Schwerer Missbrauch und Kinderpornos Prozessbeginn am Montag: Förster kündigt Geständnis an

, aktualisiert am 13.09.2017 - 11:55 Uhr
Steht ab Montag vor Gericht: Der frühere SPD-Politiker Linus Förster. Foto: Matthias Balk/dpa

Ein Besuch bei einer Prostituierten läutete vor einem Jahr das Ende von Linus Försters Karriere ein. Der SPD-Landtagsabgeordnete wollte die Frau beim bezahlten Sex heimlich filmen. Letztlich kamen immer mehr Vorwürfe ans Licht. Nun beschäftigt sich ein Gericht damit.

Augsburg - Der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte ehemalige Landtagsabgeordnete Linus Förster wird die Vorwürfe im Prozess voraussichtlich einräumen. "Es wird ein Geständnis geben, er hat ja gar keine andere Wahl", sagte sein Verteidiger Walter Rubach der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei Försters Chance in dem Verfahren, in dem dem früheren SPD-Politiker mehrere sexuelle Straftaten vorgeworfen werden. Förster soll insbesondere mehrfach schlafende Frauen missbraucht und dabei teilweise auch heimlich Videoaufnahmen gemacht haben.

Urteil am 29. September?

Ab Montag (18. September) steht der 52-Jährige deshalb vor dem Landgericht Augsburg. Der Prozess findet vor der Jugendkammer statt, weil Förster auch wegen des Besitzes von mehr als 1.300 Kinderpornos angeklagt ist. Besonders erschreckend: Förster war jahrelang auch jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion im Maximilianeum. Insgesamt haben die Richter fünf Verhandlungstage geplant, das Urteil könnte demnach am 29. September verkündet werden.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen gegen den Politiker durch eine Augsburger Prostituierte. Laut Anklage war Förster vor einem Jahr zu der Frau gegangen und wollte sie heimlich beim vereinbarten Sex filmen. Mit Hilfe einer Kollegin konnte die Prostituierte den Speicherchip sichern, als sie die Kamera bemerkte. Förster hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwar noch versucht, sich die Karte zurückzuholen und die Frau bei dem Gerangel auch verletzt. Der Aufnahmechip blieb letztlich aber bei der Prostituierten.

Damit erstattete die Frau Anzeige gegen den ihr unbekannten Freier. Die Auswertung der Aufnahmen auf dem Chip führte die Kripo auf die Spur des damaligen Landtagsabgeordneten. Am 15. November 2016 durchsuchten die Ermittler nicht nur Försters Wohnung in Augsburg, sondern auch seine Räume in der Augsburger SPD-Zentrale sowie sein Landtagsbüro in München. Dabei wurden etliche Festplatten und eine Daten-CD sichergestellt, die den Ermittlern Hinweise auf weitere Straftaten brachten.

Schlafende Freundin missbraucht

Als die Vorwürfe gegen Förster immer schwerwiegender wurden, kam er Mitte Dezember in Untersuchungshaft. Zuvor schon hatte der frühere schwäbische SPD-Bezirksvorsitzende seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Förster trat aus der SPD aus und legte zum Jahresende 2016 sein Landtagsmandat nieder.

Laut Anklage hatte sich Förster beispielsweise 2012 zwei Mal an seiner Freundin vergangenen. Die Frau nahm Schlafmittel und konnte sich deswegen nicht gegen die Übergriffe wehren. Beim Missbrauch soll Förster heimlich Videos gedreht haben. In mehreren Fällen, bei denen er einvernehmlichen Sex mit Frauen hatte, soll Förster ebenfalls ohne Wissen der Opfer eine Kamera positioniert haben.

Wenige Tage nach dem Zwischenfall mit der Prostituierten in Augsburg soll der Angeklagte erneut heimliche Filmaufnahmen von einer Frau gemacht haben, diesmal in Baden-Württemberg. Förster soll damals einer 20-Jährigen 250 Euro für Erotikaufnahmen geboten haben. Er holte demnach die Schülerin in Stuttgart vom Hauptbahnhof ab und fuhr mit ihr in einen Wald, wo er einvernehmlich Fotos von der Nackten machte. Allerdings soll Förster bei der Gelegenheit auch ohne Erlaubnis der Schülerin Videos gedreht haben.

Er ist wegen sexuellen Missbrauchs widerstandunfähiger Personen in mehreren Fällen angeklagt, teils werden die Fälle als schwer gewertet, teils wird ihm versuchter Missbrauch vorgeworfen. Ferner werden Förster auch Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. Dem Ex-Politiker droht bei einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren.

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