Sendling Münchnerin zahlt 750 Euro für Kinderbetreuung
Daniela Transiskus, 01.08.2012 14:00 Uhr
Die Sendlingerin Caroline Faltus hat für ihren Sohn Noel einen Krippenplatz gefunden.Foto: Daniel von Loeper
In genau einem Jahr haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für ihr Kind. Die AZ macht jetzt eine Bestandsaufnahme – und lässt junge Mütter von ihren Erfahrungen berichten.
MÜNCHEN/SENDLING Der 1.August ist ein ehrgeiziges Ziel. Zumindest der 1.August 2013. Heute in genau einem Jahr soll der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Ein- bis Dreijährige gelten. Die Gegenwart sieht so aus: Schon in der Schwangerschaft sind Münchnerinnen unterwegs, um für ihr ungeborenes Kind einen Platz zu sichern – ohne Garantie auf Erfolg. Wie das für die Betroffenen ausgehen kann, zeigt die AZ.
Caroline Faltus’ Sohn Noel war schon fast zwei Jahre alt, als die junge Mutter erstmals zum Telefonhörer griff. „Wir wohnten damals in Aalen“, sagt die 27-Jährige. „Noels Papa hatte nach seinem Studium einen Job als Grafik-Designer in München bekommen, so dass wir nachziehen wollten.“
Erschwert wurde die Krippenplatz-Suche anfangs dadurch, dass die junge Familie aus Baden-Württemberg weder wusste, ab wann genau sie den Platz brauchen würde, noch wo sie am besten suchen sollte – eine Wohnung hatten die drei ja ebenfalls noch nicht. Und einen Job musste sich die Aalenerin ebenfalls noch organisieren.
Anfang Januar stießen Caroline Faltus und ihr Freund Karl Meyer auf eine traumhafte Altbauwohnung in Sendling, etwa zum gleichen Zeitpunkt ging Faltus auf, dass sie bei den städtischen Krippen keine Chance haben würde.
Aber eine private, erst im Juli eröffnete Krippe, die sie kontaktiert hatte, bot ihr einen Platz an. „Ich habe erst auf dem Weg dorthin realisiert, dass die Krippe nur fünf Minuten von der Wohnung entfernt ist. Wir hatten wirklich ganz, ganz viel Glück“, erzählt die junge Mutter.
Über den Preis, den die Familie für dieses Glück Monat für Monat berappt, mag Faltus lieber nicht nachdenken. 750 Euro zahlen sie und ihr Freund, damit Noel gut aufgehoben ist. „Mit Miete sind wir bei über 2000 Euro Fixkosten im Monat“, sagt sie.
Auch wenn Noel, der im November drei wird, in den Kindergarten wechselt, tritt finanziell kaum eine Erleichterung ein. Denn auch die städtischen Kindergärten sind überlaufen. „Wir kriegen keinen Platz“, sagt Faltus. Also wird Noel in der Einrichtung, die er jetzt besucht, bleiben – für dann 650 Euro im Monat. An ein zweites Kind denken Caroline Faltus und Karl Meyer derzeit nicht. „Obwohl wir gut verdienen, könnten wir uns das im Moment schlicht nicht leisten.“
Guter Ansatz,aber
@Haderner Sie haben recht, aber noch besser fände ich es wenn Sie selber sich auch in die Kindererziehung einbringen würden. Kinder brauchen nämlich Vater und Mutter. Könnten Sie nicht auch Ihre Stundenzahl reduzieren, oder sind Sie dafür zu 'entbehrlich' in ihrer Arbeit?
Familienfeindliche Gesellschaft
@Seikilos Sie haben richtig erkannt, dass wir in einer Gesellschaft leben in der Arbeitgeberinteressen mehr zählen als Famile und Kinder. Und solange es Menschen wie Sie gibt die das scheinbar einfach hinnehmen wird sich daran wohl auch nicht ändern.... Zum Thema 'Abschieben'. Ich finde es richtig, dass user Theo die Dinge beim Namen nennt.Die Politik und die Arbeitgeberverbände wollen, daß wir alle immer noch mehr arbeiten und Steuern zahlen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das nachvollziehbar. Weil es aber politisch nicht vermittelbar ist versucht man jungen Eltern eben zu erklären, daß Fremdbetreuung das beste für ihre Kinder ist. Und viele Eltern nehmen diesen Lügen dankbar an....
Ich wollte...
@Caroline Sie nicht kränken oder beleidigen. Natürlich kenne ich Ihre persönliche Situation nicht im Detail und ich weiß aus eigener Erfahrung , dass man es als junge Familie nicht leicht hat in München. Sie werden am besten wissen was das richtige für Sie und Ihr Kind ist. Dennoch macht es mich wütend, zu sehen wie viele Eltern diesen Wahnsinn mitzumachen. Wenn Sie aus finanziellen Gründen dazu gezwungen sind, dann tut es mir Leid - aus meinem eigenen Umfeld weiß ich aber, dass viele Eltern sich einfach nicht einschränken wollen und das auf Kosten der Kinder. Von der schlechte Qualität der Münchner Krippen (besonders der privaten) ganz zu schweigen....Und solange Eltern bereit sind jeden Preis für das letzte Loch zu zahlen und die Aufsichtsbehörden bei der Vergabe von Betriebserlaubnissen beide Augen zudrücken um den Rechtsanspruch nicht zu gefährden wird sich an der Qualität auch nichts ändern. Hauptsache die Kinder sind untergebracht...