Sendling Radler tötet Rentner: Das sagen die Söhne

Familie und Nachbarn trauern um den Tod von Fritz Ebel. Die Baustelle, an der er verunglückte, wird von vielen als gefährlich erachtet. Foto: AZ/Müller

Rentner Fritz Ebel streitet sich in Sendling mit einem Radler. Der rastet aus und schubst den 75-Jährigen. Er knallt auf den Asphalt und stirbt später in der Klinik. Nicht nur seine Söhne trauern

München - Auf dem Fußgängerweg an der Albert-Roßhaupter-Straße 80 klebt Blut, das Blut von Fritz Ebel. Ein 53-jähriger Fahrradfahrer hat den Rentner, der vor seinem Haus spazieren ging, auf die Straße geschubst. Jetzt ist Fritz Ebel tot, gestorben mit 75 Jahren. Die Mordkommission ermittelt gegen Radler Michael C. (Name von der Redaktion geändert) wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Die Polizei sucht noch nach Zeugen.

Es sind dramatische Szenen, die sich bereits am vergangenen Dienstag gegen 20 Uhr auf dem schmalen Bürgersteig vor Fritz Ebels Haus abspielen: Erst ist alles wie immer. Der Rentner will mit seiner Frau Silvia (79) ins Wirtshaus um die Ecke. Das Paar trifft sich dort regelmäßig mit anderen Senioren. Die beiden sind seit 50 Jahren verheiratet, ihre drei Söhne sind in Sendling zur Schule gegangen.

Um zu der Gaststätte zu gelangen, nehmen die beiden den schmalen Fußweg entlang der Albert-Roßhaupter-Straße. Wegen der großen Baustelle – die Stadt schafft dort neue Wohnungen – ist der Bürgersteig vor dem Partnachplatz nur etwa einen Meter breit. Radler und Fußgänger müssen ihn sich teilen. Eine Zumutung für alle Beteiligten, schimpfen die Anwohner.

Fritz Ebel geht am Tag des Unglücks stadtauswärts auf dem Bürgersteig, steht kurz vor dem grünen Bauhäuschen. Dort prangt ein Schild: „Radfahrer bitte absteigen!“. Doch Radfahrer Michael C. kommt von hinten angeschossen, will nicht absteigen. Da wird Fritz Ebel wütend. „Das gehört sich net“, schimpft er den fremden Radler. Es kommt zu einem heftigen Streit zwischen dem Rentner und dem Radlfahrer, berichtet die Polizei später. Von „schlimmen Beleidigungen“ ist die Rede.

Plötzlich tickt Michael C. aus: Er steigt vom Rad, schubst den 75-jährigen Fußgänger auf die Straße. Der alte Mann knallt mit dem Kopf zuerst gegen einen parkenden Lastwagen – und schließlich auf den harten Asphalt. Silvia Ebel, die hinter ihrem Mann lief, muss mit ansehen, wie er bewusstlos am Boden liegt. Aus einer Wunde am Kopf fließt Blut auf den Bürgersteig. Die Ehefrau streichelt ihren Mann, spricht mit ihm. Der Rentner fällt ins Koma.

Drei Tage später, in der Nacht zu Freitag, stirbt er. Michael C. wird vorläufig festgenommen. Er hatte selbst den Notarzt gerufen und Erste Hilfe geleistet. Derzeit ist er wieder auf freiem Fuß. Ihm droht eine Anklage und eine mehrjährige Haftstrafe. Der Arbeitslose behauptet, der Rentner habe ihn geschlagen. Auch Nachbarin Tülay Dursunoglu (35) eilt während des Vorfalls herbei. Sie hat Fritz Ebel vom Balkon im dritten Stock noch schreien hören. „Als es unten still wurde, bin ich sofort misstrauisch geworden“, berichtet die Nachbarin der AZ.

Denn der 75-Jährige habe ein großes Mundwerk gehabt. „Er hat öfter mit Radlern geschimpft, die sich nicht an die Regeln halten.“ Der Rentner habe es nur gut gemeint, sagt sie und wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. „Ohne Herrn Ebel wollen meine Familie und ich auch nicht mehr hier wohnen.“ Denn im Haus habe sich der Senior, der früher bei Siemens arbeitete, freiwillig um alles Mögliche gekümmert: „Dass die Handwerker das Dach gescheit reparieren, dass die Mülltonnen ordentlich geleert werden und dass neue Mieter sich an die Hausordnung halten. Davon haben alle profitiert.“ Auch zu ihren Kindern sei der alte Mann, der für sie „zu unserer Familie gehört“, immer sehr nett gewesen.

Wie es der Familie von Fritz Ebel jetzt geht und was die Söhne Ulrich und Günter sagen, lesen Sie in der AZ vom 05.09.2011.


Lesen Sie zu diesem Thema auch: Die R-Frage - Timo Lokoschat, stellvertretender AZ-Lokalchef, über den täglichen Kampf auf Münchens Straßen

 

 

 

 

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