SPD-Kanzlerkandidat Bundestagswahlkampf: Hat Schulz eine Schwachstelle?

Seine Gegner wollen ihm schaden: Martin Schulz Foto: Kay Nietfeld/dpa

Kaum ist der 61-Jährige SPD-Kanzlerkandidat, packen seine Brüsseler Gegner aus. Von üppigen Tagegeldern und Postengeschachere ist die Rede. Doch was ist wirklich dran an den Vorwürfen?

Für Martin Schulz kam es dicke. Kaum war der frühere EU-Parlamentspräsident von seiner SPD zum Kanzlerkandidaten erhoben worden, sammelten seine politischen Gegner in Brüssel und Straßburg fleißig Material gegen ihn.

Dabei ging es beispielsweise um steuerfreie Tagegelder, die dem Chef der europäischen Volksvertretung für sieben Tage in der Woche (pro Tag 307 Euro) zustehen, was im Jahr immerhin über 100.000 Euro ergibt – zusätzlich zu seinen üblichen Abgeordnetendiäten von über 8.000 Euro im Monat.

Der Vorwurf: Schulz habe diese Beträge auch während des EU-Wahlkampfes bezogen. Damals trat er als Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten an. Dass der SPD-Politiker die Zahlungen tatsächlich hatte aussetzen lassen, betonte er selbst immer wieder. Belege dafür tauchten aber erst jetzt auf. Dass dem Präsidenten auch zwei Dienstfahrzeuge zur Verfügung standen, die er – so ein weiterer Vorwurf – auch zu Wahlkampfterminen genutzt haben soll, widerlegte der Europäische Rechnungshof. Trotzdem verstummen die Widersacher nicht.

Bislang haben Schulz’ politische Gegner nichts Handfestes

Was von der Kritik an Schulz’ Amtsführung aber wirklich bleibt, ist ein im politischen Geschäft eher übliches Verhalten: Kurz vor Ende der Amtszeit werden getreue Vasallen noch mit lukrativen Jobs versorgt. Tatsächlich gelang es Schulz schon im Mai 2016, seinen langjährigen Begleiter und Kabinettschef Markus Winkler zum stellvertretenden Generalsekretär des Parlaments zu machen und seine einstige Beraterin Monika Strasser als Haushaltsdirektorin des Plenums zu installieren.

Darüber wurde zum damaligen Zeitpunkt nicht groß geredet, beide Posten waren zu besetzen. Dass ein Parlamentspräsident dabei auf seine Mannschaft zurückgreift, ist nicht ungewöhnlich. Sehr viel heikler erscheint dagegen die Bestellung eines anderen Beraters zum Mitarbeiter eines Informationsdienstes des Parlaments in Berlin.

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Der Mann blieb formal in Brüssel angestellt und konnte sein Gehalt dadurch um 2200 Euro an Reisespesen aufbessern. Der Chef der CDU-Abgeordneten im Parlament, Herbert Reul, listete in diesen Tagen weiter auf, dass Schulz während des Europa-Wahlkampfes die meisten Dienstreisen zu sozialdemokratischen Parteien und Organisationen unternahm. Außerdem habe der damalige EP-Präsident seine Mitarbeiter im Abgeordnetenhaus für Wahlkampfzwecke genutzt.

Bisher, so bestätigen auch einige der politischen Gegner, reiche "das alles aber wohl nicht ernsthaft, um Schulz abzuschießen". Schließlich habe er lediglich Gelder in Anspruch genommen, die ihm de facto zustehen und Posten besetzt, die ein Parlamentschef "nun einmal zu besetzen hat". Und sie räumen ein, dass auch die Schulz-Vorgänger bei der Auswahl von Kandidaten für wichtige Ämter vorrangig Mitarbeiter aus dem eigenen Stab "unterbrachten". Von einer wirklichen "Bombe", wie sie einige in Brüssel angekündigt hatten, ist also (noch) nichts zu sehen.

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