Der 37-Jährige suchte sich seine Opfer in der U-Bahn und verfolgte sie. Er hatte es vor allem auf blonde Frauen in kurzen Röcken abgesehen

München - Es ist ein Geständnis, das schaudern lässt. In den Vernehmungen des 37-jährigen Münchners, der am Freitag am Marienplatz unter dem dringenden Tatverdacht gefasst worden ist, in Neuhausen und Neuperlach zwei Frauen vergewaltigt beziehungsweise sexuell genötigt zu haben, kommen immer neue, erschreckende Einzelheiten zutage. Offenbar hat der Mann noch mehr Frauen in sexueller Absicht angegriffen. „Sein ,Jagdrevier’ war die U-Bahn“, sagt Kriminaldirektor Frank Hellwig. Dort spähte er seine Opfer aus, verfolgte sie und fiel über sie her.

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Wie viele Frauen Opfer von Ibil B. wurden, ist noch unklar. „In den Vernehmungen hat er drei weitere versuchte Vergewaltigungen vor 15 bis 17 Jahren eingeräumt“, berichtet Frank Hellwig. „Ich kann mir vorstellen, dass das noch nicht alles gewesen ist. Auf uns kommt viel Arbeit zu.“

Der verdächtige Ibil B. ist alleinstehend und wohnte in der Maxvorstadt. Seine letzte Beziehung ging schon vor längerer Zeit zu Ende, er ist geschieden. Der Münchner mit türkischen Wurzeln arbeitete als Handwerker, zuletzt lebte er von Hartz IV. Vor zwei Jahren war er wegen Depressionen stationär in Behandlung. Unter Stress beginnt er zu stottern. Die Polizei ermittelte bereits wegen verschiedener Delikte gegen ihn – unter anderem wegen Urkundenfälschung – aber bislang nie wegen Gewalttaten.

Der Mann mit dem markanten Äußeren hatte in der vergangenen Woche gleich zwei Mal zugeschlagen. Wie die AZ berichtete, verfolgte er am Mittwoch, kurz vor 9 Uhr, eine junge Frau vom U-Bahnhof Maillinger Straße bis in das Bürohaus an der Landshuter Allee 10. Im Lift fiel er über die Frau her. Bereits am nächsten Tag ging er während des Unwetters einer 24-Jährigen vom Bahnhof Neuperlach Süd nach. Im strömenden Regen auf dem Gehweg an der Carl-Wery-Straße riss er die Frau brutal zu Boden, begrapschte sie, nötigte sie sexuell. Erst als sich Passanten näherten, ließ er von ihr ab und flüchtete.

Lift-Vergewaltiger am Marienplatz geschnappt

Beide Opfer hatten drei Dinge gemeinsam: Sie waren jung, blond und trugen kurze Röcke. „Er hat sich im U-Bahnbereich ganz gezielt auf die Suche gemacht. Er wollte Frauen finden, die er vergewaltigen kann“, sagt Frank Hellwig.

Vergewaltigen muss dabei nicht zwingend heißen, dass es zum Geschlechtsakt kommt. Manche Täter erregt die Angst ihrer Opfer, andere, wenn sie ihre Opfer an intimen Stellen berühren. Strafrechtlich ist der Tatbestand beispielsweise auch dann erfüllt, wenn ein Finger eingeführt wird.

In seinen Vernehmungen gab Ibil B. zu, vor etwa 15 Jahren in Milbertshofen einer Frau an den Po gelangt zu haben. Ein zweiter, schwerwiegenderer Fall weist frappierende Ähnlichkeiten zu der Vergewaltigung in Neuhausen auf: Ibil B. gestand, dass er vor 15 bis 17 Jahren einer Frau im Olympischen Dorf von der U-Bahn bis zum Lift ihres Wohnhauses gefolgt sei. Im Aufzug belästigte er sie sexuell. Als sich die Tür wieder öffnete, kam der Ehemann der Frau entgegen, Ibil B. flüchtete.

Ein dritter Fall, über den noch keine Details bekannt sind, soll bereits 20 bis 22 Jahre zurückliegen. „Nach meinem Gefühl ist das nicht das Ende der Fahnenstange. Da kommt noch viel Ermittlungsarbeit auf uns zu. Wir gehen soweit zurück wie möglich“, so Kriminaldirektor Hellwig. Nun suchen die Polizisten nach den Opfern von damals – und möglichen weiteren. Unzählige Akten müssen gesichtet, Verjährungsfristen geprüft werden.

Auf die Frage, warum Ibil B. Frauen anfiel, antwortete er den Polizisten sinngemäß: „Es ist über mich gekommen.“