Bilbao - Herzlichen Glückwunsch! 15 Jahre wird das Guggenheim-Museum in Bilbao in diesem Jahr alt. Ganz bestimmt ein Grund zu feiern: Denn ohne das Wahrzeichen des amerikanisch-kanadischen Architekten Frank O. Gehry wäre die Stadt im Baskenland kein Touristenmagnet. Bilbao boomt dank Guggenheim. Jedes Jahr zieht das wahrhaft blendende, avantgardistische Gebäude aus Titan und Stahl, fast doppelt so groß wie der ältere Bruder in New York, über eine Million Besucher an. Im Sog Guggenheims veränderte sich Bilbao, die zehntgrößte Stadt Spaniens.

„Die grünen Berge und das wildschäumende baskische Meer haben uns Basken so gemacht“, schrieb einst Miguel de Unamuno, ein baskischer Philosoph und Dichter. Das ist lange her, Ende des 19. Jahrhunderts. Den Wohlstand sicherte die Schwerindustrie, Werften, Fabriken mit Eisengewinnung und -verarbeitung. „Bilbao war wohlhabend und geschäftig, aber nicht schön“, erklärt Alexandra Wicke, Bilbao-Insiderin und Hotelmanagerin, „dann kam in den 70er und 80er Jahren die Industriekrise. Alles verrottete.“ Die Arbeitslosigkeit stieg auf 25 Prozent.
Guggenheim war die goldene Chance. Eine Stadt erfand sich neu. Mutig genug war man: Die Stadt und das autonome Baskenland übernahmen die Kosten für den Bau in Höhe von 90 Millionen Euro. Ein Volltreffer. Das Museum wirkt wie ein Schiff, das im Fluss Nervión auf Grund gelaufen ist. Und Segen brachte. „Die Stadt generiert jährlich rund 40 Millionen an zusätzlichen Steuereinnahmen“, erzählt Wicke, „allein vom Museumstourismus hängen immerhin rund 5000 Arbeitsplätze ab.“

Im Atrium sieht man Körper aus der Froschperspektive

In der spanischen Volkswirtschaft bezeichnet man mittlerweile eine Aufwertung von Orten durch architektonische Highlights als „Bilbao-Effekt“. Den Schwerpunkt des Guggenheim-Erlebnisses bildet die Sammlung moderner sowie zeitgenössischer Kunst. Der Hingucker: Die gewaltige Eisenskulptur „Matter of Time“ von Richard Serra, eigens für das Museum geschaffen. Der Besucher wird zum Statisten für die Kunst.

Vor dem Museum wird „Puppy“ dauerfotografiert, ein Hund aus Blumen, geschaffen von Jeff Koons. Vorgesehen als Blickfang für das Eröffnungsjahr 1997. Nach Protesten der Bevölkerung durfte Puppy bleiben und wird jedes Frühjahr neu mit Blumen bepflanzt, die fortlaufend ausgetauscht werden, wenn sie abgeblüht sind.

Seit Guggenheim scheint die Stadt andauernd zu blühen. Man will sich offen und leicht zeigen nach all den schweren Zeiten des blutigen Wirkens der ETA und den Separatismus-Bestrebungen. Die Bahnhöfe der Metrolinie wurden fast alle von Sir Norman Foster entworfen, sie heißen nun „Fosteritos“. Santiago Calatrava schuf die Brücke „Zubizuri“, die einem aufgeblähten Segel nachempfunden ist. Ein imaginäres Dreieck bilden das Museum für Schöne Künste (Museo de Bellas Artes), 2001 wiedereröffnet, die Universität von Deusto und das Arriaga Theater. Nicht auslassen sollte man La Alhóndiga, ein ehemaliges Weindepot, das Philippe Starck zu einem einmaligen Kultur- und Sportzentrum umgebaut hat. Hier werden die Bedürfnisse von Körper und Geist unter einem Dach befriedigt. Im Atrium sieht man Körper aus der Froschperspektive. Denn das Schwimmbad im Obergeschoss hat einen Glasboden. Die „Alhóndiga“ ist eines der bemerkenswertesten Gebäude der Stadt. Ein „All-in-one“-Projekt, Medienzentrum und Begegnungsstätte zugleich. Entspannung, Unterhaltung, Bildung - alles findet sich hier. Cafés, Restaurants, eine Mediathek, eine Galerie, ein Kino, ein Fitnessstudio.

Wer will, kann sich in Bilbao an etwas Euskara, also Baskisch versuchen. Aber Vorsicht: Es gibt acht Hauptdialekte, 25 Unterdialekte mit 50 Varianten. Heute noch wird im Baskenland die Sage erzählt, dass der Teufel eine Wette verloren habe, weil es ihm nicht gelungen sei, Euskara zu lernen. Ein Wort reicht: Pintxos, die baskischen Tapas: Kleine Leckereien wie Meeresfrüchte, Fisch, Salat, Käse, Schinken oder Wurst, serviert auf einem Minibaguette, zusammengehalten von einem Zahnstocher.