Die Schwuhplattler feiern ihr Jubiläum. Der ungewöhnliche Verein hat 70 Mitglieder.

MÜNCHEN - Schuhplatteln gilt als urbayerischer Brauch. Viele Trachtenvereine und Tanzgruppen zwischen Garmisch und Berchtesgaden pflegen ihn. Eine Gruppe sticht dabei heraus: Die „Schwuhplattler“, ein Verein von Schwulen aus München und Umgebung. Im Oktober feiern sie ihr 15-jähriges Bestehen.

Sepp Stückl ist ein waschechter Bayer. In seiner Tracht aus Lederhosen, handgestrickten Strümpfen, mit seinem Hut und dem schwarzen Schnauzbart könnte er urtümlicher nicht aussehen. Als einer der Mitbegründer der „Schwuhplattler“ ist er erster Vorsitzender der Gruppe.

Angefangen hat alles vor 15 Jahren. Damals traf Stückl bei einem Volksfest auf Georg, der seinen Nachnamen lieber nicht preisgeben möchte. Gemeinsam entstand die Idee zu einer eigenen Plattlergruppe. „Wir haben uns eigentlich mehr zur Gaudi zur Probe verabredet.“ Heute hat der Verein mehr als 70 Mitglieder.

Für Stückl gehört das Platteln schon seit seiner Kindheit zum Leben, mit 21 wurde er Vorstand seines Vereins. Mit seinem Outing änderte sich vieles: „Da gab es manche, die sich abgewandt haben.“ Bei größeren Auftritten war er plötzlich unerwünscht: „Sie haben mir gesagt, dass sie nicht mehr für meine Sicherheit garantieren können.“

Bisher sind die „Schwuhplattler“ keinem Gau – einem regionalen Trachtenverband – unterstellt. „Wir provozieren mit unserer Existenz schon genug“, sagt Stückl. Eine Nachfrage beim Trachtengau München bestätigt diesen Eindruck: „Wir sind nicht gerade begeistert“, sagt der zweite Gauvorstand zu der Tanzgruppe – bevor die Verbindung unterbrochen wird.

Die Schauspielerin Brigitte Walbrun, bekannt aus „Dahoam is Dahoam“, hat einen Beitrag über die „Schwuhplattler“ im BR gesehen. Die Gruppe habe ihr auf Anhieb sehr gut gefallen. Jetzt hat sie sie für die Hochzeitsfeier ihres Sohnes gebucht. „Man sollte das unterstützen. Schwulsein ist eine ganz normale Sache.“