Seit 125 Jahren ein Teil von München Neuhausen - Das Viertel der Gegensätze

An der Johann-von-Werth-Straße in Neuhausen stehen prächtige Jugendstilhäuser. Das rote Haus gibt's gleich zweimal ... Foto: Petra Martin

Seit 1890 ist Neuhausen kein Dorf mehr, sondern ein Stadtteil von München. Viel hat sich seitdem getan - ein Dorf ist Neuhausen doch irgendwie noch!

Neuhausen - Bevor Neuhausen 1890 zu einem Teil von München wurde, war es ein eigenständiges Dorf. Am 1. Januar 2015 jährte sich die Eingemeindung zum 125. Mal. Und irgendwie ist Neuhausen noch immer ein Dorf. Ein bisserl zumindest. Auch, wenn es zusammen mit Nymphenburg und Gern den 9. Stadtbezirk bildet, in dem 95.906 Menschen leben, verteilt auf 1.291,45 Hektar - das sagt die Statistik der Landeshauptstadt München (Stand 31.12.13). Ergibt 74 Einwohner pro Quadratkilometer. Außerdem gibt’s im Viertel fünf Museen, sechs Theater - aber nur ein Kino. Ungezählt freilich die vielen Kneipen, Bars, Restaurants und zahlreichen kleinen und großen Läden.

Neuhausen ist einfach eine bunte Mischung - bei eigentlich allem: Zum einen gibt’s prunkvolle Häuser, die erahnen lassen, dass die Mieten nicht für jeden erschwinglich sind. Auf der anderen Seite prägen gerade auch die Genossenschaftsbauten von Post und Eisenbahn das Gesicht Neuhausens. Einerseits gibt’s viele Grünflächen, andererseits herrscht viel Verkehr. Über die Donnersbergerbrücke und Landshuter Allee schieben sich täglich 100.000 Fahrzeuge. Deshalb gibt es jetzt auch Überlegungen, den bestehenden Landshuter Allee-Tunnel zu verlängern. In das Netz des Öffentlichen Nahverkehrs ist Neuhausen gut eingebunden. Die S-Bahn-Stammstrecke ist gleichzeitig die südliche Viertelgrenze. Mit der U 1 besteht eine weitere Verbindung in die Innenstadt, außerdem kreuzen Trambahnen und Busse durchs Viertel. Auch mit dem Radl kommt man im Viertel gut voran.

Eigentlich muss man gar nicht aus Neuhausen raus: Hier gibt’s alles, was das Herz begehrt. Außer ein Freibad - aber das Dantebad in Gern zählt dann einfach mal großzügig zu Neuhausen. In Neuhausen ist immer was los. Das war schon vor der Eingemeindung so. Wer Geschichten über die Geschichte des Stadtteils hören will, dem sei eine Führung der Geschichtswerkstatt Neuhausen empfohlen. Franz Schröther ist im Viertel aufgewachsen und erzählt bei den zweistündigen Rundgängen nicht nur aus der Zeit, als die königlichen Kutschen durch Neuhausen fuhren, sondern würzt die Führungen auch mit Erinnerungen seiner Jugend. Das macht die Stadtteilführung so lebendig wie Neuhausen selbst.

Wie erwähnt, gibt’s in Neuhausen alles - nur keinen Maibaum mehr. Der alte war morsch und musste abmontiert werden. Für einen neuen fehlt das Geld. Eigentlich unglaublich, in München! Deshalb steht auf dem zentralen Platz, dem Rotkreuzplatz, kein weiß-blaues Stangerl mehr. Das ist eigentlich schon das einzige, was Neuhausen von einem normalen Dorf unterscheidet. Auch hier, mitten in der Großstadt München, kennt man sich, ratscht auf der Straße, mit den Nachbarn oder in den Geschäften. Wer lange nicht in einem Laden war, wird schon mal gefragt, ob alles ok ist. Und den neuesten Tratsch gibt’s stilecht beim Friseur! Übrigens ist der Rotkreuzplatz nicht der Ursprung Neuhausens. Das war ein namenloser Platz etwas nördlich des Rotkreuzplatzes, wo Volkart- und Winthirstraße aufeinandertreffen.

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