Sein bizarres Leben "Harald Hitler": Gay-Model, Hass-Autor, Laien-Schauspieler

"Harald Hitler" in Braunau. Die Bilder. Foto: Daniel Scharinger

Anfang der Woche ging sein Bild um die Welt: Harald Z., der sich selbst "Harald Hitler" nennt, marschierte vor dem Geburtshaus des NS-Diktators im österreichischen Braunau auf. Die AZ stellt den Mann mit dem bunten Lebenslauf und der braunen Ideologie vor.

Braunau – Wer ist "Harald Hitler"? Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Geboren als Harald Z. wuchs der heute 25-Jährige in der Steiermark auf. Fürs Kunst-Studium zog er nach Graz, später weiter nach Wien, um dort Karriere zu machen. "Er wollte immer berühmt werden", zitiert Österreich seinen ehemaligen Freund und Mitbewohner Alexander D..

Kennengelernt haben sich Z. und sein späterer Mitbewohner in einer Schwulen-Bar: "Er ist nicht schwul, aber er hat sich gern in der Szene bewegt, weil er wusste, dass Schwule gute Kontakte in der Künstlerszene haben", sagt der Freund. Welchen künstlerischen Weg Harald Z. tatsächlich einschlagen wollte (Postkarten malen?) ist unklar, fest steht nur, dass es mit der Künstler-Karriere bislang nichts wurde.

Ein "gewisses rechtes Gedankengut" habe Z. dabei immer an den Tag gelegt, erklärt Alexander D.. Er betont allerdings auch: "Harald ist eigentlich ein liebenswürdiger, lustiger Kerl." Dass er jetzt als Hitler-Double auftrete, hält er für eine "narzistische Persönlichkeitsstörung".

Dating-Show und Filmgeschäft

Neben dem Studium betätigte sich Harald Z. einige Zeit als Model. Wie auch schon beim Kennenlernen mit Alexander D. präsentierte er sich dabei sexuell sehr aufgeschlossen: Einerseits posierte er als "Male-Model" für das österreichische Schwulenmagazin "Gleichlaut", andererseits buhlte er in der Kuppelshow "Messer, Gabel, Herz" um die Sympathien der Modedesignerin Rebekka aus Niederösterreich.

Highlight des Auftritts war ein Strip während des Desserts, dennoch konnte er das Herz der Kandidatin nicht restlos erobern. Bei dem Auftritt im Juni 2013 war Z. übrigens noch blondiert und von einem Zwei-Finger-Oberlippenbart war auch nichts zu sehen.

Schon kurz zuvor, Mitte 2012, war Harald Z. in dem österreichischen Kurzfilm "Homophobia" aufgetreten. Darin wird die die Geschichte eines jungen, homosexuellen Wehrpflichtigen im österreichischen Bundesheer erzählt. Model Z. übernahm eine kleine Nebenrolle, auf die er sich über einen Online-Aufruf beworben hatte.

Über Braunau nach München

Einige Jahre später behielt Z. dann seine rechte Gesinnung nicht mehr nur für sich, sondern trug sie auch aktiv in die Öffentlichkeit. 2015 und 2016 gab der Möchtegern-Hitler 2015 die Zeitschrift "Das Arbeitertum" heraus, die im Selbstverlag erschien und voller Goebbels-Vokabular und NS-Ideologie war. Unter anderem wurde mit dem Goebbels-Zitat "Lernt das Volk verstehen, dann wird das Volk euch verstehen" für die Publikation geworben.

Ebenfalls zu dieser Zeit marschierte Harald Z. bei österreichischen Pegida-Kundgebungen mit und trat erstmals mit Seitenscheitel und Bärtchen als Hitler-Double auf. Anfang 2016 kam es dann zu einem kuriosen Zwischenfall: Z. nahm an einer Demo der rechten Identitären Bewegung vor einen Asylbewerberheim teil. Doch ein Hitler-Imitator in den eigenen Reihen, "das war sogar den Identitären zu viel", zitiert die österreichische Kleine Zeitung einen Polizisten. Der Versammlungsleiter ließ "Harald Hitler" des Platzes verweisen.

Anfang 2017 wollte Harald Z. dann nach München ziehen. Er gab seine Wohnung in Wien auf und machte sich auf die Reise. Einen Zwischenstopp legte er vor gut zwei Wochen in Hitlers Geburtsstadt Braunau ein. Da ihm mittlerweile das Geld ausging, blieb er zunächst einmal dort und besserte seine Reisekasse auf, indem er für Touristen vor dem Geburtshaus des Diktators und Massenmörders posierte.

Am Montag um 18:03 Uhr endete der bizarre Auftritt mit Harald Z.s Verhaftung wegen des Anfangsverdachts der Wiederbetätigung. Darunter versteht man in Österreich den strafbaren Tatbestand des deutlichen Glorifizierens Hitlers. Inzwischen sitzt er wegen Wiederholungs- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft und wurde nach Wien überstellt.

Unmittelbar zuvor fragte ihn noch eine Reporterin nach seinen Plänen, fals er es bis nach München schaffen sollte. "Das wird das größte Abenteuer des Jahrhunderts", lautete die Antwort. Und was genau solle man sich darunter vorstellen? "Staatsgeheimnis!" Dann klickten die Handschellen.

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