auch ein Prozess der Klinik ging verloren, weil sich betroffene Frauen nicht trauten, vor Gericht aufzutreten.

Die Stadt Freiburg geht da einen anderen Weg, und dem will das Kreisverwaltungsreferat jetzt teilweise folgen: In Freiburg wurde dem Verein verboten, in der gesamten Straße der Abtreibungsklinik aufzutreten. Die „Gehsteigberater” würden das Persönlichkeitsrecht der Frauen einschränken und in ihre Intimsphäre eingreifen.

Diese Entscheidung hat große Wellen geschlagen und rief Münchens KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle auf den Plan. Er will die Gehsteigberatung untersagen. Aber anders als in Freiburg nur auf der Straßenseite der Klinik. So könnten die Frauen ihnen ausweichen. Bis Montag kann der Verein sich dazu äußern, dann geht der Bescheid raus.

Der Verein hat dem KVR angekündigt, den Rechtsweg zu beschreiten. Das KVR sagt: „Das fechten wir auf jeden Fall durch.”

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