Cascada hat am Donnerstag den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest mit einem ziemlich schamlos abgekupferten Song gewonnen – nun reißt die Kritik reißt nicht ab

Ist Cascada perfekt oder peinlich? Nach dem Sieg der Dance-Pop-Band beim Grand-Prix-Vorentscheid ist eine heftige Diskussion entbrannt. Im Internet beschweren sich die einen über „Autoscooter-Mucke“, andere werfen Cascada-Sängerin Natalie Horler ein billiges Outfit vor. Dabei hat sie doch in Hannover eine makellose Performance abgeliefert.

Der von der ARD übertragene Vorentscheid hatte eine ziemlich schwache Einschaltquote. Und doch bewegt der europäische Gesangswettbewerb jetzt heftig die Gemüter. Viele hätten lieber die Chiemgauer Bläser-Combo LaBrassBanda am 18. Mai zum Eurovision Song Contest in Malmö ins Rennen geschickt. Die fünf Musiker mixen Ska, Punk, Polka, Funk, Reggae und Techno. Live barfuß in Lederhosen sind sie eine Wucht.

Dann mussten sich die Band aber im komplizierten Abstimmungsverfahren knapp geschlagen geben, weil sie bei der Jury durchfielen. Die Jury allerdings bestand zum Großteil aus Musikern, die wie die spätere Siegerin beim Label Universal unter Vertrag stehen. Radiohörer hatten die Bayern klar vorgezogen.

„Wir wollen nur Musik machen, mehr können wir halt nicht. Eine Glitzer- und Glamour-Show würde bei uns nicht funktionieren“, erklärte Frontmann Stefan Dettl später.

Im Internet wird derweil geätzt, der deutsche Beitrag sei ein Abklatsch von „Euphoria“, dem ESC-Gewinnersong 2012. Noch eine deutsche Plagiatsaffäre?

„Das sind zwei unterschiedliche Lieder“, sagt Cascada-Sängerin Natalie Horler nach dem Gewinn des Vorentscheids auf die Frage nach der Nähe zu Loreens Siegertitel. Auch Komponist und Produzent Ralph Siegel, der zum zweiten Mal in Folge mit San Marino antritt, zollte der Sängerin Respekt, wenn auch mit beißender Ironie. „Ich finde die Sängerin sehr gut, sie hat toll gesungen, und ich wünsche ihr viel Glück“, sagte Siegel. „Der Titel kommt mir allerdings sehr euphorisch vor“, fügte er mit Blick auf den Vorjahres-Siegersong „Euphoria“ hinzu.

Die „Bild am Sonntag“ checkte beide Titel im Sprachlabor und gab zu einem Grad der Übereinstimmung, der eher an den Fall Guttenberg als an Schavan erinnert. Auch in der Pop-Welt ist geistiges Eigentum geschützt – warum solle Cascada nicht zurücktreten müssen?

Blamiert ist nun nicht nur Cascada, sondern in erster Linie der Norddeutsche Rundfunk, der die Veranstaltung durchgeführt hatte. Trotz großer Erfahrung mit dem Europeon Song Contest ist man beim NDR sehenden Auges gleich in mehrere Fallen getappt. Was bleibt ist der Spott der Fans und ein chancenloser Sieger.