Maria Höfl-Riesch hat beim WM-Slalom in Schladming ihre mögliche vierte Medaille bei den alpinen Titelkämpfen in Österreich verpasst. Die 28 Jahre alte Partenkirchnerin, Vierte nach dem ersten Durchgang, lag im Finale auf „Stockerl“-Kurs, als sie rund fünf Fahrsekunden vor dem Ziel einfädelte.

Schladming  – Maria Höfl-Riesch saß in der Tiefgarage unter dem Zielstadion am Fuße der Planai und weinte hemmungslos. Schwester Susanne tätschelte ihr die linke Schulter – doch in diesem Moment gab es für die Doppel-Olympiasiegerin keinen Trost. Höfl-Riesch war im WM-Slalom von Schladming auf dem Weg in die Ski-Geschichtsbücher, doch acht Tore vor dem Ziel kam sie ins Straucheln – und fädelte ein.

Ein paar Etagen über ihr jubelte die 17-jährige Mikaela Shiffrin (USA) über Gold. „So kurz vor dem Ziel, das schmerzt sehr“, sagte Höfl-Riesch über ihren Patzer. Vorbei war ihr Traum von der vierten WM-Medaille - und einer Bestmarke. Noch nie hat eine Deutsche bei einer WM viermal Edelmetall geholt.

Rosi Mittermaier gelang Ähnliches bei Olympia 1976, als sie vier der nebenbei vergebenen WM-Plaketten gewann. Für Höfl-Riesch blieb es bei drei Medaillen. Als sie ausschied, zog sich Papa Sigi auf der Tribüne seine lila Mütze ins Gesicht. Höfl-Riesch blieb zunächst fassungslos stehen, dann fuhr sie ins Ziel, wo sie wütend gegen eine Werbebande boxte. Noch Minuten später bei den Interviews rang sie um Fassung. Gold in der Super-Kombination und die beiden Bronzemedaillen (Abfahrt/Team) waren jetzt ganz weit weg. „Zwei Tore vorher hat es mich in einer ziemlich tiefen Spur zusammengedrückt, da habe ich die Balance verloren. Ärgerlich, es war das letzte schwierige Tor vor dem Ziel. Das ist bitter“, sagte sie, die Tränen schossen ihr da schon in die Augen.

Eine Medaille wäre sicher möglich gewesen, ergänzte sie, „aber es hilft nichts, darüber nachzudenken. Es ist schon vorbei.“ Statt Höfl-Riesch jubelte Shiffrin, Siegerin von vier der sieben Weltcup-Slaloms der Saison, über Gold. „Ich weiß noch gar nicht, was da passiert ist“, sagte sie, zu Tränen gerührt. Auf der Tribüne, wo über 30.000 Zuschauer Silber der Österreicherin Michaela Kirchgasser feierten, verdrückte Mama Eileen Shiffrin an der Schulter von Papa Jeff ebenfalls ein paar Tränen.

Bronze gewann Frida Hansdotter. Die Schwedin lag vor dem Finale in Führung, 0,20 Sekunden war sie schneller als Höfl-Riesch. Auf Shiffrin, die Dritte war, fehlten der Deutschen nur 0,02 Sekunden. Kirchgasser dagegen lag 0,35 Sekunden hinter Höfl-Riesch auf Platz sechs, die zweitbeste Laufzeit führte sie auf Rang zwei. Höfl-Riesch hatte bei der letzten Zwischenzeit im Finale 0,09 Sekunden Rückstand auf Kirchgassers Gesamtzeit – und der untere, flache Teil lag ihr eigentlich. Mindestens zu Bronze hätte es wohl gereicht. „Es war trotzdem eine super WM für mich“, sagte sie, als sie sich etwas gefangen hatte, „ich fahre erhobenen Hauptes nach Hause.“

Das tat sie noch am Samstag. Der Slalom, fügte sie an, „ist eben eine Gratwanderung“. Diesmal stürzte sie ab. Dabei war die Zuversicht groß. Sie habe „die eigenen Erwartungen übertroffen“, sagte sie kurz vor dem Rennen, sei locker, glaube an sich und werde „alles versuchen“. Das tat sie. Vierte, mit 0,20 Sekunden Rückstand vor dem Finale? Da war doch was. 'Stimmt! Ja!", rief sie, als ihr einfiel, dass das schon in der Super-Kombination nach der Abfahrt so war. Im Slalom carvte Höfl-Riesch dort zu Gold. Das war auch diesmal das Ziel der Slalom-Olympiasiegerin von 2010 und -Weltmeisterin von 2009, „volle Attacke“ war ihre Parole für die letzten 566 m dieser WM. Doch dann war es doch früher vorbei.

Christina Geiger (Oberstdorf) scheiterte schon im ersten Lauf nach nur 30 Fahrsekunden, Lena Dürr aus Germering belegte Platz 21. „Schade, dass es in so einem Rennen nicht klappt. Aber jetzt muss ich weiter trainieren und weiter arbeiten, das kommt schon wieder“, sagte die 21-Jährige. Vier Jahre jünger, genauer: 17 Jahre und 340 Tage, ist Shiffrin - und damit die jüngste Slalom-Weltmeisterin seit 39 Jahren. 1974 gewann Hanni Wenzel (Liechtenstein) mit 17 Jahren und 56 Tagen in St. Moritz.

Noch jünger war nur Esme Mackinnon (Großbritannien) mit 17 Jahren und 82 Tagen beim Slalom-Sieg 1931 bei der ersten WM in Mürren/Schweiz. Für Höfl-Riesch ist Shiffrin ein „Jahrhundertalent“, sie selbst sagte gerührt: 'Es ist verrückt!"