Sicherheitskonferenz 2017 in München So residiert Donald Trumps Gefolgschaft im Bayerischen Hof

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Vizepräsident Mike Pence wird als ranghöchstes Mitglied der US-Administration an der Sicherheitskonferenz teilnehmen. Foto: dpa

München steht Kopf: Am Wochenende findet die Sicherheitskonferenz MSC statt, zu der auch mehrere Trump-Freunde kommen werden. Ein Riesen-Spektakel, hinter dem ein unglaublicher Aufwand steckt.

Seit 1963 findet in München die internationale Sicherheitskonferenz MSC (Munich Security Conference) statt - das weltweit größte Treffen dieser Art. Doch keine Veranstaltung wurde mit so viel Spannung erwartet, wie die diesjährige 53. MSC (17.-19.02.). Denn zum ersten Mal betreten hohe Vertreter der neuen amerikanischen Regierung unter Präsident Donald Trump das internationale Parkett: der US-Vize Präsident Mike Pence sowie der US-Verteidigungsminister James Mattis. Ursprünglich sollte auch Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn kommen, doch der ist inzwischen von seinem Posten zurückgetreten.

Insgesamt werden 650 hochrangige Gäste erwartet, unter ihnen die Bundeskanzlerin Angela Merkel, der designierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein Vorgänger Joachim Gauck, der britische Außenminister Boris Johnson, NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Chinas Außenminister Wang Yi, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, Ungarns Premierminister Viktor Orban und Microsoft-Gründer Bill Gates.

Die MSC ist keine offizielle Regierungsveranstaltung sondern privat organisiert. Sie dient ausschließlich der Diskussion unter den Teilnehmern und wird zu diskreten Hintergrundgesprächen genutzt. Die US-Universität von Pennsylvania hat das Treffen mehrfach als weltweit beste Think Tank Conference ausgezeichnet.

Tausende Polizisten und eine gesperrte Innenstadt

Eine solche Veranstaltung erfordert eine Logistik, die die Sicherheitsbehörden sowie die Münchner Gastronomie auf eine harte Belastungsprobe stellt. Allein 4000 Polizisten (und drei Sprengstoffhunde) sollen für den Schutz der MSC-Teilnehmer und der Stadt München sorgen.

Die Innenstadt rund um das Tagungszentrum Hotel Bayerischer Hof wird für drei Tage weitgehend gesperrt. Der Sperrbereich ist über neun Zufahrtsschleusen (sechs für Fußgänger) erreichbar. Dabei werden 600 bis 650 Sperrgitter aufgebaut. Außerdem hat die Polizei über 1.100 Kanaldeckel, Stromverteiler und Parkscheinautomaten kontrolliert. 950 zusätzliche Halteverbote werden aufgestellt.

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Parkprobleme am Flughafen

Der Münchner Airport Franz Josef Strauß hat sich für dieses Wochenende auf 200 zusätzliche Flugbewegungen eingestellt. Doch wo sollen die Flugzeuge alle parken? Dieses logistische Problem schildert die "Süddeutsche Zeitung" so: "Schon mal einen Parkplatz für eine Boeing 747 gesucht? Möglichst in der Nähe der Boeing 757, weil die ja dem Vizepräsidenten gehört, und die 747 seinem Verteidigungsminister? Unbedingt so geparkt, dass sie im Notfall sofort losrollen und starten kann? Und das Ganze vielleicht nicht gerade in der Nähe einer Maschine aus einem Schurkenstaat?" - "Wir wissen, dass wir einen Israeli nicht neben einen Iraner stellen", sagt der Leiter der Zentralen Verkehrssteuerung am Münchner Flughafen. "Das könnte Komplikationen geben.""

Hochrangige Minister und Regierungschefs beanspruchen stillschweigend einen Jet-Parkplatz in der ersten Reihe. Vor zwei Jahren beim G-7-Gipfel in München sollten die Japaner mit zwei großen Jumbos kommen, einer mit dem Premierminister. Der war also protokollarisch ranghöher. Schließlich flog der Regierungschef mit einer anderen Maschine ein, auf seinem vorgesehenen Platz stand aber schon der rangniedrigere Jet aus Japan. Deshalb fragte der Militärattaché höflich an, ob man die Flugzeuge nicht umparken könne. Kann man, teilte ihm die Airport-Leitung mit, kostet aber 1500 Euro extra. Da ließen es die Japaner sein.

Die Amerikaner fliegen eigene Autos ein

Die amerikanische Delegation betreibt traditionell den größtmöglichen Aufwand. Deshalb werden die zahlreichen Begleitflugzeuge auf Luftwaffenstützpunkten wie Ramstein in der Pfalz geparkt und entladen (z.B. eigene Autos, verplombte Kerosin-Tankwagen). Von dort geht es weiter nach München. Bereits am Mittwoch landete der erste US-Transporter vom Typ C-17 am Franz Josef Strauß Airport, u.a. mit vier Paletten voller Kommunikationstechnik für den Vizepräsidenten Mike Pence. Die zahlreichen Secret-Service-Agenten, die die US-Maschinen auf dem Vorfeld bewachen und dabei Waffen tragen, müssen wiederum von der deutschen Bundespolizei bewacht werden. So will es die Vorschrift.

Das Zentrum der MSC ist das Luxushotel Bayerischer Hof im Zentrum Münchens. Es wird für die drei Tage komplett für die Sicherheitskonferenz gebucht. 940 Hotelmitarbeiter kümmern sich um die Gäste; der Fahrdienstbereitschaft stehen 135 Autos zur Verfügung.

16.000 Tassen Kaffee eingeplant

In den drei MSC-Tagen bereiten die Köche des Bayerischen Hofs jeden Tag unterschiedliche 1500 Essen zu: Menüs, Tellergerichte, Speisen von Büffet - vom Atlantikhummer bis zur Münchner Weißwurst. Dazu werden 7000 Flaschen Mineralwasser, 1600 Säfte, 4500 Softgetränke, 16.000 Tassen Kaffee, 2000 Flaschen Bier und 650 Flaschen Wein einkalkuliert.

US-Vizepräsident Mike Pence unternimmt noch einen Abstecher nach Dachau und will am Sonntag die KZ-Gedenkstätte besuchen, um anschließend an einem Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche auf dem KZ-Gelände teilzunehmen.

Die Gesamtkosten für diese aufwändige Veranstaltung dürften Millionen kosten. Konkrete Zahlen werden nicht genannt. Die deutsche Bundesregierung beteiligt sich daran, 2014 soll Berlin etwa eine Million Euro beigesteuert haben. Außerdem hat die MSC privatwirtschaftliche Sponsoren. In den letzten Jahren beteiligten sich Firmen wie Linde AG, BMW, Krauss-Maffei Wegmann, Deutsche Telekom und Barclays.

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