Felix Neureuther erlebt bei der alpinen Ski-WM in Schladming seinen persönlichen Höhepunkt seiner Karriere. Ans Aufhören denkt der 28-Jährige deshalb aber noch lange nicht. Warum auch?

München -  Er wird uns fehlen, dieser Felix Neureuther. Wann auch immer er aufhört, nach dem nächsten Winter oder erst in fünf Jahren. So einen wie den wird es beim Deutschen Skiverband so schnell wohl nicht mehr geben. Fehlen wird dann nicht nur der begnadete Skifahrer Neureuther, sondern auch der Spitzbub Felix, dem der Schalk offenbar von Geburt an im Nacken sitzt und ihm ständig einen Spruch eingibt. Angesprochen auf das nächste Weltcup-Rennen am kommenden Sonntag in seiner Heimat Garmisch-Partenkirchen sagte der frisch dekorierte Vize-Weltmeister: „Ich hoffe, dass ich es bis dahin nach Garmisch schaffe...”

Keine Angst, Felix Neureuther denkt nicht ans Aufhören. Warum auch? Gerade jetzt, wo er so gut ist wie nie in seinem Ski-Leben. Aber wenn man ihm nach dem Gewinn der Silbermedaille im WM-Slalom so zuhört, wird klar: Emotionaler und stimmungsvoller wird’s nimmer. Wer Neureuther kennt, weiß: Er mag es, vor großem Publikum zu fahren. Die Parallelslaloms am Münchner Olympiaberg: ein Fest für den Stimmungsmenschen Neureuther. Die Siege bei den großen Klassikern in Kitzbühel, Wengen und daheim in Garmisch: definitiv überragend, wie er sagen würde. Aber dieses Rennen auf der Planai war dann nochmal eine besondere Nummer.

„Als ich vor dem zweiten Lauf oben stand und der Mario Matt mit Bestzeit unten ankam, ist da so ein gewaltiger Begeisterungsschwall nach oben gerauscht, dass es mich fast rückwärts aus dem Starthäusl gehauen hätte”, erzählte Neureuther von der Situation vor dem wohl wichtigsten Lauf seiner Karriere. 37.000 Fans drückten nicht ihm die Daumen, sondern ihren österreichischen Landsmännern Matt und Hirscher – und waren dann still wie Kirchenmäuse, als der Deutsche seinen Silber-Lauf in den Hang legte. „Das war die schönste Stille, die ich jemals erlebt habe”, sagte Neureuther, „normalerweise mag ich’s ja eher, wenn’s laut zugeht.”

Der Stolz und die Genugtuung, es endlich auch bei einem Großereignis geschafft zu haben, drangen ihm danach aus allen Poren. Aus Partenkirchen, wo Mama Rosi Mittermaier und Papa Christian Neureuther vor dem Fernseher wohl das ein oder andere Tränchen verdrückt haben werden, kam via „Bild” die Kunde: „Felix hat sich für sein Leben eine Last von der Schulter genommen. Das weiß ich als Vater, der nie eine Medaille gewonnen hat.” Bei der WM 1978 war Neureuther senior Sechster geworden. Alpindirektor Wolfgang Maier strahlte: „Das ist für mich ein extremes Erlebnis.” Bleibt die Frage: Was kommt jetzt noch?

„Das nächste Großereignis ist Sotschi: Schaun mer mal, wie die Stimmung da wird”, meinte Neureuther ironisch, „dann kommt die WM in USA: schaun mer mal, wie die Stimmung da wird”, ulkte er weiter, „und dann Olympia 2018 in Südkorea: Schaun mer mal, wie die Stimmung da wird.” Will sagen: Neureuther hat in Schladming den Stimmungs-Gipfel erreicht – aus sportlicher Sicht gibt es natürlich noch einiges zu gewinnen. Gold, Silber und Bronze bei Ski-Weltmeisterschaften sowie vier Weltcupsiege lautet bislang seine Erfolgsbilanz: Da geht schon noch was.

In einem Monat wird er 29, der Rücken ist eine einzige Baustelle und funktioniert weitgehend auf Basis von Müller-Wohlfahrt-Spritzen. Im Interview mit der SZ sprach er unlängst von einem Traum: Heli-Guide in Kanada und dann mit dem Rucksack durch Australien. Wovon man eben so träumt als Twen.