Unbekannte streuen Teppichnägel auf der Straße – zahlreiche Fahrer fallen vorübergehend aus, einer stürzt und muss aufgeben. Spitzenreiter Wiggins wartet auf die gehandicapten Konkurrenten

FOIX Ein irrsinniger Nagel-Angriff auf das Fahrerfeld hat die 14. Etappe der 99. Tour de France überschattet: Cadel Evans stand hilflos ohne Hinterrad auf dem Gipfel der Mur de Peguere, der Kroate Robert Kiserlovski krümmte sich vor Schmerzen auf dem Asphalt und sogar das TV-Motorrad wurde mit einem Plattfuß aus dem Verkehr gezogen. Unbekannte hatten unzählige Teppichnägel auf die Straße geschmissen – und damit etliche Fahrer vorübergehend außer Gefecht gesetzt und zum Teil auch verletzt.

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„So viele Defekte sind verdächtig. Es ist etwas auf die Straße geworfen worden. Das war ein dummer Streich. Es war sehr gefährlich für die Fahrer”, schimpfte Tourchef Christian Prudhomme und Renndirektor Jean-Francois Pescheux ergänzte: „30 von 50 Fahrern hatten einen Platten. Wir wissen nicht, wer der Täter war.”


Besonders heftig hatte es Kiserlovski und Vorjahressieger Evans erwischt, der einen Nagel fotografierte und das Bild mit der Bemerkung „ein dramatischer Tag” auf Twitter veröffentlichte. Er konnte immerhin weiterfahren. Kiserlovski allerdings stürzte so schwer, dass er das Rennen mit Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch aufgeben musste. Evans musste indes gleich dreimal das Hinterrad und einmal das Vorderrad wechseln. Immer wieder standen Fahrer am Straßenrand, die Mechaniker waren quasi im Dauereinsatz. So sprach Evans' BMC-Teamchef Jim Ochowicz gleich von einem „kriminellen Akt”.


Auch Spitzenreiter Bradley Wiggins war nicht unbeschadet davongekommen, der Brite musste einmal das Rad wechseln. Zuvor hatte der Bahn-Olympiasieger aber Größe bewiesen und seine Mitstreiter in der Favoritengruppe angewiesen, das Tempo zu drosseln, bis Evans und alle weiteren abgehängten Fahrer wieder aufgeschlossen hatten. „Es ist traurig, aber als Radsportler müssen wir es wohl hinnehmen. Im Fußballstadion wäre man sofort verhaftet worden. Wir sind nun einmal verwundbar. Ich hoffe, dass das nicht noch einmal passiert”, sagte Wiggins und meinte: „Wir wussten sofort, dass irgendwas nicht stimmt. Plötzlich hatten 15, 16 Fahrer einen Platten.”


Für sein Verhalten erhielt Wiggins viel Lob. „Es war sehr ehrlich und fair von ihm, dass er gewartet hat”, lobte BMC-Sportdirektor John Lelangue.


Der Sabotage-Akt war ein Grund dafür, warum sich die Favoriten einen Rückstand von gut 18 Minuten auf Tagessieger Luis Leon Sanchez eingehandelt hatten. Der Spanier und seine Mitstreiter in der Ausreißergruppe waren von dem Vorfall nicht betroffen und machten den Sieg unter sich aus. So siegte nach 191 km von Limoux nach Foix Solist Sanchez mit einem Vorsprung von 47 Sekunden vor den Peter Sagan (Slowakei) und Sandy Casar (Frankreich). Es war bereits der fünfte Tour-Etappensieg in der Karriere des Spaniers.