In genau einem Jahr haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für ihr Kind. Die AZ macht jetzt eine Bestandsaufnahme – und lässt junge Mütter von ihren Erfahrungen berichten.

MÜNCHEN/SENDLING Der 1.August ist ein ehrgeiziges Ziel. Zumindest der 1.August 2013. Heute in genau einem Jahr soll der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Ein- bis Dreijährige gelten. Die Gegenwart sieht so aus: Schon in der Schwangerschaft sind Münchnerinnen unterwegs, um für ihr ungeborenes Kind einen Platz zu sichern – ohne Garantie auf Erfolg. Wie das für die Betroffenen ausgehen kann, zeigt die AZ.

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Caroline Faltus’ Sohn Noel war schon fast zwei Jahre alt, als die junge Mutter erstmals zum Telefonhörer griff. „Wir wohnten damals in Aalen“, sagt die 27-Jährige. „Noels Papa hatte nach seinem Studium einen Job als Grafik-Designer in München bekommen, so dass wir nachziehen wollten.“

Erschwert wurde die Krippenplatz-Suche anfangs dadurch, dass die junge Familie aus Baden-Württemberg weder wusste, ab wann genau sie den Platz brauchen würde, noch wo sie am besten suchen sollte – eine Wohnung hatten die drei ja ebenfalls noch nicht. Und einen Job musste sich die Aalenerin ebenfalls noch organisieren.

Anfang Januar stießen Caroline Faltus und ihr Freund Karl Meyer auf eine traumhafte Altbauwohnung in Sendling, etwa zum gleichen Zeitpunkt ging Faltus auf, dass sie bei den städtischen Krippen keine Chance haben würde.

Aber eine private, erst im Juli eröffnete Krippe, die sie kontaktiert hatte, bot ihr einen Platz an. „Ich habe erst auf dem Weg dorthin realisiert, dass die Krippe nur fünf Minuten von der Wohnung entfernt ist. Wir hatten wirklich ganz, ganz viel Glück“, erzählt die junge Mutter.

Über den Preis, den die Familie für dieses Glück Monat für Monat berappt, mag Faltus lieber nicht nachdenken. 750 Euro zahlen sie und ihr Freund, damit Noel gut aufgehoben ist. „Mit Miete sind wir bei über 2000 Euro Fixkosten im Monat“, sagt sie.

Auch wenn Noel, der im November drei wird, in den Kindergarten wechselt, tritt finanziell kaum eine Erleichterung ein. Denn auch die städtischen Kindergärten sind überlaufen. „Wir kriegen keinen Platz“, sagt Faltus. Also wird Noel in der Einrichtung, die er jetzt besucht, bleiben – für dann 650 Euro im Monat. An ein zweites Kind denken Caroline Faltus und Karl Meyer derzeit nicht. „Obwohl wir gut verdienen, könnten wir uns das im Moment schlicht nicht leisten.“

 

 

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